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Landeszeitung

10. Dezember 2016 | 04:15 Uhr

Rendsburger Immobilienmarkt : Billig in der B-Lage, sehr teuer in der A-Lage

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

LBS-Studie: Rendsburg ist neben Heide das Schlusslicht bei den Preisen für gebrauchte Immobilien im Land. Allerdings gibt es Ausreißer. Direkt am Kanal ist das Wohnen exklusiv - und teuer.

Wer es günstig mag, wird seine Freude am Immobilienmarkt in Rendsburg haben. Gebrauchte Ein- und Zweifamilienhäuser sind für durchschnittlich 1192 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche erhältlich. Billiger sind in Schleswig-Holstein nur noch Häuser in Heide, die man ab 1097 Euro pro Quadratmeter kaufen kann. Bei den Preisen für Eigentumswohnungen ist Rendsburg sogar das Schlusslicht im ganzen Land. Lediglich 901 Euro werden pro Quadratmeter aufgerufen. Diese Daten gehen aus dem gestern in Kiel vorgestellten LBS-Immobilienatlas hervor.

Bei der Bewertung des Immobilienmarktes ist ein Zusammenhang zwischen Kaufkraft und Immobilien deutlich zu erkennen. Die Kaufkraftziffer Rendsburgs liegt um zwölf Prozent unter dem bundesrepublikanischen Durchschnitt. Die Nachbarstadt Büdelsdorf unterschreitet den Durchschnittswert nur um 6,4 Prozent. Da die Menschen in der „jungen Stadt“ also mehr Geld in der Tasche haben als die Rendsburger, geben sie für Ein- und Zweifamilienhäuser mehr aus, konkret liegt der Aufschlag bei über elf Prozent: Die LBS-Fachleute ermittelten einen Preis von 1327 Euro pro Quadratmeter. Noch gravierender ist der Unterschied bei den Eigentumswohnungen. Die sind in Büdelsdorf um ein Drittel teurer als in Rendsburg. Ein Vergleich: Während man in Rendsburg für eine 80-Quadratmeter-Wohnung etwa 72  000 Euro anlegen muss, würde ein ähnliches Domizil in Büdelsdorf 96  000 Euro kosten.

Es ist allerdings nicht nur die Kaufkraft der Einwohner, an denen sich die Preise auf dem Immobilienmarkt orientieren. Eine bedeutende Komponente ist auch das Alter der Immobilien. Neue Häuser treiben den durchschnittlichen Gebäudewert einer Stadt nach oben – gibt es vor allem alte Häuser, geschieht das Gegenteil. Exakte Daten liefert die LBS-Studie nicht, ein Trend lässt sich allerdings indirekt aus einer Untersuchung der Entwicklungsagentur für den Lebens- und Wirtschaftsraum Rendsburg ableiten. Von den zwischen 2010 und 2014 in der Region gebauten 700 neuen Wohnungen sind nur 87 in der Stadt Rendsburg entstanden (0,5 Prozent des Gesamtbestandes). In Büdelsdorf hingegen wurden 125 errichtet (2,3 Prozent des Gesamtbestandes). Selbst eine vergleichsweise kleine Gemeinde wie Schacht-Audorf hat mit 108 Wohnungen 24 Prozent mehr als Rendsburg gebaut. Die Daten zeigen: Wer bauen will, zieht von Rendsburg in die Nachbargemeinden. Ein Trend, den auch der Makler Ingolf Bädtker bestätigt: „Der Immobilienmarkt in Rendsburg konnte sich in den vergangenen Jahre nicht entwickeln, weil wir keine Neubaugebiete hatten.“ Die Preisstruktur wundert den Fachmann nicht: „Wir sind schon seit Jahren auf diesem niedrigen Niveau.“ Hinzu komme der Abzug der Bundeswehr. Noch immer habe die Stadt diesen Einwohnerverlust nicht verkraftet.

Dass Rendsburg einst eine Garnisonsstadt war, ist einer der Gründe für den hohen Bestand an Mehrfamilienhäusern. Von den 16  000 Wohnungen befinden sich zwei Drittel in Gebäuden für mehr als zwei Parteien, in Büdelsdorf sind es etwa 50 Prozent. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es jedoch auch für Rendsburg. Denn von der Preisentwicklung koppelt sich die Stadt nicht völlig ab. In den vergangenen zwei Jahren sind die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 1,7 Prozent gestiegen, die für Eigentumswohnungen sogar um 12,6 Prozent.

Letzteres könnte sich noch verstärken. Es gibt einen Trend dazu, in bevorzugten Lagen alte Gebäude abzureißen und durch neue zu ersetzen. Rendsburgs 1a-Lage ist der Nord-Ostsee-Kanal. Wer hier auf Lückenbebauung setzt, errichtet Mehrfamilienhäuser, die für eine solvente Klientel  interessant sind - mit hochwertiger Ausstattung und entsprechenden Preisen von mehr als 3000 Euro pro Quadratmeter. Das wäre dann ein Preisniveau wie im Kieler Promi-Stadtteil Düsterbrook.
 

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erstellt am 12.Okt.2016 | 09:16 Uhr

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