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Landeszeitung

05. Dezember 2016 | 11:36 Uhr

Rendsburg-Eckernförde : Bürger im Kreis greifen zur Schreckschusspistole

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Verwaltung hat seit Januar 310 „kleine Waffenscheine“ ausgestellt – das sind bereits jetzt 240 mehr als im gesamten Jahr 2015.

Die Bürger im Kreis Rendsburg-Eckernförde bewaffnen sich. Seit Jahresbeginn sind so viele sogenannte „kleine Waffenscheine“ wie nie zuvor erteilt worden. Das geht aus Daten der Verwaltung hervor. Demnach übersteigen die neuen Genehmigungen allein zwischen Januar und Mai die Erteilungen der vergangenen Jahre um ein Vielfaches. Das treibt auch die Gesamtzahlen durch die Decke: In diesem Jahr wuchs die Gruppe der Inhaber des kleinen Waffenscheins um ein Drittel an. Die Polizei beobachtet die Entwicklung kritisch. Weder sie noch die Kreisverwaltung haben jedoch eine deutliche Erklärung für den Trend. Es gibt aber einen Verdacht.

Es geht um Schreckschuss-, Gas- und Signalwaffen, meistens handelt es sich dabei um Pistolen. Wer ein solches Erzeugnis mit PTB-Kennzeichnung außerhalb der eigenen Wohnung mit sich herumträgt, braucht eine Genehmigung, die von der Fachgruppe Ordnungswesen bei der Kreisverwaltung erteilt wird. Wer dagegen verstößt, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe rechnen. Allein 310 Bürger im Kreis haben sich die Genehmigung in diesem Jahr bereits geholt. Vorher war das Interesse längst nicht so hoch. Während die Verwaltung 2014 noch 52 kleine Waffenscheine ausstellte, zeigte sich 2015 bereits ein leicht steigender Trend mit 71 Erteilungen. Mit dem Waffen-Boom 2016 explodierte die Gesamtzahl der ausgestellten kleinen Waffenscheine von 964 zum Ende des Jahres 2015 auf derzeit 1274. Vermutlich sind jedoch viel mehr Schreckschusspistolen, Gas- und Signalrevolver im Umlauf, denn der kleine Waffenschein wird nicht für die Schießeisen ausgestellt, sondern für den Inhaber. Der kann darauf so viele Waffen besitzen, wir er möchte.

Offenbar geht es den Antragstellern darum, sich unterwegs zu verteidigen. Denn in den eigenen vier Wänden ist eine Genehmigung nicht nötig. Eine direkte Erklärung für das reißende Interesse daran hat die Kreisverwaltung nicht. „Anträge müssen nicht begründet werden“, sagt Sven Behrens von der Fachgruppe Ordnungswesen. Landratsvertreter Carsten Ludwig wird etwas konkreter: „Fakt ist, dass der Anstieg mit dem Jahreswechsel eingetreten ist.“ Es sei zwar nur eine Vermutung, doch der Boom könnte auf die Vorkommnisse in der Silvesternacht zurückzuführen sein. Damals sind in großen Städten der Bundesrepublik viele Frauen mutmaßlich von Asylbewerbern belästigt worden, etwa vor dem Kölner Hauptbahnhof. Ob es jedoch vornehmlich Frauen sind, die sich nun auch im Kreis bewaffnen, kann Ludwig nicht sagen.

Die Verbreitung von Schreckschusspistolen ist laut dem Sprecher der Polizeidirektion Neumünster, Rainer Wetzel, kaum zu verhindern. Das werde kritisch beobachtet. „Sie sind für uns immer ein Risiko.“ Vor allem, weil sie von scharfen Waffen kaum zu unterscheiden sind. Zudem stellt er in Frage, ob jeder Besitzer damit umgehen kann. In ihren Einsätzen haben seine Kollegen aber noch nicht festgestellt, dass Bürger die Pistolen auch anwenden.

Wer einen kleinen Waffenschein gegen 60 Euro Verwaltungsgebühr beantragen möchte, muss mindestens 18 Jahre alt und darf nicht vorbestraft sein. Dazu wird geprüft, ob es zum Antragsteller Eintragungen im Bundeszentral- und Erziehungsregister gibt. Zudem fragt die Kreisverwaltung bei Staatsanwaltschaft und Staatsschutz nach.

Scharfe Waffen, etwa Jagdgewehre, sind einzeln per Besitzkarte verzeichnet. Davon gibt es im Kreis Rendsburg-Eckernförde 25.000 Stück, die auf 6500 Inhaber verteilt sind.

Was ist nicht erlaubt?

Wer einen kleinen Waffenschein besitzt, darf dennoch nicht in der Öffentlichkeit schießen. „Dieses Verbot gilt auch am Silvesterfeiertag“, macht der Kreis in einem Merkblatt deutlich. Darüber hinaus ist es niemandem erlaubt, Schreckschuss-, Gas- und Signalwaffen zu Veranstaltungen wie Demonstrationen, Fußballspielen, Jahrmärkten und ins Kino mitzunehmen. „Nur in Fällen der Notwehr oder des Notstandes darf von der Waffe Gebrauch gemacht werden“, heißt es weiter.

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erstellt am 21.Mai.2016 | 15:00 Uhr

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