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Landeszeitung

01. Oktober 2016 | 01:48 Uhr

Aufklärungsprojekt „Gemeinsam barrierefrei“ : Die Feuerwehr lernt, mit den Händen zu sprechen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Zwei gehörlose junge Frauen brachten 60 Rendsburger Notfallhelfern Gebärdensprache bei.

Es brennt. Doch wie sagt man dies einem Menschen, der nicht hören kann? Per Zettel und Stift vielleicht? Nicole Schade hatte für die Rendsburger Wehrmänner und -frauen handfeste Tipps. Die junge Frau zeigte ihnen Zeichen in der Gebärdensprache, mit denen die Helfer im Notfall mit Gehörlosen kommunizieren können. „Gemeinsam barrierefrei“ heißt das Aufklärungsprojekt von Nicole Schade und Julia Albrecht, das in der Rendsburger Feuerwache 60 aufmerksame Augenpaare verfolgten.

„Ich bin ganz aufgeregt“, gestand Nicole Schade vor ihrem Auftritt. Denn vor so vielen Menschen hatte die 27-Jährige noch nicht gesprochen. Dabei ist sie seit einiger Zeit im ganzen Land unterwegs, um über die Kommunikation mit Gehörlosen zu informieren. Nur wenn sie lacht, kommt ein Ton über die Lippen der gehörlosen jungen Frau. Dennoch redet sie – mit ihrer Mimik, mit ihren Händen. Die Gebärdensprache kennt für jeden Buchstaben ein Handzeichen, aber auch für einzelne Begriffe. Feuer, Arzt, Schmerzen – die Ausdrücke hatten die Wehrmänner und -frauen schnell gelernt.

Wenn Nicole Schade etwas wichtig ist, vermittelt es ihr Gesichtsausdruck, unterstreichen es energische Handbewegungen. Doch ohne Dolmetscherin wäre die Verständigung mit dem aufmerksamen Publikum schwierig gewesen. Julia Albrecht wurde erst nach einer Operation schwerhörig, versteht noch das gesprochene Wort und übersetzte auch die Gebärdensprache. Die beiden Frauen machen an der Rendsburger Gehörlosenschule eine Ausbildung im sozialen Bereich. Eigene Erfahrungen mit der Schwierigkeit, im Notfall auf sich aufmerksam zu machen beziehungsweise verstanden zu werden, brachten sie auf die Idee mit dem Projekt „Gemeinsam barrierefrei“.

Die Rendsburger Wehr könnte täglich mit einem Notfall in der Gehörlosen-Schule, dem Internat oder einer der Wohngruppen konfrontiert werden, so Wehrführer Gerrit Hilburger. Inzwischen gibt es zahlreiche technische Hilfsmittel, die im Notfall eingesetzt werden können. Ein Vordruck erleichtert den schnellen Hilferuf per Fax. Das handliche Gerät „Deaf SOS“ (deaf = gehörlos) spult beispielsweise einen aufgezeichneten Text ab, der Retter informiert und den Namen des Verunglückten nennt. Das Gerät kann in Zusammenhang mit einem Handy eingesetzt werden.

Doch in einer Gefahrensituation muss es schnell gehen. Oder das Unfallopfer ist aufgeregt. Aber die Mitglieder der Rendsburger Feuerwehr wissen jetzt, wie sie sich verständlich machen – und wie das Zeichen für „Helfen“ lautet.

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erstellt am 06.Apr.2014 | 12:46 Uhr

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