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Landeszeitung

26. Mai 2016 | 04:43 Uhr

Nach Kollision in Rendsburg : Bund will Schwebefähre schnellstmöglich reparieren

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein Ersatz für die Fähre wird noch geprüft. Doch davon würden nur Fußgänger und Radfahrer profitieren.

Rendsburg | Der Bund hat sich zu der nach der Kollision mit einem Frachter beschädigten Schwebefähre bekannt. „Unser Ziel ist es, die Schwebefähre so schnell wie möglich zu reparieren und instand zu setzen“, sagte der Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, Prof. Hans-Heinrich Witte, am Dienstag.

Die Schwebefähre ist eine wichtige Verbindung zur Überquerung des Nord-Ostsee-Kanals und historisches Wahrzeichen. Die Fähre wurde bei dem Unfall so stark beschädigt, dass sie aktuell nicht mehr einsatzbereit ist.

Grundlage dafür sei der Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahr 1913. „Dieser gilt unverändert und ist Grundlage für unser Handeln“, sagte Witte.  Ein Prüfauftrag zur grundsätzlichen Klärung des Betriebs sei vonseiten des Bundesverkehrsministeriums nicht erteilt worden. Ob die Zukunft der Fähre damit endgültig gesichert ist, blieb allerdings offen. Nicht ausgeschlossen ist, dass sich ihr Chassis verzogen haben könnte und komplett ersetzt werden muss. Die „NDR 1 Welle Nord“ zitierte am Abend eine Sprecherin der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung damit, dass eine endgültige Aussage über die Zukunft der Schwebefähre erst getroffen werden könne, wenn man wisse, wie teuer die Reparatur sei.

Witte widersprach damit einer Information aus dem Bundesverkehrsministerium, die vor einer Woche für Irritationen in der Region Rendsburg sorgte. Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer hatte nach einem Telefonat mit einem Abteilungsleiter berichtet, die Behörde lasse auch prüfen, ob man rechtlich überhaupt noch verpflichtet sei, den Fährbetrieb aufrecht zu erhalten. Entsprechend überrascht reagierte Schwemer gestern. Ihm sei vom zuständigen Abteilungsleiter genau das Gegenteil berichtet worden, nämlich dass eine Prüfung erfolgen werde. Die Kehrtwende kann sich der Landrat nicht erklären. Wichtiger ist ihm jetzt jedoch, dass „man nach vorn blickt und die Schwebefähre erhalten bleibt“.

Fähre als Übergangslösung?

Unterdessen prüft das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Kiel-Holtenau weiter den Einsatz einer schwimmenden Ersatzfähre. Eine Entscheidung, ob sie kommt, wird nicht vor Anfang Februar erwartet. Da die stark lädierte Schwebefähre voraussichtlich ein Jahr ausfällt, setzen sich die Bürgermeister von Rendsburg und Osterrönfeld federführend für eine Übergangslösung ein.

Die Grafik zeigt, wo die Ersatzfähre über den Kanal fahren könnte.

Die Grafik zeigt, wo die Ersatzfähre über den Kanal fahren könnte.

Foto: sh:z-Grafik: Lundt
 

Nach einem Arbeitstreffen beim WSA in Kiel verkündeten Pierre Gilgenast und Bernd Sienknecht am Dienstag, es werde – wenn überhaupt – nur eine Fähre für Radfahrer und Personen geben, nicht für Fahrzeuge. Der einzig denkbare Anleger an der Südseite des Kanals befindet sich am östlichen Ende des Schwerlasthafens. An der erst wenige Jahre alten Wasserkante sind kaum Umbauten notwendig.

Anders schräg gegenüber: Die Kaimauer des Kreishafens ist nur für große Schiffe ausgelegt. Ein Anleger müsste erst errichtet werden. Die Entfernung zwischen beiden Punkten beträgt rund 310 Meter und ist damit mehr als doppelt so lang wie die Fahrstrecke der angestammten Kanalfähren. Diese Distanz sei kein Ausschlusskriterium, betonte WSA-Leiter Dieter Schnell. Kanalfähren müssten nicht zwingend den kürzesten Weg nehmen. Dennoch seien noch zahlreiche Faktoren zu prüfen.

Unter anderem Geldfragen. Die Kommunen, deren Bürger eine solche Fähre hauptsächlich nutzen, sollen sich beteiligen. „Wir gehen davon aus, dass es eine von allen Seiten getragene Finanzierung geben muss“, so Schnell. Die Entscheidung, ob eine Ersatzfähre in Auftrag gegeben wird, fällt frühestens in zwei Wochen. Mehr als 1000 Personen täglich müssen vorerst auf den Fußgängertunnel ausweichen. Damit es dort nicht zu Engpässen durch Pannen kommt, sorgt das WSA vor. Man habe zusätzliche Ersatzteile für Fahrstühle und Rolltreppen geordert, meldete Schnell.

Das ungewisse Schicksal der Schwebefähre bewegt auch Dagmar Hemmie. Jeden Monat widmet die Leiterin des Stadtarchivs im Rathaus eine kleine Ausstellung, die „Besondere Archivalie“, einem Thema aus Rendsburgs Geschichte. Aus aktuellem Anlass ist dies im Januar Rendsburgs ungewöhnliches Transportmittel über den Kanal.

In einem Schaukasten können Besucher des Stadtarchivs etwa 30 Ansichtskarten des traditionsreichen Beförderungsmittels begutachten. Auf der nebenstehenden Karte aus dem Jahr 1913 etwa ist das gerade ein Jahr zuvor fertiggestellte einzigartige Konstrukt in Betrieb bei der Überquerung des Kanals zu sehen.

„Ich würde mich freuen, wenn hierdurch auch möglichst viele auf die Aktion der Landeszeitung ‚Rettet die Schwebefähre‘ aufmerksam würden“, sagt die Archivarin. Auch deshalb möchte sie die „Besondere Archivalie“ gern in den Eingangsbereich des Rathauses verlegen, wo mehr Besucher sie sehen würden. „Und weil dort die Unterschriftenlisten zum Erhalt der Fähre ausliegen.“

Anfang März soll es anlässlich des bundesweiten „Tags der Archive“ eine zusätzliche Ausstellung zur Schwebefähre mit Fotos, Dokumenten und einer Führung geben.

Das Stadtarchiv im dritten Stock des Rathauses i Rendsburg, Am Gymnasium 4, hat dienstags von 8 bis 12 Uhr sowie donnerstags von 8 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Die Initiative der Landeszeitung in Rendsburg zur Rettung der Schwebefähre haben derweil mehr als 2800 Menschen unterzeichnet. Die Petition soll an das Bundesverkehrsministerium in Berlin übergeben werden.

 

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erstellt am 20.Jan.2016 | 06:00 Uhr

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