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Landeszeitung

05. Dezember 2016 | 13:30 Uhr

Ein Hauch Afrika in Nortorf

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Massai-Krieger aus Tansania berichteten zusammen mit Angelika Wohlenberg-Kinsey von ihrer Kultur und Lebensweise

„Es gibt viel zu wenig Regen. Überall ist Staub, der wie Nebel in der Luft hängt“, beschreibt Krankenschwester und Hebamme Angelika Wohlenberg-Kinsey. In einem Kraal, einer von Dornhecken geschützten, kreisförmigen Siedlung, leben die Massai. Die Hütten sind aus Kuhmist gebaut. Als Krieger und Viehzüchter ziehen die Männer den ganzen Tag mit ihren Rindern auf der Suche nach Gras und Wasser durchs Land. Die Frauen kümmern sich tagsüber um die Kinder und melken abends das Vieh. Es wird viel gesungen und gebetet.

Für die Schülerinnen und Schüler der „Schule an den Eichen“ in Nortorf ist vieles davon fremd. Mit neugierigen Blicken verfolgen sie den Vortrag. Das Nortorfer Förderzentrum mit Schwerpunkt Geistige Entwicklung ist einer von mehreren Stopps einer einmonatigen Vortragsreise durch Deutschland. Zusammen mit „Sister Angelika“, wie sie von den Massai genannt wird, sind Isack und Yona aus Tansania, Ostafrika, nach Deutschland gereist, um ihre außergewöhnliche Kultur und Lebensweise vorzustellen. Diese konnten sie bis heute fast unverändert erhalten. Wohlenberg-Kinsey zeigt aber auch die Herausforderungen, die die Existenz und Identität der Massai bedrohen. Mit der Unterstützung des Vereins „Hilfe für die Massai“ hat sie viele Projekte im Bereich Bildung, medizinische Versorgung und Frauenrechte vorangetrieben.

Zu Beginn der Präsentation stellt die Lehrerin Marie Hansen die drei Gäste vor. Sie hatte den Kontakt erst hergestellt, da sie selbst 2012 bei einem einjährigen Aufenthalt im Massailand gearbeitet hatte. Eingeleitet wird der Vortrag von mehreren traditionellen Liedern, begleitet von Gitarre und Trommel. Dann beginnt Angelika Wohlenberg-Kinsey von ihren Abenteuern in Ostafrika zu erzählen.

Während das traditionsreiche Leben der Massai im Dorf überwiegend friedlich verläuft, steht das Volk doch vielen Problemen gegenüber. So führen die Frauen ein stark benachteiligtes Leben. Mit elf Jahren werden die Mädchen teilweise schon zwangsverheiratet. Erst sind sie „Besitz des Vaters, nach der Heirat Besitz des Ehemanns“. Durch fehlende Schul- und Ausbildungsmöglichkeiten können die weiblichen Massai schlecht für ihre Rechte eintreten. Auch medizinisch besteht Nachholbedarf. Die Gesichter auf vielen Fotos der Diashow sind mit Fliegen bedeckt. Die mangelnden Hygienebedingungen ermöglichen die rasche Ausbreitung von Krankheiten. Die Anzahl von HIV–Infektionen nimmt immer mehr zu.

Mit ihrem Engagement hat Angelika Wohlenberg-Kinsey schon ein Internat und eine Grundschule für die Massai-Kinder gegründet. „Bildung ist ganz wichtig“, betont sie. Auch für die Frauenrechte setzt sie sich verstärkt ein. Durch Gottesdienste, in denen die Massai zu Christen werden, erfahren die Frauen mehr Würde, können zur Schule gehen und haben bessere Zukunftsaussichten. Zum Schluss bedanken sich die Schülerinnen und Schüler mit einem lauten „Asante!“, das in der Landessprache Kiswahili „Danke!“ bedeutet.

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erstellt am 19.Sep.2016 | 12:44 Uhr

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