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Landeszeitung

09. Dezember 2016 | 10:46 Uhr

Seniorenheime : Diakonie erhöht Gebühren kräftig

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein Monat nach Erwerb der Seniorenhäuser in Jevenstedt und Eckernförde überrascht die Kropper Stiftung als neue Eigentümerin mit neuen Preisen: Die Bewohner müssen bis zu 35 Prozent mehr bezahlen.

Bereits ein Monat nach dem Verkauf der Imland-Seniorenhäuser sind die Bewohner und ihre Angehörigen in Aufruhr: Der neue Inhaber der Einrichtungen in Jevenstedt und Eckernförde will kurz nach der Übernahme die Entgelte erhöhen. Kritiker sprechen von einem Skandal, weil davon vorher nie die Rede war.

Zum 1. Oktober hatte die „St. Martin“-Altenhilfe Diakonie-Zentrum Eckernförde, die zum Unternehmensverbund Stiftung Diakoniewerk Kropp gehört, der kreiseigenen Imland-Krankenhausgesellschaft deren defizitäre Altenpflegeheime in Jevenstedt und Eckernförde sowie den mobilen Pflegedienst „Domobil“ abgekauft. Dazu gab der Kreistag geschlossen seine Zustimmung (wir berichteten). Am 31. Oktober versendete die Diakonie an alle Bewohner einen Brief, in dem die Gebührenerhöhungen für den 1. Dezember angekündigt werden. „Das hat große Unruhe im Seniorenhaus Jevenstedt ausgelöst“, sagte der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Günter Neugebauer. Mehr als 30 Jahre lang gehörte Jevenstedt zu seinem Wahlkreis, noch heute wenden sich viele Einwohner an ihn, wenn es Probleme gibt. „Ich bin empört, das hätte ich von einer Diakonie nicht erwartet“, sagte er. Ihm zufolge bewegt sich die Anhebung der Gebühren je nach Pflegestufe zwischen 16 und 35 Prozent monatlich. Das bedeute, dass die Senioren zwischen 330 und 602 Euro zusätzlich pro Monat berappen müssen. „Das sind Beträge, die in existenzielle Nöte führen können“, warnte Neugebauer.

Das Diakoniewerk Kropp bestätigte gestern gegenüber der Landeszeitung, dass Preiserhöhungen geplant sind. Wolfgang Hauschildt, zuständig für Finanzen im Stiftungsvorstand, räumte ein, dass es sich um eine erhebliche Steigerung handelt, die Bewohner und Angehörige zu verkraften haben. „Es ist nachvollziehbar, dass das keine Freude bereitet“, sagte er. Hauschildt begründete die Anhebung mit den Defiziten, die die Häuser erwirtschaften. „Der alte Träger hat die Vergütung nicht ausreichend verhandelt.“ Zudem seien die Häuser in der Vergangenheit weder ausreichend instandgehalten noch sei genug investiert worden. „Wir als gemeinnütziger Träger arbeiten mit Renditen zwischen null und einem Prozent, müssen aber mit einer schwarzen Null herauskommen, um die Einrichtungen weiterzuentwickeln“, so Hauschildt. Die Diakonie könne die Gebührensätze nicht willkürlich festlegen, sondern muss immer die Zustimmung der Pflegekassen und des Sozialhilfeträgers, also des Kreises Rendsburg-Eckernförde, einholen. Nach den Verhandlungen mit den Kassen ist Hauschildt zufolge nun eine Anhebung von insgesamt 13 Prozent im Gespräch. Die werde aber schon bald zu einem großen Teil kompensiert, denn zum 1. Januar tritt eine Gesetzesänderung in Kraft. Mit dieser Änderung werden die herkömmlichen Pflegestufen durch Pflegegrade ersetzt. Zudem sei mehr Geld von den Kassen zu erwarten. „Der Zuschlag für die Bewohner verringert sich dann wieder“, verspricht Hauschildt. Die Erhöhung müsse jedoch noch in diesem Jahr erfolgen, damit der neue Satz im kommenden Jahr auch gilt.

„Die Erhöhung der Zuzahlungen um bis zu 35,51 Prozent in unserem ehemaligen Heim sind unsozial, skandalös, nicht hinnehmbar und jenseits jeder normalen Kostensteigerung“, empörte sich gestern auch Dr. Kai Dolgner, SPD-Fraktionsvorsitzender. Vor seiner Zustimmung zum Verkauf habe er die Diakonie gefragt, wie sie die Häuser wieder wirtschaftlich machen wolle. „Die Entgelte wurden mit keiner Silbe erwähnt.“ Zudem fürchtet er, dass sich neue Kunden „zu dem neuen Preisniveau schwerlich finden lassen und die derzeitigen Bewohner durch die sozial nicht tragbare Preiserhöhung herausgedrängt“ werden. Hauschildt widerspricht: „Aus unseren Häusern wird niemand herausgeschmissen. Wenn das Vermögen nicht ausreicht, springt der Sozialhilfeträger ein.“ Zudem habe die Diakonie im Rahmen der Übernahme während eines Angehörigenabends klar gemacht: „Wir müssen an die Pflegesätze ran.“

Im Rendsburger Rathaus verfolgt man die Geschehnisse mit Sorge. Denn die Stiftung Diakoniewerk Kropp zählt zu den Interessenten, die die stark defizitäre Rendsburger Senioreneinrichtung „Neue Heimat“ betreiben oder sogar übernehmen wollen. Sollten die Kosten für die Bewohner der Seniorenhäuser in Jevenstedt und Eckernförde tatsächlich um bis zu 35 Prozent steigen, werde das in der Stadt am Kanal erhebliche Diskussionen auslösen, hieß es.

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erstellt am 14.Nov.2016 | 12:16 Uhr

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