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Landeszeitung

09. Dezember 2016 | 01:03 Uhr

Stadtverkehr : Busfahrer machen ihrem Ärger Luft

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

T.H. Sievers-Mitarbeiter protestieren gegen Verlust der Konzession für den Stadtverkehr. Landrat: Wir hatten keinen Entscheidungsspielraum.

Die Stimmung war gereizt, die Situation blieb aber friedlich: Als Landrat Rolf-Oliver Schwemer gestern vor das Kreishaus trat und sich den Mitarbeitern der Firma T. H. Sievers Stadtverkehr stellte, mischten sich in den verhaltenen Begrüßungsapplaus deutlich wahrnehmbare Pfiffe. Die Mitarbeiter und ihre Angehörigen protestierten gegen die Entscheidung des Kreises, die Konzession für den Stadtverkehr ab 1. Januar 2017 an den Transdev-Konzern zu vergeben. Denn damit droht fast der Hälfte der Sievers-Belegschaft der Gang in die Arbeitslosigkeit. Transdev muss 35 von 65 Beschäftigten übernehmen. „Zu wenig“, sagen die Betroffenen. „Das ist die Obergrenze dessen, was möglich ist“, sagt die Verwaltung.

Der Kreis der Protestierenden war zwar überschaubar, dennoch verstanden es die Beschäftigten, auf sich aufmerksam zu machen. Mit Trillerpfeifen und Transparenten postierten sie sich gegen 10 Uhr vor dem Sitz der Kreisverwaltung. Auf ihren Schildern las man Schlagwörter wie „Endstation Arbeitslosigkeit“, „35 sind nicht genug!“ oder „Wir sind der Stadtverkehr Rendsburg“. Bereits eine Stunde zuvor – ab 9 Uhr – hatten die Busfahrer in ganz Rendsburg den Linienbetrieb eingestellt, um in einen zweistündigen Streik zu treten. Diesen vergleichsweise späten Termin hatten die Fahrer gewählt, um die auf den Bus angewiesenen Schulkinder vorher sicher zum Unterricht bringen zu können. Regionalausschussvorsitzender Tim Albrecht (CDU) dankte den Beschäftigten später für dieses verantwortungsbewusste Verhalten.

Nach der kurzen Begegnung vor dem Kreishaus kamen der Landrat, seine engsten Mitarbeiter und Mitglieder des Regionalentwicklungsausschusses mit dem fünfköpfigen T. H. Sievers-Betriebsrat zu einem Gespräch zusammen. Der Landrat betonte, dass man gern weiter mit der Firma Sievers zusammengearbeitet hätte, doch eine freie Vergabe der Zehn-Jahres-Konzession an das Rendsburger Traditionsunternehmen hätte gegen europäisches Recht verstoßen. Das wäre nur möglich gewesen, wenn es um maximal 600  000 Streckenkilometer im Jahr gegangen wäre, hier gehe es aber um 1,2 Millionen Kilometer. Von den vier Bewerbern sei das Sievers-Angebot auf Platz 3 gelandet. Bisher hat der Kreis an Sievers einen jährlichen Zuschuss von 1,4 Millionen Euro gezahlt, Transdev will mit deutlich weniger auskommen. Den Betriebsratsmitgliedern, die auf die Übernahme aller 65 Mitarbeiter pochen, hielt der Landrat entgegen, dass auch das Angebot von Sievers nicht auf der Basis von 65 Beschäftigten errechnet worden sei. Thomas Kahle (CDU): „Die Zahl lag näher an 35 als an 65.“ Exakte Zahlen dürfe man aus rechtlichen Gründen nicht nennen.

Landrat Schwemer betonte, dass das Vergabeverfahren aus seiner Sicht juristisch korrekt abgelaufen sei. Er appellierte an die Geschäftsführer der Firma T. H. Sievers, nicht weiter die rechtliche Konfrontation zu suchen, sondern eine Kooperation mit Transdev einzugehen. Es sei denkbar, dass Sievers als Subunternehmer tätig werden könne. Das zumindest wolle der Kreis der Firma Transdev empfehlen.

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erstellt am 07.Jun.2016 | 09:18 Uhr

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