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Hochwasser : Der Nord-Ostsee-Kanal ist voll – Einschränkungen im Fährverkehr

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Wer vorgestern Abend den Nord-Ostsee-Kanal überquerte, konnte es bereits sehen: Der Wasserstand war außergewöhnlich hoch. Gestern Vormittag meldete das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) „Einschränkungen im Fährverkehr“.

Wer vorgestern Abend den Nord-Ostsee-Kanal überquerte, konnte es bereits sehen: Der Wasserstand war außergewöhnlich hoch. Gestern Vormittag meldete das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) dann schließlich für die Fähren Breiholz, Sehestedt und Nobiskrug „Einschränkungen im Fährverkehr“. Gegen 13 Uhr kam teilweise Entwarnung. Um 16 Uhr stellte sich die Lage schon wieder anders dar. Ein ziemliches Hin und Her. Oder Auf und Ab. Das gibt auch Matthias Visser vom WSA zu. Aber in diesem Fall hat das Amt keine andere Chance, als den Launen der Natur zu folgen.

Elf Meter ist der Kanal tief. 4,80 Meter über Normalnull ist der gängige Wasserstand. „Ab 5,30 Meter können wir nur Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen Gesamtgewicht befördern“, so Visser. Ab 5,40 Meter werden gar keine Autos mehr transportiert, nur noch Radfahrer und Fußgänger. Zehn Zentimeter entscheiden also darüber, ob die Anwohner der Region Umwege fahren müssen.

Die Meldung „Der Kanal ist voll“ gebe es zum Glück nur selten, erklärt der WSA-Mann. Denn es müssen mehrere Faktoren zusammen treffen, damit Hochwasser die Fährschifffahrt behindert. Es gebe eine Parallele zum Zustand Ende vergangenen Jahres, so Visser. „Aber dieses Mal ist es nicht ganz so schlimm.“ Die Situation wird auch ausführlich auf der Internet-Seite des Wasser- und Schifffahrtsamtes erklärt (www.wsa-kiel.wsv.de), dort unter dem Menüpunkt „Aktuelles“.

Faktor Nummer eins: das Regenwasser. „Der Nord-Ostsee-Kanal ist der größte Vorfluter in Schleswig-Holstein“, erklärt Visser. Insgesamt 27 Flüsse ergießen sich in die künstliche Wasserstraße. Sie wurden beim Bau durch den Kanal durchtrennt – wie zum Beispiel die Alte Eider bei Sehestedt oder die Warleberger Au. Bei starken Regenfällen wie in den vergangenen Tagen steigt der Wasserpegel durch diesen Wasserzufluss also an.

Faktor Nummer zwei: das Elbe-Hochwasser. In der Elbe herrschen Ebbe und Flut. In der Regel ist der Wasserstand des Flusses bei Niedrigwasser geringer als der Wasserstand des Kanals. Dann werden die Siele und eventuell auch die Schleusen geöffnet und das Kanalwasser strömt in die Elbe. Wenn aber das Elbe-Niedrigwasser höher ist als der Kanalpegel oder die Niedrigwasser-Phase wesentlich kürzer ist als üblich, kann nicht genügend entwässert werden. Der Wasserpegel im NOK steigt.

Faktor Nummer drei: der Wind. Bei Westwind verzeichnet die Nordsee Hochwasser, die Ostsee Niedrigwasser. Das Wasser wird weit in den Osten Richtung Bottnischer Meerbusen gedrückt. Lässt der Wind nach, „schwappt es wieder zurück“.

„Natürlich sind wir bemüht, dass Wasser wieder los zu werden“, erklärt Matthias Visser. Aber momentan ist es bei geringen Entwässerungszeiten plus starken Regenfällen eben schwierig. Und so kann es dann geschehen, dass gestern um 11 Uhr in Sehestedt und Nobiskrug keine Autos transportiert wurden, aber um 16 Uhr wieder normaler Betrieb herrschte. Dass bei Kanalhochwasser keine Autos mehr transportiert werden können, hängt im Übrigen mit den Anlegern zusammen. Der Bug der Fähre schiebt sich unter den Anleger. Das Hochwasser macht dies ebenfalls, der zusätzliche Druck durch das Schiff könnte zu viel sein und die Technik beschädigen. Also machen die Fähren an einem seitlichen Notanleger fest, der es allerdings nur Fußgängern und Radfahrern möglich macht, an Bord zu gelangen.

Gestern am späten Nachmittag war das Kanalwasser bereits wieder am Steigen. Eine Vorhersage mochte Matthias Visser vom Wasser- und Schifffahrtsamt dennoch nicht geben. Aber auch diese Entwicklung könne jeder auf der Internetseite verfolgen, sagt der WSA-Mann. Wer den Punkt „Aktuelles“ anklickt und dann auf „Wasserstand am NOK“ (unter dem bunten Logo „Pegel online) geht, bekommt unter anderem für Rendsburg und Breiholz den aktuellen Wert angezeigt. Gestern um 17.36 Uhr meldete der Service – gespeist durch die WSA-Pegel, die permanente Werte melden – für Rendsburg 5,23 Meter Wasserstand. Also war für den Fährverkehr noch alles im grünen Bereich. Dass sinkende Elb-Niedrigwasser ließ zudem hoffen, dass die Meldung „Der Kanal ist voll“ wieder entfallen kann.

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