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Landeszeitung

10. Dezember 2016 | 21:34 Uhr

Ein-Blick Über-Blick Alp-See

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Einblicke in die Probenarbeit der Orchesterakademie des Schleswig-Holstein Festivalorchesters gibt es in diesen Wochen reichlich. Sie bieten bequeme Möglichkeiten, Musikwerke aus der Sicht des Dirigenten und der Musiker kennenzulernen. Das funktioniert gut, wenn nicht mehr geübt, sondern geprobt wird. „Wer übt, kann nichts“ heißt es bissig im Musikerjargon. Üben bedeutet also, die Fingerfertigkeit so zu vervollkommnen, dass alle Töne richtig erklingen. Vergleichbar dem Buchstabieren eines Wortes. Wer Buchstaben einzeln nacheinander aufsagen kann, ist deshalb ja auch noch lange kein perfekter Sprecher. Das erlernt man erst im nächsten Schritt. Wenn es mit einer knappen Hundertschaft Menschen und Musikern geschieht, kann es anstrengend werden. Aber auch erkenntnisreich: Weil man jedes Wort „so“ oder „so“ und auf mehrfache Weise anders betonen und mit anderem Sinn aussprechen kann, ist das auch mit Musik-Themen und Melodien möglich. Das macht den Reiz dieser Probenarbeit aus: Es wird wirklich geprobt! Und zwar, ob man es besser „so“ oder „so“ spielt. Manchmal sind die Unterschiede kaum wahrnehmbar. Das ist erkenntnisreich für Kenner und Neulinge. Besonders, wenn dabei ein bewährtes Klassiker-Schlachtross wie Beethovens viertes Klavierkonzert auf den Notenpulten liegt.

Überblicke bereichern das Leben. Um etwa gefährliche, unangenehme oder komplizierte Situationen mit einem Blick zu Über-Blicken, braucht man kühle Gedanken. Eine geistige Leistung, die man gut mit festem Boden unter den Füßen erbringen kann. Herausfordernder wird es, will oder muss man komplizierte Sachverhalte verstehen. Dazu kann es hilfreich sein, den Boden der Tatsachen im wahrsten Sinne des Wortes zu verlassen, in die Höhe zu steigen und mit etwas mehr Abstand das vermeintliche Chaos zu betrachten. Wie beim Blick vom Turm von St. Marien über die Stadt in Richtung der wunderschönen Eisenbahnhochbrücke. Immer noch ohne Schwebefähre! Schon auf dem Weg nach oben erfährt man viel über Baugeschichte und Probleme von Kirchtürmen auf moorigem Grund. Wer den Aufstieg über steile Holzstiegen und enge Treppen in die Höhe geschafft hat, wird gleich mehrfach belohnt: Mit einem fantastischem Überblick in allen vier Himmelsrichtungen, weiteren sachkundigen Erklärungen vom Turmführer und der Erkenntnis, dass sogar ein System im Gewirr der Straßen und Plätze der Stadt existiert.

Drei plus eins ergibt vier. Das ist bekannt. Spannender wird es, wenn sich dahinter ungewöhnliches an ungewöhnlichem Ort verbirgt. Zum Beispiel ein Schlagzeug in der Kirche. Und dazu drei Posaunen. Die kennt man zwar schon an diesem Ort, aber alles zusammen „hat was“, das neugierig macht. Wenn dann noch mit einem Titel wie „Bach und der Weiße Hai im Alpensee“ dafür geworben wird, erst recht. Ist der Bach ein Bächlein, das den Alpensee speist, oder ist es der in Kirchen allgegenwärtige Johann Sebastian? Oder gar beides? Das Rätsel löst ein Blick in die Marienkirche. Am kommenden Mittwoch reicht ein Blick, um die Instrumente und ihre Spieler zu sehen. Der Überblick übers Programm dauert länger: Eine knappe Stunde. „Hören“ braucht mehr Zeit als „Sehen“.

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erstellt am 10.Aug.2016 | 11:16 Uhr

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