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Landeszeitung

04. Dezember 2016 | 09:15 Uhr

Nienborstel : Anwohner klagen: Rotoren machen krank

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Dörpstedter leiden unter dem Wummern der Windräder. Der Bürgerwindpark Osterstedt liegt in ihrer Nähe. Sind sie Menschenen zweiter Klasse? Der Vorsitzende des Petitionsausschusses im Landtag informierte sich jetzt vor Ort über die Situation.

Seit 15 Monaten lebt Irmgard Hoffmann in direkter Nachbarschaft zum Bürgerwindpark Osterstedt. 800 Meter sind es vom Häuschen der Rentnerin bis zur nächsten Windkraftanlage. Irmgard Hoffmann klagt über Schlaflosigkeit und Nasenbluten – Symptome, die als Indizien für eine erhöhte Infraschall-Belastung gelten. Wegen der zu befürchtenden gesundheitlichen Schäden fordert der Landesverband „Gegenwind“ in einer Petition, die auch ein Dutzend Nienborsteler unterzeichnet hat, deutlich höhere Abstände zwischen Wohngebäuden und Windrädern.

„Ich höre hier ganz deutlich ein Wummern“, meinte der Landtagsabgeordnete Uli König, als er vom Garten Irmgard Hoffmanns aus auf die vier Anlagen des Bürgerwindparks blickte. Der Vorsitzende des Petitionsausschusses des Landtags war auf Rundreise bei betroffenden Bürgern. „Ich wollte mir vor Ort ein Bild machen, was es für die Leute bedeutet, in unmittelbarer Nähe von Windkraftanlagen zu wohnen“, erklärte der Piraten-Politiker, „das kann ich von meinem Schreibtisch in Kiel aus ja nicht wahrnehmen.“ Sein Petitionsausschuss muss über eine weitreichende Eingabe von besorgten Bürgern entscheiden.
Die Osterstedter Windmühlen haben eine Maximalhöhe von 150 Metern – bei der „10 H-Regelung“ hätte man also einen Mindestabstand von 1,5 Kilometern zu Wohnhäusern einzuhalten (siehe Infokasten am Ende).

Der Nienborsteler Verein „Windjammer“ hatte vor einem halben Jahr durch eine Unterschriftensammlung festgestellt, dass zwei Drittel der Dorfbevölkerung gegen den Bau von Windkraftanlagen in ihrer Heimatgemeinde ist (wir berichteten). Die Bürgermeinung interessiert die Landesplaner nach einem entsprechenden Urteil des Oberverwaltungsgerichts nicht mehr. Aber: „Der Petitionsausschuss ist der Seismograph für die Belange der Bürger“, vermerkte König, „Petitionen zeigen, wo den Bürgern der Schuh drückt“, so König. Den Bewohnern des Nienborsteler Ortsteils Dörpstedt drückt der Schuh im Moment ganz erheblich. „Das Rauschen und Donnern der Windmühlen ist ständig präsent, und nachts wache ich oft auf und denke: Was ist das für ein Flugzeug?“, erzählt Stefanie Viereck, die in 1200 Meter Entfernung zu den Windkraftanlagen lebt. „Diese permanente Präsenz des Fremden, Irritierenden und Störenden führt zu einer pausenlosen latenten Unruhe und Nervosität.“

Aktuell müssen Windmühlenbauer 800 Meter Abstand zu geschlossenen Ortschaften und 400 Meter zu Häusern und Splittersiedlungen im Außenbereich einhalten. „Sind wir, die wir in solchen einzelnen Häusern wohnen, denn schlechtere Menschen?“, fragt Irmgard Hoffmann, „18 Jahre habe ich hier in Frieden mit der Natur gelebt – wo soll ich denn jetzt hin?“

Die Windkraft-Petition

> Felicitas Schinkinger vom Landesverband „Gegenwind“ hat am 18. April eine öffentliche Petition eingereicht.

> Darin fordert sie, „bei der Ausweisung der Vorrangflächen für den Ausbau von Windkraftanlagen einen Abstand von der zehnfachen Gesamthöhe der Windkraftanlagen (10 H) als hartes Ausschlusskriterium auszuweisen“.

> 2899 Bürger haben sich der Petition angeschlossen. Eine Anhörung hat am 1. November stattgefunden. Jetzt berät der Petitionsausschuss darüber.

> Nach Meinung der Staatskanzlei bedeutete eine Umsetzung der 10 H-Regelung, dass fast keine neuen Windräder mehr gebaut werden könnten. „Angesichts dieser krassen Auswirkungen wird die Petition wohl nicht durchgehen, aber es wird einen Kompromiss geben müssen“, meint König.

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