zur Navigation springen
Landeszeitung

23. April 2017 | 15:47 Uhr

Besuch "in unserem anderen Dorf"

vom

Schüler und Studenten aus Westafrika treffen mit Verspätung in Aukrug ein / Großes Programm für die Freunde aus Sien

AUKRUG | "Wir hatten ein kleines Problem auf dem Weg hierher", sagte Sylvain Go, als er sich im ehemaligen "Blauen Salon" des Aukruger Gästehauses an die versammelten Mitglieder des Vereins "Partnerschaft Aukrug-Sien" wandte, "aber mit Gottes Hilfe sind wir nun hier in Aukrug." Sylvain Go ist Englischlehrer in Burkina Faso und Betreuer einer vierköpfigen Schüler- und Studentendelegation aus Aukrugs westafrikanischer Partnergemeinde Sien, die am Sonntagnachmittag in Innien offiziell begrüßt wurde.

Der Begrüßungsempfang hatte bereits am vergangenen Donnerstag um 10 Uhr stattfinden sollen, aber da wurde die Reisegruppe noch auf dem Pariser Flughafen "Charles de Gaulle" von ihrem "kleinen Problem" in Atem gehalten. Der jüngste von Gos Schützlingen - der 17jährige Ferdinand Toé - war im Flughafen auf Erkundungstour gegangen, hatte den Anschluss an seine Gruppe verloren und war dann von Pariser Zollbeamten aufgegriffen und zwecks Vernehmung abgeführt worden. "Das hat dann eine ganze Zeit gedauert, bis die Gruppe wieder zueinander gefunden hat", erklärte Aukrugs Partnerschaftsvereins-Chef Reimer Reimers, der am Hamburger Flughafen erstmal vergeblich auf die Sien-Delegation wartete, "der Flieger nach Deutschland war natürlich schon weg, als sie Ferdinand wiedergefunden haben." Mit zwölfstündiger Verspätung trafen die Afrikaner am späten Donnerstagabend in Aukrug ein, und die jungen Leute wurden bei ihren Gastfamilien abgeliefert: Victorine Sow (22 Jahre) und Eugénie Paré (23) bei Heinke und Hannes Carstens in Bargfeld, Christoffe Ky (24) bei Ina und Gerhard Köhler in Bünzen und Ferdinand Toé bei Stèfanie Folster (ebenfalls in Bünzen). Sylvain Go bezog Quartier bei Susanne und Reimer Reimers in Böken, wo er sich erstmal von den Strapazen der 5000-Kilometer-Reise erholte, indem er "von 23 Uhr bis 11 Uhr durchgeschlafen hat", wie Reimer Reimers berichtete.

"Jetzt haben wir keine Angst mehr: Wir haben unser Dorf verlassen und sind nun in unserem anderen Dorf", sagte Go beim kurzerhand auf Sonntagnachmittag verlegten Empfang im "Blauen Salon", "ich danke den Gastfamilien für ihre Gastfreundschaft, und ich bin sicher, dass wir einen guten und angenehmen Aufenthalt bei euch in Aukrug haben werden." Bei Gos Dankesworten musste die gebürtige Französin Stèfanie Folster nicht dolmetschen, denn Go war bereits 2000 mit einer Delegation aus Sien in Aukrug zu Gast gewesen und hat seine Deutschkenntnisse seitdem im regelmäßigen Briefaustausch mit seinen Aukruger Freunden stetig perfektioniert. "Das ist jetzt der fünfte Besuch aus Burkina Faso bei uns", stellte Reimer Reimers fest. Die Aukruger haben es bereits auf sieben Reisen nach Sien gebracht. "Zusammen mit vielen anderen habe ich 1994 den Verein Partnerschaft Aukrug-Sien’ gegründet", sagte Reimers bei der Vorstellungsrunde im "Blauen Salon", "seitdem haben wir zusammen mit der Bevölkerung von Sien viele Projekte erfolgreich verwirklicht." Der regelmäßige Kontakt per Briefaustausch und E-Mail sei inzwischen eine Selbstverständlichkeit. "Noch wichtiger aber ist, dass wir uns auch persönlich kennen lernen", betonte Reimers, "dass wir eine fremde Kultur akzeptieren und dass Ihr seht: So ist das hier bei uns."

Augenfällig seien die kulturellen Unterschiede zwischen Burkina Faso und Mittelholstein zum Beispiel schon bei den alltäglichen Begrüßungsritualen. "Wenn man sich in Sien trifft, begrüßt man sich sehr lang und umfangreich, umarmt sich mehrmals und erkundigt sich nach dem Befinden aller Verwandten und Bekannten", erklärte Reimers, "hier bei und sagt man einfach Moin!’ und das war’s, aber das ist genauso herzlich gemeint." Aukrugs ehemaliger Bürgermeister verteilte Schleswig-Holstein-Atlanten, Ortskarten und Naturpark-Broschüren an die Schüler und Studentinnen aus Sien: "Ich hoffe, ihr bekommt einen guten Eindruck von Aukrug, denn ihr seid die Zukunft unserer Partnerschaft, Ihr sollt unsere Arbeit einmal weiterführen."

Vier Wochen dauert der Aufenthalt der Reisegruppe. Geplant sind unter anderem ein Besuch im Erlenhof (25. Juli), Kartfahren mit dem BSC Aukrug (28. Juli), Angeln mit dem SAV Aukrug (3. August), ein Besuch des afrikanischen Tanz - und Trommelabends im "Tivoli" (4. August), die Teilnahme am Gildefest in Böken (11. August), ein Ausflug nach Hamburg mit Rotary Neumünster-Vicelin (12. August) und ein Besuch des Tierparks Neumünster. Der offizielle Abschiedsempfang der Gemeinde Aukrug soll am 16. August stattfinden.

zur Startseite

von
erstellt am 24.Jul.2012 | 07:51 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen