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Landeszeitung

10. Dezember 2016 | 13:51 Uhr

Landgericht : Brandstifter muss in die Psychiatrie

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Richter verhängen eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Der Täter hatte auf einem Resthof in Hanerau-Hademarschen Feuer gelegt, während sein Vater und ein weiteres Bewohner in dem Haus schliefen.

Urteil im Fall des Feuers auf einem Resthof in Hanerau-Hademarschen: Der 22-jährige Angeklagte muss wegen besonders schwerer Brandstiftung eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren absitzen. Das entschied die Erste Strafkammer des Landgerichts Kiel gestern. Der junge Mann kommt jedoch nicht in eine Justizvollzugsanstalt, sondern in ein psychiatrisches Krankenhaus. Er hatte im Mai dieses Jahres den Resthof seines Vaters in Brand gesetzt, obwohl der und ein weiterer Bewohner im Haus schliefen (wir berichteten). Um den Vorwurf der versuchten Tötung kam der Sohn jedoch herum.

Der junge Mann hatte während des Prozesses zugegeben, den Brand gelegt zu haben. Es sei eine Kurzschlussreaktion gewesen, die ihm leid tue, sagte er am zweiten Verhandlungstag vor einer Woche. Hintergrund war offenbar Frust darüber, dass er arbeitslos war, Schulden hatte und von seiner Freundin verlassen worden war. Beide hatten sich immer wieder wegen ihres gemeinsamen Kindes gestritten, einem damals zwei Monate alten Jungen. Einige Tage vor der Tat habe er einen Selbstmordversuch unternommen, berichtete der junge Mann während des Prozesses. In der Nacht auf den 6. Mai glaubte er offenbar, kein Land mehr zu sehen und steckte einen Strohballen im Schuppenanbau auf dem Hof in der Straße „Im Eck“ an. Dabei wusste der 22-Jährige, dass sich sein Vater (56) und ein weiterer Bewohner (60) im Haus befanden und schliefen. Als sich das Feuer ausbreitete, floh er in seine rund 800 Meter entfernte Wohnung. Kurze Zeit später kehrte er jedoch zum Tatort zurück und informierte die von einem Anwohner alarmierten Rettungskräfte, dass sich noch ein zweiter Mann im Haus befand. Sein Vater hatte sich zu dem Zeitpunkt bereits selbst gerettet. Das bewahrte den Sohn im Prozess davor, dass die Staatsanwaltschaft ihn der versuchten Tötung anklagte. Der 60-Jährige erlitt bei dem Brand eine Rauchvergiftung und sagte im Prozess aus, dass er noch immer unter Beschwerden leide.

Der gestrige Beschluss ist bereits die dritte Verurteilung des jungen Mannes wegen Brandstiftung. Diese Tatsache war für das Urteil nicht unerheblich, denn die Freiheitsstrafe von fünf Jahren wurde mit der Unterbringung in ein psychiatrisches Krankenhaus verbunden. Dorthin wird der 22-Jährige von der derzeitigen Untersuchungshaft verlegt, sobald das Urteil rechtskräftig ist. Die Revisionsfrist beträgt sieben Tage.

Wenn es soweit kommt, werde der Verurteilte solange in der Psychiatrie bleiben müssen, bis er keine Gefahr mehr für die Allgemeinheit darstellt, sagte Karin Witt, Sprecherin des Landgerichts Kiel, auf Nachfrage der Landeszeitung. Das werde in einem Turnus von jeweils einem Jahr von der Großen Strafvollstreckungskammer beim Landgericht überprüft. Sollte die vollständige Genesung nach fünf Jahren noch nicht eingetreten sein, könne der Aufenthalt dort auch länger dauern. Andersherum kann der Verurteilte auf eine vorzeitige Entlassung hoffen, wenn sich sein Zustand wider Erwarten schneller bessert. Aber nur, wenn er mehr als zweieinhalb der fünf Jahre in der Psychiatrie bleibt. „Verurteilte können frühestens nach der Hälfte der verhängten Strafe freikommen. Dann ist es möglich, den Rest der Zeit auf Bewährung auszusetzen“, erklärte Karin Witt. Aber: „Vor Ablauf der Halbstrafe kann niemand freikommen.“ Der Verurteilte müsse dann ins Gefängnis, bis zumindest die Hälfte erreicht sei. Das werde aber im Einzelfall entschieden.

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erstellt am 22.Nov.2016 | 12:13 Uhr

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