zur Navigation springen

Landeszeitung

04. Dezember 2016 | 19:31 Uhr

Seniorenheime : Diakonie verteidigt Preissteigerung

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Stiftung Diakoniewerk Kropp wendet sich nach Kritik der SPD an die Kreistagsfraktionen.

Im Streit um Pflegesatzerhöhungen in den gerade erst gekauften Seniorenhäusern Jevenstedt und Eckernförde geht die Stiftung Diakoniewerk Kropp auf die Kreistagsfraktionen zu. Sie war besonders von der SPD stark kritisiert worden, weil die Ankündigung für große Unsicherheit unter Bewohnern und Angehörigen gesorgt hatte. Nun wird klar, dass die Eigenanteile im kommenden Jahr sogar sinken könnten.

Als skandalös hatte der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten, Dr. Kai Dolgner, die kurzfristigen Anhebungen kritisiert (wir berichteten). Die beiden Seniorenhäuser der kreiseigenen Krankenhausgesellschaft Imland waren erst zum 1. Oktober von der Kropper Stiftung übernommen worden. Bereits einen Monat später kündigte sie an, die Pflegesätze zum 1. Dezember zu steigern. Mit einem Brief hat sich die Diakonie nun an alle Fraktionen des Kreistags gewendet, um Missverständnisse auszuräumen, so Wolfgang Hauschildt vom Stiftungsvorstand. Darin wird an den Erhöhungen um 13 Prozent über alle Pflegestufen festgehalten. Denn eine Gesetzesänderung zum 1. Januar gelte eine neue Vergütungssystematik, mit der „die Leistungen der Pflegekassen nicht unerheblich erhöht werden“, heißt es in dem Brief. Auf diese Weise werden die kurzfristig „gestiegenen Eigenanteile wieder deutlich abgesenkt“. Es ist die Rede davon, dass „die Erhöhungen komplett kompensiert werden“. In Eckernförde sollen sie „im Januar 2017 sogar um bis zu 157 Euro unter den Eigenanteilen vor der Pflegesatzerhöhung liegen“, steht in dem Schreiben. In Jevenstedt liege der Fall durch „eine relativ schwache Pflegestufenstruktur“ anders. Dort müssen die Bewohner auch im neuen Jahr mit höheren Beiträgen rechnen. Hauschildt spricht von einer zumutbaren Steigerung von in Einzelfällen höchstens 250 Euro im Monat. Er betont, dass die Anhebung nur im Dezember voll durchschlägt, weil die Gesetzesänderung dann noch nicht zum Tragen komme. Sie müsse aber noch in diesem Jahr umgesetzt werden, damit sie 2017 wirksam ist. Das bedeutet, dass Bewohner oder Angehörige je nach Pflegestufe für einen Monat zwischen 330 und 602 Euro tiefer in die Tasche greifen müssen. Gegenüber der Landeszeitung sagte Hauschildt: „Wer den erhöhten Eigenanteil nicht zahlen kann, zahlt ihn nicht. In diesen Fällen werden wir nicht in den Konflikt gehen.“

Das Vorstandsmitglied betonte, dass durch die höheren Sätze wieder Investitionen möglich sind, die unter der Ägide der Imland-Gesellschaft aufgeschoben wurden. Allein 2017 sollen in den Standort Eckernförde 1,5 Millionen Euro fließen. Für das Jevenstedter Haus spricht die Diakonie vage davon, „das Angebot in zeitgemäße Angebots- und Strukturqualitäten zu überführen“. Der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Günter Neugebauer hält an seiner Kritik fest: „Die Diakonie hat sich verzockt. Sie hat versucht, Gebührensätze bei den Pflegekassen durchzusetzen, die nicht durchsetzbar sind – und das auf dem Rücken der Bewohner und Angehörigen“, wetterte er gestern gegenüber der Landeszeitung. Jevenstedt gehört zu seinem alten Wahlkreis.

Auch der Kreis als Sozialhilfeträger muss Änderungen der Pflegesätze zustimmen. Er springt ein, wenn Bewohner nicht genug Geld haben. Zu den Plänen der Diakonie sagte Pressesprecher Martin Schmedtje: „Die Erhöhung bewegt sich innerhalb der Rahmenverträge, die eine wirksame, wirtschaftliche und pflegerische Versorgung in den Einrichtungen ermöglichen soll.“

Auch im ehemaligen Imland-Seniorenhaus in Nortorf wurden die Pflegesätze angehoben – allerdings schon zum 1. September. Die Einrichtung wurde von der Diakonie Altholstein ebenfalls zum 1. Oktober übernommen. „Wir hatten Glück, dass das noch zu Imland-Zeiten war“, sagte Geschäftsführer Heinrich Deicke. 13 Prozent wie in Eckernförde und in Jevenstedt seien in der Nortorfer Einrichtung aber längst nicht erreicht worden.

zur Startseite

von
erstellt am 16.Nov.2016 | 12:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen