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Landeszeitung

02. Dezember 2016 | 23:29 Uhr

Potenzial zum Lebensretter : Aukruger will Südamerikanerin retten

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Michael Beddies spendet Stammzellen für an Krebs erkrankte Frau. Nach zwei Jahren können sich die „Bluts-Zwillinge“ kennenlernen.

Während sich für die einen das Leben von jetzt auf gleich ändert, weil sie die Diagnose Blutkrebs bekommen, ändert es sich für die anderen von einem Moment zum nächsten, weil sie zum Lebensretter werden könnten. So jemand ist Michael Beddies. Der Aukruger wird schon bald ein paar Stammzellen und ganz viel Hoffnung spenden.

Es war Anfang Juli, als Beddies einen Anruf erhielt – vom Norddeutschen Knochenmark- und Stammzellspender-Register (NKR). „Ich war gerade dabei, bei den Vorbereitungen für den ‚Aukrug-Move‘ zu helfen, als ich die Nachricht erhielt, dass ich eine 90-prozentige Übereinstimmung für einen akuten Bedarfsfall habe“, berichtet der 43-Jährige. Das bedeute, dass der Erkrankte innerhalb eines halben Jahres dringend einen Spender brauche. Aber dass er helfen würde, stand für den Nutzfahrzeug-Verkäufer ohnehin außer Frage. Kurz nach dem Telefonat, bei dem der zweifache Familienvater auch über den Ablauf der Spende informiert wurde, bekam er Post. „In dem Paket waren Röhrchen, mit denen ich zum Arzt gegangen bin. Der hat mir Blut abgenommen, das umgehend zurückgeschickt wurde, damit es noch genauer untersucht werden konnte.“ Rund zwei Wochen später startete die vierköpfige Familie in den Urlaub nach Österreich – wo Michael Beddies dann den entscheidenden Anruf bekam: Sein Blut stimmt zu 99,6 Prozent mit dem der erkrankten Person überein.

Zurück in Deutschland ging dann alles ganz schnell: „Zwei Tage nach unserer Rückkehr hatte ich einen Termin im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Dort sind dann viele Untersuchungen gemacht worden.“ In den fünf bis sechs Stunden sei er komplett auf den Kopf gestellt worden, um sicherzugehen, dass er selbst bester Gesundheit ist. „Das ist ein ganz großer Vorteil: Man wird komplett durchgecheckt und bekommt Untersuchungen, für die man sonst tief in die Tasche greifen müsste.“ Aber auch abgesehen davon sei er „sehr lieb“ von dem Klinikpersonal behandelt und aufgeklärt worden. Und: Michael Beddies erfuhr bei dieser Gelegenheit auch, wer seine Hilfe braucht. „Es ist eine 50-jährige Frau aus Südamerika. Mehr weiß ich nicht.“ Wenn beide es wollen, können Michael Beddies und sein „Bluts-Zwilling“ in zwei Jahren Kontakt zueinander aufnehmen. „Ich würde sie sehr gern kennenlernen. Und ich möchte erfahren, ob sie es schafft“, sagt Beddies, der daran aber eigentlich gar keine Zweifel hat.

Ab dem 11. September geht er dann den nächsten Schritt in Richtung Lebensretter: Dann beginnt Michael Beddies, sich zweimal täglich einen Botenstoff zu spritzen, der die Zahl der Stammzellen im Blut erhöht. Nach drei Tagen ist diese Behandlung abgeschlossen. „Begleitet werden kann sie von grippeähnlichen Symptomen und einem leichten Druckgefühl im Becken. Aber was ist das schon gegen die Angst, die die Frau um ihr Leben hat“, sagt der 43-Jährige, der glücklich ist, jemandem helfen zu können.

Und schon am 14. September wird es ernst für den Aukruger. Dann werden ihm im UKE Stammzellen aus dem Blut entnommen. Ein stationärer Krankenhaus-Aufenthalt oder gar eine Vollnarkose sind dafür nicht notwendig. „Im Grunde ist das wie bei der Blutspende, nur dauert die Prozedur länger mit drei bis fünf Stunden.“ Nur, wenn nicht genug Stammzellen im Blut vorhanden sind, kommt die zweite Option zum Tragen: die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm. Eine Methode, die heute aber nur noch selten angewendet wird. Und so geht auch Michael Beddies davon aus, dass er abends wieder im eigenen Bett einschlafen kann, während seine Stammzellen schon auf dem Weg nach Südamerika sind.

„Ich kann jedem nur raten, sich registrieren zu lassen. Wenn die Chemotherapie nicht anschlägt, ist die Stammzell-Transplantation ja meist die letzte Hoffnung“, sagt Michael Beddies, der ausschließlich gute Rückmeldungen bekommen hat. „Viele in meinem Bekanntenkreis sind auch registriert und finden es schade, dass sie noch keinen Anruf bekommen haben.“ Auch sein Arbeitgeber sei begeistert und plane eine Typisierungsaktion in der Firma. „Und meine Kinder, die würden es zwar nicht gut finden, wenn ich im Krankenhaus schlafen müsste, aber sie haben gleich gefragt, ob sie sich auch registrieren lassen können“, freut sich Beddies, der seit 2008 in der Datenbank erfasst und damit schon lange ein potenzieller Lebensretter ist.

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erstellt am 06.Sep.2016 | 06:00 Uhr

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