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Landeszeitung

08. Dezember 2016 | 17:08 Uhr

Baum-Sterben : Bakterien befallen heimische Kastanien

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Experten befürchten, dass ein Großteil der Exemplare binnen fünf Jahren aus der Landschaft verschwinden.

Im Frühjahr erfreuen Kastanien die Menschen mit ihrer üppigen Blütenpracht, im Herbst werden ihre glänzenden Früchte gern gesammelt. Doch die heimische Rosskastanie ist in großer Gefahr und könnte nach heutigem Stand auf mittlere Sicht sogar gänzlich aus den Ortsbildern verschwinden. Seit einigen Jahren gibt es hierzulande nämlich eine neue Krankheit, die deutlich dramatischere Auswirkungen erwarten lässt als der Befall durch die Miniermotte. Deren Larven wachsen in den Blättern heran und zerstören sie mit ihren Fraßgängen. Die Folge: Die Blätter werden welk und fallen vorzeitig vom Baum. Rolf-Martin Niemöller, Förster für den Bezirk Hohenwestedt, spricht hierbei vor allem von einer optischen Beeinträchtigung.

Ganz anders sieht es aber aus, wenn die Bäume von dem Bakterium Pseudomonas Syringae befallen sind. Dieses wurde in Deutschland vor etwa zehn Jahren entdeckt. Das erste Mal nachgewiesen wurde es jedoch bereits in den 1970er-Jahren in Indien. Während dort lediglich Schäden an den Blättern verursacht werden, befällt das Bakterium in Europa die Rinde der Bäume und führt zu ihrem Absterben. Damit einher geht das Auftreten verschiedener Pilze. Experten sprechen von einem Rosskastanien-Sterben. „Diese Entwicklung ist sehr rasant, so dass zu befürchten ist, dass ein großer Teil der Rosskastanien in den kommenden fünf Jahren absterben wird beziehungsweise gefällt werden muss“, beschreiben Professor Dirk Dujesiefken und Oliver Gaiser vom Hamburger Institut für Baumpflege. Bekämpfungsmöglichkeiten gibt es derzeit nämlich noch nicht.

Betroffen sind laut der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen sowohl junge, etwa fünf bis 15 Jahre alte Bäume, aber auch mehrere Jahrzehnte alte Bestände mit großem Stammumfang. Eben solche Rosskastanien stehen in Hanerau-Hademarschen im Batzer Weg. Hier ist das typische Schadbild gut zu beobachten. Zu sehen sind beispielsweise Risse, durch die der Holzkörper freigelegt sein kann. Auch sogenannte blutende Stellen in der Rinde gehören zu den Symptomen. Aus diesen läuft eine rostbraune bis schwärzliche Flüssigkeit heraus, die irgendwann eintrocknet. Des Weiteren wachsen verschiedene Pilze vor allem am oberen Stamm und in der Krone. Bei einem besonders starken Befall kann es außerdem zum Absterben von größeren Kronenpartien oder sogar der gesamten Krone kommen.

Auch wenn es theoretisch Verwechslungsmöglichkeiten mit anderen Krankheiten gibt, hat Förster Niemöller nur wenig Hoffnung. „Gefällt werden müssen die Bäume spätestens dann, wenn sie am Straßenrand stehen und zu einem sicherheitsrelevanten Problem werden“, so der 55-Jährige. Für die rund 6000 Hektar Waldflächen, für die er zuständig ist, hätte das mögliche Baum-Sterben jedoch keine gravierenden Auswirkungen: „Kastanien sind keine Waldbäume und forstwirtschaftlich nicht relevant. Das Holz ist für den Markt wenig attraktiv“, erklärt er. Es diene höchstens als Brennmaterial – oder in Form von Totholz als Unterschlupf für Tiere. Traurig würde aber auch Niemöller es finden, wenn die Kastanien aus der Landschaft verschwinden würden. „Wir haben als Kinder schon Kastanien gesammelt. Es wäre schade, wenn das irgendwann nicht mehr ginge.“ Einen kleinen Lichtblick gibt es dennoch: Die Bäume könnten eine Resistenz gegen das Bakterium Pseudomonas Syringae entwickeln. Ähnlich wie einige Ulmen, die durch einen Pilz verursachte und durch einen Käfer verbreitete Krankheit befallen werden. Auch ihre Lage ist ernst, aber ausgestorben sind sie noch nicht.

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erstellt am 04.Nov.2016 | 11:10 Uhr

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