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Landeszeitung

11. Dezember 2016 | 11:04 Uhr

Ersatzverkehr ohne Fahrgäste : Die Fähre, die fast keiner braucht

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Route neben dem Fußgängertunnel wird kaum angenommen.

Politik und Bürger haben lange für sie gekämpft: Die Fähre, die als Ersatz für die havarierte Schwebefähre über den Kanal pendelt. Doch jetzt stellt sich heraus, dass sie kaum angenommen wird. „Nur rund 240 Menschen am Tag sind erheblich weniger, als wir gedacht haben“, sagt Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast. Die Schwebefähre nutzten in Spitzenzeiten bis zu 1700 Menschen täglich. Doch woran liegt es, dass der Ersatz zuerst so heiß ersehnt, dann aber nicht angenommen wird?

Besonders Kindern und Jugendlichen von der Südseite des Kanals, die in Rendsburg zur Schule gehen, sollte sie den Schulweg erleichtern. „Ich habe über die Fähre habe noch gar nicht nachgedacht, weil der Tunnel ohnehin schneller ist“, sagt Erik, der die siebte Klasse der Schule Altstadt besucht. Er legt den Finger in die Wunde. „Meiner Meinung nach ist die Fähre falsch gelegen“, sagt er. „Wenn sie auf Höhe der Schwebefähre fahren würde, würden sie mehr Menschen nutzen.“ Denn für Westerrönfelder bringt sie keinerlei Vorteile gegenüber dem Fußgängertunnel. Für Osterrönfelder ist sie dagegen zu weit abseits gelegen, um von Nutzen zu sein. Sie gelangen im Niemandsland zwischen Messe und Deula ans Ufer. „Diese Fähre braucht keiner“, sagt deshalb auch seine Klassenkameradin Merle. „Und verpasst man sie, braucht man auch noch 15 Minuten länger als durch den Tunnel.“

Nicht nur Schüler sind vom Ersatzverkehr enttäuscht. „Die Fähre ist fast genau da, wo auch der Tunnel ist. Dieser Quatsch bringt rein gar nichts“, empört sich Anke Rottke. Auch sie findet, dass ein Ersatzverkehr, der seinen Namen verdient, nur am Standort unter der Hochbrücke pendeln kann. Noch in den 70-er Jahren habe es dort eine Ersatzfähre gegeben, wenn die Schwebefähre einmal ausfiel.

Der Politik ist das Problem bekannt. „In den nächsten 14 Tagen sprechen wir im Arbeitskreis Ersatzverkehr über eine mögliche Verlagerung“, sagt Osterrönfelds Bürgermeister Bernd Sienknecht. Der Standort der Fähre soll so weit es geht an die Hochbrücke heranrücken. Nach der Pause in den Sommerferien könnte die neuen Anlegepunkte dann östlich des Schwerlasthafens beziehungsweise westlich der Brückenterrassen auf Rendsburger Seite sein. Die von vielen Bürgern favorisierte Route der alten Schwebefähre wird dagegen nicht wiederbelebt – der Kanal ist dort zu eng für eine schwimmende Fähre. „Gerät ein Schiff da außer Kontrolle gerät, versenkt es die Fähre“, sagt Visser vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA). Auch das Radar ist unter der Brücke nur bedingt einsatzfähig.

Ob eine neue Route tatsächlich mehr Menschen auf die Fähre lockt, bleibt ungewiss. Sicher ist nur: „Wenn der Ersatzverkehr an anderer Stelle auch nicht besser angenommen wird, ist der Versuch gescheitert“, sagt Pierre Gilgenast.

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erstellt am 22.Jul.2016 | 11:45 Uhr

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