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Landeszeitung

04. Dezember 2016 | 04:58 Uhr

Hohenwestedt : Archäologische Sensation im Gewerbegebiet

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Forscher finden 1800 Jahre alte Relikte in Hohenwestedt.

Genau da, wo die Gemeinde Hohenwestedt im kommenden Frühjahr neue Gewerbeflächen anbieten will, befand sich vor rund 1800 Jahren auch schon ein Gewerbegebiet: ein Verhüttungsofen zur Eisengewinnung nämlich, der an ein Wohnstallhaus angegliedert war, in dem eine germanische Großfamilie mit ihrem Vieh lebte. Diese ziemlich spektakulären Siedlungsspuren aus dem dritten und vierten Jahrhundert, die ein Team vom Archäologischen Landesamt vorgestern in Böternhöfen entdeckte, sollen im Rahmen einer sogenannten Hauptuntersuchung sorgfältig dokumentiert werden. Die Kosten muss die Gemeinde Hohenwestedt tragen – eine Verzögerung im Planungsverfahren für die Gewerbegebietserweiterung soll es aber nicht geben.

„Das ist keine Sensation, weil wir ja wussten, dass es hier mindestens seit der Bronzezeit immer schon Menschen gegeben hat“, sagt Steffen Haucke vom Archäologischen Landesamt über die Entdeckungen, die er und sein Kollege Otto West in Sichtweite der Bundesstraße 430 an der Gemeindegrenze von Hohenwestedt und Grauel gemacht haben. Die in den ausgebaggerten Suchschnitten zu Tage getretenen Pfostengruben, Tonscherben und Schlackestücke ergeben für die Experten einen eindeutigen Befund. „Im dritten und vierten Jahrhundert unserer Zeit haben hier ein Gehöft und eine Eisenschmelze gestanden“, erklärt Haucke. Was für Landwirte und Eisenproduzenten haben hier gelebt? „Das waren definitiv Angeln und Sachsen – das wissen wir ganz genau.“ Das Wohnstallhaus der Großfamilie war 30 Meter lang und sechs Meter breit, und ganz in der Nähe wurde ein Verhüttungsofen betrieben, der „wie ein Termitenhügel aussah“ und in dem Eisen für Messer und Schwerter gewonnen wurde. „Das ist für uns total spannend, weil wir über germanische Langhäuser in Mittelholstein bislang gar nichts wissen“, betont Haucke. Die zweitägige Voruntersuchung mit ihren insgesamt rund 800 Meter langen Suchschnitten haben die Archäologen vorgenommen, weil es einen „begründeten Verdacht“ für mögliche Entdeckungen gab. „Richtung Grauel befinden sich drei vorgeschichtliche Grabhügel aus der Bronzezeit, die seit mehr als 100 Jahren bekannt sind, und in den 1950er-Jahren hat es genau hier Oberflächenfunde gegeben, die auf eine frühe Besiedlung hinweisen“, erzählt Haucke.

Die Kosten für die archäologische Voruntersuchung sowie für die nun erforderliche Hauptuntersuchung des Areals muss die Gemeinde Hohenwestedt tragen. Kann man angesichts der spektakulären Funde denn nun überhaupt noch guten Gewissens 2017 „800 Jahre Hohenwestedt“ feiern? „Das Jubiläum findet wie geplant statt“, versichert Ortsmanager Jan Butenschön. „Und weil diese spannenden Funde in so einem frühen Stadium erfolgt sind und die Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Landesamt so astrein funktioniert, wird es auch keinerlei Verzögerungen beim Bauleitverfahren für die neuen Gewerbeflächen geben“, fügt Butenschön hinzu.

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