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Landeszeitung

05. Dezember 2016 | 13:42 Uhr

Stippvisite : Die Gutenberg-Bibel kehrt zurück

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ab 16. September: Museen im Kulturzentrum leihen sich Exponat aus Gottorf aus. Versicherungswert im zweistelligen Millionenbereich.

Das 1997 im Kirchenkreisarchiv Rendsburg entdeckte Fragment einer Gutenberg-Bibel kehrt für acht Wochen in seine Heimatstadt zurück. Vom 16. September bis 8. November zeigen die Museen im Kulturzentrum das zwischen 1453 und 1455 gedruckte Werk. Von den etwa 180 von Johannes Gutenberg in Mainz hergestellten Bibeln sind weltweit nur noch 49 erhalten. Sie zählen zu den bedeutendsten und wertvollsten Büchern der Welt.

Die Landesmuseen auf der Schleswiger Schlossinsel stellen das Werk als Leihgabe zur Verfügung. Es enthält 129 Blätter und ist nach seinem Fund aufwändig restauriert worden. Die Nordelbische Kirche hatte das Werk der Kirchengemeinde St. Marien im Jahr 2000 für damals 3,5 Millionen Mark abgekauft und schließlich entschieden, es den Landesmuseen als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen. Allerdings gibt es in der Vereinbarung zwischen Kirche und Gottorf einen Passus, der den Rendsburgern ein Zugriffsrecht sichert. Bei berechtigtem Anlass darf Rendsburg die Bibel anfordern.

Genau das hat Dr. Martin Westphal, Chef der Museen im Kulturzentrum, getan, als er in Schleswig vorstellig wurde. Als sogenannten berechtigen Anlass machte er das 25-jährige Bestehen seiner Einrichtung im Arsenal aus. Das wurde auf Gottorf akzeptiert. Zum Schutz des Exponats stellten die Landesmuseen eine ganze Reihe an Bedingungen, wie mit dem Werk umzugehen sei. Die erste Bedingung ist der Abschluss einer dem Wert des Exponats entsprechenden Versicherung. Westphal nennt keine konkreten Zahlen: Nur so viel: Der Versicherungswert des Bibel-Fragments liegt im zweistelligen Millionenbereich. Ohne Hilfe könnten Westphal und die Stadt Rendsburg die Versicherungsprämie nicht aufbringen. Möglich wird dies erst durch die Stiftung Spar- und Leihkasse Rendsburg, die Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein und die Provinzial-Versicherung.

Bereits die Bibel von Schleswig nach Rendsburg zu schaffen, ist aufwändig. Das muss durch eine Spezialspedition erfolgen, die mit dem Transport hochwertiger Kunstgegenstände vertraut ist. Die Vitrine liefern die Gottorfer mit: Das Werk Gutenbergs ist von Sicherheitsglas umgeben, im Vitrinenkorpus darunter befindet sich die Klimatechnik. Das mehr als ein halbes Jahrtausend alte Papier benötigt eine Luftfeuchtigkeit von exakt 50 Prozent und eine Temperatur zwischen 18 und 20 Grad Celsius. Zudem darf es weder Sonnenlicht noch starken Scheinwerfern ausgesetzt sein. Das ist kein Problem für Westphal. Das Licht in den Räumen des Druckmuseums im Erdgeschoss basiert auf LED-Technik, die sich exakt steuern lässt. Für die Zeit der Bibel-Stippvisite wird Westphals Reich zum Hochsicherheitstrakt. Details sind geheim.

Bei dem Gedanken an das berühmte Exponat spürt Westphal schon jetzt „ein Kribbeln“. Es ist erst das dritte Mal, dass sein Haus die Gutenberg-Bibel präsentieren kann. Die Premiere erfolgte im März 2000. „Die Resonanz war damals groß“, so der Museumschef. Bei der zweiten Visite im Jahr 2002 hingegen kamen weniger Besucher. Seitdem sind 14 Jahre vergangen. Westphal ist sicher, dass die Rendsburger ihre Gutenberg-Bibel sehen wollen. Darauf lassen auch die Äußerungen von Gottorfs Sprecher Frank Zarp schließen. Für die Landesmuseen – verwöhnt mit Attraktionen wie den Moorleichen, dem Gottorfer Globus und dem Nydamboot – zählt die Gutenberg-Bibel zu den Highlight-Ausstellungsstücken. Sie ist das Hauptexponat der geistlichen Kunstkammer.

Bis zum 8. November darf Westphal die Bibel zeigen, dann kehrt sie nach Schleswig zurück. Eröffnung der Präsentation ist am Freitag, 16. September, 18 Uhr, im Druckmuseum. Jeder ist willkommen. Um Gutenbergs Meisterstück ganz nah zu kommen, braucht man keine Einladungskarte.

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erstellt am 01.Sep.2016 | 09:30 Uhr

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