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Landeszeitung

26. März 2017 | 19:13 Uhr

Verlustreiche Neue Heimat : Die Tür für Partner öffnet sich

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Grundsatzbeschluss zur städtischen Seniorenwohnanlage: Der Eigenbetrieb soll eine GmbH werden – möglichst mit Mitgesellschaftern.

Sie schreibt rote Zahlen. Jeden Tag 2000 Euro. Das Jahresminus beträgt mehr als 700  000 Euro. Die kommunale Seniorenwohnanlage „Neue Heimat“ hat sich zu einem der größten Verlustbringer für Rendsburg entwickelt. Seit einem Jahr beraten Verwaltung, Politik und Mitarbeiter über einen Ausweg aus der Misere – ohne Ergebnis. CDU-Ratsherr Klaus Brunkert dauerte das zu lange. Der Vorsitzende des Finanzausschusses drängte in der jüngsten Sitzung auf eine Entscheidung. „Ich habe einen Beschluss erzwungen“, sagt er.

Ergebnis: Das 100-Betten-Haus an der Schleswiger Chaussee wird nicht verkauft. Angestrebt wird jetzt die Form einer Betreibergesellschaft, um „so bei der Gestaltung neuer Arbeitsplätze und Verträge flexibel und zeitgemäß reagieren zu können“, heißt es im Beschluss. Gerade unter den Aspekten der Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sei es sinnvoll, eine Gesellschaftsform zu wählen, die mehr Gestaltungsspielraum lässt. „Aufgrund der sozialen Verpflichtung sollen faire Gehälter gezahlt und angemessene Sozialleistungen geboten werden.“ So endet die Beschlussempfehlung an die Ratsversammlung. Sie hat am Donnerstag, 30. März, das letzte Wort.

Eine vollständige Übernahme des Hauses durch die Diakonie-Stiftung Kropp scheint damit vom Tisch. Auch sie stand bis zuletzt im Raum. Ein weitergehender Antrag, der den Verkauf der „Neuen Heimat“ zum Ziel hatte, scheiterte am Dienstagabend knapp. Die Ja-Stimmen der CDU (drei) und der Grünen (eine) reichten nicht aus; SPD, SSW, Modernes Rendsburg und Soziales Rendsburg (zusammen sechs Stimmen) waren dagegen. Brunkert begründet die Haltung seiner Fraktion so: „Bei einem Verkauf wäre die zukünftige Belastung für den Haushalt zumindest kalkulierbar.“ Grünen-Fraktionschef Klaus Schaffner sieht die Gefahr, „dass die Neue Heimat auch in den nächsten Jahren nicht in die schwarzen Zahlen kommt“. Nach dem Beschluss vom Dienstag ist für ihn das Thema jedoch vom Tisch. „Ein Verkauf kommt nicht mehr in Frage.“

Mit 6:4-Stimmen votierte der Finanzausschuss anschließend für den Weg in Richtung GmbH. „Wir werden dafür sorgen, dass das möglichst schnell umgesetzt wird. Sonst laufen uns die Defizite davon“, sagt Brunkert.

Der Entscheidung liegt ein Konzept zu Grunde, das in der „Neuen Heimat“ selbst erstellt wurde. Es sieht eine stufenweise Erweiterung von 100 auf 140 Betten vor. Die Vergrößerung soll zum einen durch den Neubau von vier Wohngruppen mit jeweils 15 Einzelzimmern realisiert werden. Ein Gebäudeteil aus dem Jahre 2004 bleibt erhalten, ein veralteter und nicht barrierefreier Trakt anno 1968 wird abgerissen. Das pflegerische Konzept der „Neuen Heimat“ soll dem veränderten Bedarf ebenfalls angepasst werden. Geplant sind spezielle Wohngruppen für Demenzkranke sowie Kurzzeit-Pflegeplätze. Voraussichtliche Gesamtkosten für den Totalumbau nach den Vorgaben des Eigenkonzepts: neun bis zehn Millionen Euro.

Ein Verkauf würde die Stadtkasse mit sieben Millionen Euro belasten – drei Millionen Euro Restschuld, die auf dem Gebäudeteil aus 2004 liegt plus weitere vier Millionen Euro als Entschädigung an den Käufer wegen des Sanierungsstaus und der schlechten Geschäftslage.

Die Umwandlung in eine GmbH habe für die jetzige Belegschaft keine Nachteile, versichert Bürgermeister Pierre Gilgenast. „Für das bestehende Personal gilt die Wahrung des Status Quo.“

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erstellt am 17.Mär.2017 | 08:40 Uhr

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