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Landeszeitung

03. Dezember 2016 | 01:30 Uhr

Amtsgericht : Bewährung für Überfall auf einen Pizzaboten

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Drei junge Männer hatten einen Lieferanten in einen Interhalt gelockt, verprügelt und ausgeraubt.

Zu Bewährungsstrafen wurden am Mittwoch drei junge Männer vom Jugendschöffengericht Rendsburg verurteilt. Im vergangenen Jahr hatten sie einen Pizzaboten in einen Hinterhalt gelockt, geschlagen und ausgeraubt. An der Tat beteiligt gewesen sein sollen auch zwei weitere Männer. Da auf diese nicht mehr das Jugendstrafrecht angewendet werden kann, wurde ihre Verhandlung von dem Verfahren abgetrennt.

Am 15. April 2015 bestellten die Männer abends fünf Pizzen zu einer Adresse in der Löwenstraße. Am Klingelschild hatten sie zuvor einen falschen Namen angebracht. Zunächst öffnete der heute 19 Jahre alte Angeklagte M. dem Pizzaboten (20) die Haustüre. Dann verschwand er wieder unter dem Vorwand, in der Wohnung Geld holen zu müssen. Als der Bote sich bückte, um die Pizzableche zurück in den Wärmebeutel zu schieben, schlugen die beiden maskierten Mittäter zu. „Ich wurde zuerst von hinten gepackt und zu Boden geworfen“, sagte der 20-jährige ehemalige Pizzakurier. „Dann habe ich Faustschläge und Tritte abbekommen.“ Die Täter durchsuchten seine Taschen und flohen mit rund 450 Euro und dem Trinkgeld ihres Opfers. Während der Angeklagte K. (21) in Richtung Paradeplatz wegrannte, versuchte der Mittäter B. (19), in die entgegengesetzte Richtung zu entkommen.

Womit er nicht gerechnet hatte: Der verletzte Kurier nahm die Verfolgung auf. Auf seiner Flucht versuchte B. dann, die Tatsachen zu verdrehen. „Er rief, ,ich werde von einem Pizzaboten verfolgt‘“, erinnert sich der Lieferant, der vor Gericht als Nebenkläger auftrat. An einer Ampel stellte er ihn, es kam zu einem Gerangel, dann schlug B. dem Lieferanten mit der Faust ins Gesicht. „Dann hat er sich auf den Boden geworfen, einen epileptischen Anfall vorgetäuscht und gerufen: ,Ich bekomme keine Luft mehr‘“, sagte der Pizzabote im Zeugenstand.

Nach der Tat habe er noch eine Zeit lang versucht, in seinem Beruf weiterzuarbeiten. „Aber wenn ich abends alleine ausliefern musste, habe ich mich immer umgeschaut, ob ich nicht verfolgt werde.“ Den Job gab der Mann, der wegen seiner erlittenen Schulter- und Nackenprellungen noch heute in therapeutischer Behandlung ist, schließlich auf.

Nach dessen Aussage wandte sich der Hauptangeklagte B. direkt an sein Opfer. „Ich möchte sagen, dass es mir wirklich leid tut“, sagte er. Auch seine beiden Mittäter baten den ehemaligen Pizzaboten um Verzeihung. Der nahm die Bitte regungslos zur Kenntnis.

B’s. Verteidiger bat das Schöffengericht in seinem Plädoyer, auch das persönliche Umfeld des jungen Mannes zu berücksichtigen. „Er stammt aus desaströsen Familienverhältnissen. Diesem Mann muss man helfen und ihn nicht wegsperren“, sagte er und sieht ihn auf einem guten Weg: „Er will reinen Tisch machen.“ Ab September möchte er seinen Realschulabschluss nachholen. Auch Mittäter M., der Rendsburg inzwischen den Rücken gekehrt hat, will wieder zur Schule gehen. K. möchte eine Ausbildung zum Altenpfleger beginnen. „Ich bin froh, dass der Tag gekommen ist, an dem das alles geklärt wird und man sich darüber keine Gedanken mehr machen muss“, sagte er.

„Uns fehlt jedes Verständnis dafür, dass man nachts einem Menschen auflauert, der einem etwas Gutes tun will, ihn in eine dunkle Ecke lockt und zusammenschlägt“, sagte Amtsrichter Jörg Napirata. Zu Gute hielt er den Angeklagten, dass keiner von ihnen sich seit der Tat vor 15 Monaten etwas habe zu Schulden kommen lassen. Die Angeklagten M. und K. wurden zu jeweils einem Jahr, B. zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Außerdem müssen sie ihrem Opfer insgesamt 1800 Euro Schmerzensgeld zahlen und 100 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten.  

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erstellt am 21.Jul.2016 | 00:00 Uhr

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