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Landeszeitung

06. Dezember 2016 | 11:20 Uhr

Hohn : Ein Flugzeug-Riese in der Inspektion

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

In der Werfthalle des Lufttransportgeschwaders 63 werden die Maschinen vom Typ Transall C-160 zur Wartung auseinandergeschraubt.

So bekommt selten jemand ein Transportflugzeug der Luftwaffe zu Gesicht. In der riesigen Werfthalle auf dem Nato-Flugplatz Hohn steht eine Transall C-160 aufgebockt: Die Fahrwerke demontiert, die schwarze Nase hochgeklappt, die Propeller stehen von den Flügeln abgebaut auf Ständern vor der Maschine, die über die gesamte 40-Meter-Spannweite von Gerüsten umgeben ist. Das Flugzeug befindet sich mitten in der Inspektion. Im Dock, wie die Hohner Soldaten sagen.

„Mit einem Ölwechsel ist es nicht getan.“ Trockener Humor ist das Kennzeichen von Dock-Chef Holger Koschnitzki (56). Unter seiner Ägide wird das Flugzeug von einer rund 30 Mann starken Truppe auseinander genommen und wieder zusammengesetzt. Der gelernte Fluggerätemechaniker steht seit 37 Jahren im Dienst des Verbandes. In dieser Zeit hat er das Inspektionsprozedere rund 2000-mal absolviert. Damit gehört „Koschi“, wie sie ihn in der Werfthalle nennen, zu den erfahrendsten Mitarbeitern. Öl wird an der Maschine zwar auch gewechselt, doch es sind hunderte Arbeitsschritte mehr, die zu tun sind, wenn eine Transall nach 300 Flugstunden ins Dock kommt. Kein Wunder, denn so ein Flugzeug besteht aus rund 60  000 Einzelteilen – „grob gerechnet, ohne Schrauben und Nieten“, schätzt Koschnitzki. Klar, dass die nicht alle ausgebaut und säuberlich nebeneinander aufgereiht werden. Stattdessen arbeiten die Techniker eine mehrere Meter lange Liste ab, auf der steht, welche Teile überprüft und anschließend gleich wieder eingebaut werden müssen. Viele Arbeitsschritte werden nach dem Vier-Augen-Prinzip ein zweites Mal überprüft. „Sicherheit steht im Vordergrund. Verschleiß ist in der Fliegerei eben deutlich kritischer als zum Beispiel beim Auto“, sagt Oberstleutnant Gerold Kassens, stellvertretender Kommandeur der Technischen Gruppe.

In der 44 Jahre alten Maschine mit dem Namen „Hohn“ ist jeder Platz bis in die letzte Ecke mit Flugtechnik ausgenutzt. Die Steuerung erfolgt kaum – wie bei modernen Maschinen üblich – elektronisch, sondern vor allem mechanisch. Flügelklappen, Seiten- und Höhenruder sowie etliche andere Steuerelemente sind über Stahlseilzüge und Steuerstangen mit Pedalen und Hebeln im Cockpit verbunden. Sie alle müssen auf Spannung und den richtigen Sitz überprüft werden. An Tragflächen, Leitwerk, Rumpf und Cockpit sind jeweils eigene Mechaniker im Einsatz. Auch für Instrumente, Triebwerke, Funk- und Navigationsvorrichtungen sowie Elektrik und Hydraulik wird von spezialisiertem Personal betreut. Zudem sind Metaller, Sattler und Maler mit der Wartung der Maschine beschäftigt. Den Überblick über alles behält Holger Koschnitzki. „Im Cockpit müssen fast alle Techniker während der Inspektion mindestens einmal arbeiten, aber es passen ja nicht alle gleichzeitig hinein, deshalb ist Koordination so wichtig“, sagt er. Koschnitzki hat nicht nur Humor, sondern kann auch ein strenges Regiment führen, obwohl er zum zivilen Teil der 700 Mann starken Technischen Gruppe des Lufttransportgeschwaders gehört, die für Wartung und kurzfristige Reparaturen der 16 Transall-Maschinen zuständig ist. Der Inspektionsleiter hat seiner Truppe eingeschärft, dass Flugsicherheit die Verantwortung aller ist. Dabei spielen „Foreign Objects“ eine große Rolle. Das sind fremde Teile, etwa Schrauben oder Werkzeuge, die nirgendwo herumliegen dürfen. „Jeder muss dazu beitragen“, sagt etwa Stabsunteroffizier Tobias König, der an einem Triebwerk beschäftigt ist. „Wenn irgendwo eine Mutter herunterfällt, müssen wir sie wiederfinden, auch wenn es ein paar Stunden dauert.“ Denn lose Teile können im Betrieb der Maschine große Schäden anrichten – bis hin zum Absturz.

Rund drei Monate dauert es, bis hinter jedem Arbeitsschritt auf der langen Liste ein Häkchen gesetzt ist. Erleichtert ist Holger Koschnitzki jedoch erst nach dem Test in der Luft. „Für mich ist es jedes Mal ein kleiner Jungfernflug, wenn ein Flugzeug nach der Inspektion die Halle verlässt.“

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erstellt am 09.Sep.2016 | 06:00 Uhr

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