zur Navigation springen

Landeszeitung

09. Dezember 2016 | 22:19 Uhr

Neue Heimat : Demo gegen drohenden Verkauf

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Mitarbeiter und Bewohner der „Neuen Heimat“ in Rendsburg wollen, dass das kommunale Seniorenheim eigenständig bleibt. Am Dienstagabend überraschten sie einige Lokalpolitiker und Bürgermeister Pierre Gilgenast.

Ungewöhnliche Szenen am frühen Dienstagabend vor dem Alten Rathaus: Die Mitglieder des Finanzausschusses mussten auf dem Weg zu ihrer Sitzung durch ein Spalier aus Demonstranten schreiten. Rund 40 Mitarbeiter und Bewohner der städtischen Seniorenwohnanlage „Neue Heimat“ protestierten gegen Überlegungen, die 1908 gegründete und seit wenigen Jahren stark verlustreiche Einrichtung zu verkaufen oder teilweise zu privatisieren.

„Wir wollen, dass die Seniorenwohnanlage vollständig im Besitz der Stadt Rendsburg bleibt“, sagte die Personalratsvorsitzende Ulrike Klinger. „Wir sind ein gutes Team und wollen weiter mit der Stadt zusammenarbeiten.“ Die Anlage an der Schleswiger Chaussee könne nach einer Renovierung und mit einem Anbau weiter ohne fremde Hilfe betrieben werden, ein eigenes Konzept habe man erstellt und vorgelegt. „Fachleute haben uns bestätigt, dass man damit nach einem Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben kann“, ergänzte Britta Lubinski, Mitglied des Personalrates. Beide Frauen betonten, dass man mit der Kundgebung keinen Ärger provozieren, sondern weiter mit der Stadt kooperieren wolle. „Gemeinsam in die Zukunft“, war auf mehreren Schildern zu lesen, die Protestler in die Luft reckten. Außerdem trugen sie Luftballons in Rot, Blau und Gelb, den Farben der „Neuen Heimat“.

Auch einige Bewohnerinnen und Bewohner gingen mit auf die Straße. Unter ihnen Annelore Brosche, die seit 2014 in der „Neuen Heimat“ lebt und sich dort – Zitat – „sauwohl“ fühlt. „Ich will dort wohnen bleiben“, antwortete die 76-jährige Seniorin auf die Frage, warum sie an der Demonstration teilnehme.

Bürgermeister Pierre Gilgenast wusste von der Aktion nichts, als er kurz vor 17 Uhr am Alten Rathaus eintraf. „Da zeigt Ihr Flagge“, sagte der Verwaltungschef zu den in der Kälte Wartenden. Gilgenast versprach, dass man das Modell, die Seniorenwohnanlage weiter vollständig in Eigenregie zu betreiben, gleichberechtigt neben die anderen Optionen legen werde. Nach einem europaweit ausgeschriebenen Interessenbekundungsverfahren sind nach seinen Angaben noch zwei externe Bewerber im Rennen. Am 20. Dezember soll die Ratsversammlung über das Schicksal des 100-Betten-Hauses mit rund 100 Mitarbeitern entscheiden. Bis dahin werden die Beratungen in vertraulicher Sitzung geführt. Gilgenast: „Es ist und bleibt eine schwierige Entscheidung.“

In diesem Jahr rechnet die Stadt mit einem Rekordverlust von bis zu 920  000 Euro, mindestens 150  000 Euro mehr als erwartet. Allein beim Personal liegen die Sonderausgaben durch einen hohen Krankenstand im satten fünfstelligen Bereich.

Aus Sicht der Gewerkschaft Verdi kein Grund, die Privatisierung voranzutreiben. Verdi-Fachbereichssekretärin Carina Schulz warnte vor den möglichen Folgen. „Bettenferne Tätigkeiten werden in Tochtergesellschaften ausgegliedert, die Tarifverträge ausgehebelt.“ Das habe man oft genug bei anderen ehemals kommunalen Seniorenhäusern erleben müssen.

zur Startseite

von
erstellt am 09.Nov.2016 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen