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Landeszeitung

05. Dezember 2016 | 13:37 Uhr

Bovenau : Aus für Solarpark an der Autobahn

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Gemeindevertreter Bovenaus erteilen Projekt nördlich der A210 eine Absage. Gewerbesteuern wären zum Teil nach Hamburg geflossen.

An der Autobahn 210 entsteht nun doch kein Solarpark. Die Gemeindevertreter Bovenaus haben in ihrer jüngsten Sitzung die Reißleine gezogen und sich gegen das Projekt entschieden – und zwar einstimmig. „Wir sind mit dem Projektentwickler nicht überein gekommen. Er hat die kommunalen Interessen einfach nicht akzeptiert“, sagte Bürgermeister Jürgen Liebsch zur Begründung des Beschlusses von Montagabend.

Das Vorhaben war ohnehin stark umstritten. Während die CDU den Plan unterstützte, war die SPD strikt dagegen (wir berichteten). Konkret ging es darum, dass das Unternehmen Solarwind-Projekt mit Hauptsitz im ostfriesischen Pewsum in einem mehr als einen Kilometer langen und bis zu 110 Meter breiten Korridor Sonnenenergie-Anlagen mit einer Höhe von 2,50 Meter installieren wollte. Das Stück Land erstreckt sich an der A210 auf Bovenauer und Bredenbeker Gebiet. Es handelt sich um Felder und Äcker rechts der Autobahn von Kiel Richtung Rendsburg rund 200 Meter hinter der Auffahrt Bredenbek. Das Solar-Feld hätte zehn Megawattstunden leisten können. Im Gespräch war, dass das Unternehmen Enerparc aus Hamburg, in dessen Auftrag die Ostfriesen arbeiten, rund zehn Millionen Euro investieren wollte. Mit den Eigentümern der Flächen seien Pachtverhandlungen bereits erfolgreich verlaufen, hieß es noch im März.

Die Verträge kommen jetzt nicht zustande. „Es war eine große Unsicherheit entstanden“, so Bürgermeister Liebsch auf Nachfrage der Landeszeitung. Der Entwickler habe zum Beispiel plötzlich von anderen Flächengrößen als ursprünglich gesprochen. Darüber hinaus wollte die Firma andere Planungsbüros beauftragen als die Gemeinde. Liebsch zufolge war es Bedingung, nur Büros in Betracht zu ziehen, mit denen die Gemeinde bereits gute Erfahrungen gemacht hatte. Darauf habe sich das Unternehmen jedoch nicht einlassen wollen.

„Wir haben die Reißleine gezogen“, sagte auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Johannes Jacobs. Die Kommunalpolitiker haben ihm zufolge Informationen eingefordert, die sie am Ende nicht bekommen haben. Der Projektentwickler habe sich nicht auf die gemeindlichen Interessen einlassen wollen. Das Hauptproblem sei aber, dass der Geschäftssitz nach dem Willen des Unternehmens nicht in der Gemeinde liegen sollte, sondern in Hamburg. Damit wären 30 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen in die Hansestadt geflossen und nur 70 Prozent in Bovenau und Bredenbek verblieben. Damit waren die Christdemokraten nicht einverstanden, weil es sich aus Sicht von Jacobs in dieser Konstellation kaum gelohnt hätte. „Die genaue Höhe der Einnahmen war nur vage bekannt, aber sie hätten nicht sehr weit über 10  000 Euro pro Jahr gelegen“, sagte er. Der Christdemokrat hat kein Verständnis dafür, dass der Geschäftssitz nicht in einer der beiden Gemeinden liegen soll, in denen das Vorhaben geplant ist. „Beim Windpark Osterrade zum Beispiel liegt der Geschäftssitz auch in Bovenau – wie es sich gehört“, sagte er. „Als ‚Finanzminister‘ muss ich eben darauf achten, dass die Gemeinde auch Einnahmen erzielt“, so Jacobs, der Vorsitzender des Finanzausschusses ist.

Mit der Absage ist das Projekt an der Autobahn 210 gescheitert. Jacobs schließt nicht aus, dass es mit einem kooperativeren Unternehmen wieder aufleben könnte. „Dann würden wir es wieder in die Hand nehmen.“ Jürgen Liebsch rechnet jedoch nicht damit. „Die Investoren waren auf uns zugekommen. Wir hatten kein eigenes Ansinnen, einen Solarpark zu errichten“, so der Bürgermeister. Die Gemeinde sei jedenfalls nicht auf der Suche nach einem neuen Investor.

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erstellt am 05.Jul.2016 | 14:26 Uhr

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