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Landeszeitung

26. April 2017 | 12:01 Uhr

Die Jugendlichen weiterhin fördern

vom

AUKRUG | Die schwierigen Berufsaussichten der Jugendlichen von Sien angesichts steigender Arbeitslosigkeit in Burkina Faso waren ein Hauptgesprächsthema beim Treffen von Patrice Toé und Bürgermeister Nils Kuhnke. Der ehemalige Vorsitzende des Partnerschaftsvereins von Sien nutzte eine Baumwoll-Fachkonferenz in Berlin zu einem Abstecher nach Aukrug. Heute tritt der Soziologieprofessor aus Bobo-Dioulasso die Heimreise nach Afrika an.

"Alle Einwohner von Sien bedanken sich ganz herzlich bei den Aukrugern", sagte Patrice Toé zum Auftakt seines Treffens mit Bürgermeister Nils Kuhnke, "seit 18 Jahren schon haben wir viele Projekte gemeinsam in Angriff genommen, und Aukrug hat in dieser Zeit ganz viel für Sien getan." Patrice Toé hat die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Partnergemeinden Sien und Aukrug selbst ganz wesentlich mitgeprägt, denn von 2006 bis zum 14. August 2010 hatte Toé den Chefposten beim Entwicklungsverein und auch beim Partnerschaftsverein von Sien inne. Dass sich Toé, der Soziologie und Anthropologie an der polytechnischen Universität von Bobo-Dioulasso lehrt, nach wie vor für die Belange seines Geburtsdorfs Sien einsetzt, sei nichts Ungewöhnliches, erläuterte "Aukrug-Sien"-Vize Branko Irek bei Toés Besuch auf dem Reiterhof Kuhnke. In allen größeren Städten von Burkina Faso gebe es Zweigstellen der "Kinder von Sien", die ihre Heimatgemeinde nach Kräften unterstützen. "Sogar in der Elfenbeinküste haben wir eine Sektion der Kinder von Sien", vermerkte Toé.

Um die Kommunikation zwischen dem Französisch sprechenden Gast aus Westafrika und seinen mittelholsteinischen Gastgebern zu erleichtern, war Stéphanie Folster als Dolmetscherin im Einsatz. Als nächstes übersetzte Stéphanie Folster eine rundum positive Partnerschaftsbilanz des Aukruger Bürgermeisters häppchenweise ins Französische. "Das Entscheidende bei unserer Partnerschaft ist, dass wir immer wieder diesen persönlichen Kontakt der Menschen haben, obwohl wir so viele Kilometer voneinander entfernt leben", sagte Kuhnke, "für die Bevölkerung in unserem Ort ist es ein ganz wichtiger Aspekt, dass sie durch die gegenseitigen Besuche so unmittelbar miterleben kann, wie die Entwicklung in Sien vorangeht." Dass nun am 9. Oktober auch wieder eine Aukruger Delegation nach Burkina Faso starte, sei sehr erfreulich, hob Kuhnke hervor: "Ich bin stolz darauf, dass wir eine so tolle Partnerschaft haben." Die Partnerschaft mit Aukrug werde auch in Afrika als vorbildlich angesehen und sei vom Staatspräsidenten von Burkina Faso bereits mit zwei Ehrenmedaillen ausgezeichnet worden, bemerkte Irek: "Die Partnerschaft funktioniert deshalb so gut, weil sich auch die Menschen aus Sien sehr für die Entwicklung ihres Dorfs engagieren."

Toé nutzte eine internationale Baumwoll-Konferenz der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit in Berlin, an welcher er als Experte für Burkina Faso teilnahm, zu seinem allerersten Abstecher nach Aukrug. Hatte er sich die Partnergemeinde von Sien in etwa so vorgestellt, wie sie ihm am Vortag bei einer Rundfahrt präsentiert worden war? "Ich hatte eher gedacht, dass hier alle zusammen in einem Dorf leben, und bin nun sehr beeindruckt von den verschiedenen Ortsteilen", meinte Toé, "außerdem gibt es hier sehr viele Bäume."

Die Kinder von Sien seien sehr dankbar für ihre mit Aukruger Unterstützung errichteten neuen Klassenräume, betonte Toé, und Aukrugs Ex-Bürgermeister Eitel-Wolf Necker wollte mit Blick auf das ebenfalls neue Privatgymnasium von Sien wissen: "Gibt es denn nun auch mehr Chancen für die Kinder, die gut lernen können und fleißig sind, sich aus dem Dorf zu lösen und Karriere zu machen wie Patrice Toé?" "Das ist die große Frage", entgegnete Toé, "zu meiner Zeit gab es viel mehr Chancen, denn nun haben wir eine sehr hohe Arbeitslosigkeit, und der Staat hat kein Geld mehr, um den Familien bei der Ausbildung ihrer Kinder zu helfen."

Necker ist auch Präsident des Rotaryclubs Neumünster Vicelin, der gerade ein neues Mikrokreditprojekt für Sien gestartet hat. 4000 Spenden-Euro der Neumünsteraner wurden von Rotary International auf 12 000 Dollar aufgestockt. "Der Entwicklungsverein von Sien sammelt jetzt gerade die Kreditanfragen der verschiedenen Gruppen und guckt, wer die besten Geschäftsideen vorlegen kann", berichtete Necker, "jetzt im Oktober sollen dann die ersten Kredite vergeben werden - wir sind sehr zufrieden damit, wie unser Projekt anläuft."

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erstellt am 20.Sep.2010 | 06:07 Uhr

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