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Landeszeitung

11. Dezember 2016 | 07:10 Uhr

Drittklässler leben sich auf der Theaterbühne aus

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Selbsterfahrungsprojekt in den Kammerspielen / Aufruf zu Toleranz

„Establishing Identity“ – zu deutsch Identität etablieren – so heißt das Theaterprojekt, das Kinder der Schule Mastbrook in den Kammerspielen des Stadttheaters aufgeführt haben. Nach Deutschland importiert hat das Stück, das auf Geschichten vom Zusammenleben im New Yorker Stadtteil Harlem basiert, die Künstlerin Deborah Di Meglio. Gemeinsam mit der Schauspielerin und Sängerin Kati Luzie Stüdemann hat sie die Mastbrooker Schüler durch das Selbsterfahrungsstück geleitet. Damit wurde Theater-Neuland an einem Ort betreten, der ideal für Experimente und Erfahrungen mit kleinerem Publikum ist. Hier waren es hauptsächlich Eltern der Schulkinder, die die Möglichkeiten des Theaters und ihrer Kinder kennenlernten.

Anderthalb Wochen hatte die Klasse 3a an der Aufführung gearbeitet. „Die Kinder sollen sich selbst erfahren und andere sehen“, sagte Di Meglio. 20 Schüler sollten das Gefühl von Gemeinschaft sowie persönlicher und kultureller Identität entwickeln. Mit der geforderten Geduld und Disziplin war es auch ein Intensiv-Kurs in Konzentration und Selbstfindung. Aus einem Haufen verschiedener Charaktere entwickelten die beiden – zunächst mit jedem Kind einzeln – ein Bild der jeweiligen Persönlichkeiten. „Es soll das Bewusstsein stärken und gegenseitiges Verstehen mit größerer Akzeptanz der Anderen schaffen“, sagte Di Meglio.

Der Akt „Bin ich so?“stellte Eigenschaften des jeweiligen Kindes aus Sicht der Klasse vor. Jedes Kind wurde wie eine Puppe in typische Haltungen gebracht: cool, traurig, träge oder fröhlich. Ausdruck ohne Worte, nur in Körpersprache. In wechselnden Konstellationen zeigten die Schüler, wie sich aus Individuen Gruppen mit teils gleichen Eigenschaften bilden: Brüder, Schwestern, Freunde. Dann traten die Kinder in anderen Zusammenhängen auf. Daraus folgte für die Schüler die große Erkenntnis: „Wir sind viele mit unterschiedlichen Interessen, Eigenschaften und Verhalten – und doch immer dieselben“.

Lehrreich auch der Hinweis, wie freundlich-nachbarschaftliches Leben zu erreichen sei: Man nimmt aufeinander Rücksicht, toleriert „anderssein“ – man ist ja schließlich auch selber anders als andere Menschen – ordnet sich in die Gruppe und damit letztlich in die Gesellschaft ein. Das haben die Kinder mit ihrem Auftritt den eigenen Eltern auf deutliche, freundliche und gleichzeitig drastische Weise gezeigt. Auch für die hatte die Aufführung einen Lerneffekt.

„Ihre Kinder sind toll, jedes einzige. Sie sind großartig!“ lobte Kati Luzie Stüdemann zum Schluss. Großartig auch die Wirkung dieser zu großen Teilen frei improvisierten Aufführung. „Diese Kinder haben in der Schule mehr gelernt als nur Rechnen und Schreiben“ schloss Detlef Vogel, Schulleiter der Schule Mastbrook, unter großem Beifall das Erkenntnis-Erlebnis ab. Die Aufführung hat nur eine halbe Stunde gedauert. „Die Wirkung bleibt bestimmt ein Leben lang“, hofft er.  

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erstellt am 03.Jul.2016 | 17:58 Uhr

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