zur Navigation springen
Landeszeitung

30. März 2017 | 22:44 Uhr

Anstand, Moral, Zivilcourage

vom

Neues Buch über Juden-Retter Anton Schmid und die Erinnerung an den "Helden der Menschlichkeit"

Rendsburg/Frankfurt | Verblasst die Erinnerung an einen "Helden der Menschlichkeit" zunehmend? Feldwebel Anton Schmid zählte zu den ganz wenigen Wehrmachtsangehörigen, die - ihrem Gewissen folgend - im von Hitler-Deutschland angezettelten Zweiten Weltkrieg militärische Befehle missachtet und unter großem Risiko verfolgten Juden vor der Vernichtung gerettet hatten. Als nach diesem kleinen, aber couragiert handelnden Soldaten im Jahr 2000 in Rendsburg eine Bundeswehrkaserne, die bisher den Namen des Nazigeneral Günther Rüdel trug, nach Überwindung bundeswehrinterner Widerstände umbenannt wurde, ging diese Nachricht um die ganze Welt. "Ein neues Vorbild für deutsche Soldaten" titelte beispielsweise die New York Times.

Ein Jahrzehnt nach der Namensgebung wurde die an der Schleswiger Chaussee im Norden der Stadt gelegene Feldwebel-Schmid-Kaserne im Rahmen der Reduzieung der Bundeswehr geschlossen. Damit ging in der öffentlichen Wahrnehmung zugleich ein Name verloren, von dem "eine Botschaft für die Zukunft" ausgehen sollte. Mit diesen Worten überschrieb der renommierte Zeit- und Militärhistoriker Wolfgang Wette ein Kapitel in seinem neuen, Anton Schmid gewidmeten Buch, das soeben im Frankfurter S. Fischer Verlag erschienen ist.

Darin beschäftigt er sich nicht nur mit der Biografie des Wehrmachts-Feldwebels und dessen Rettungswerk im litauischen Wilna, sondern auch damit, wie das ehrende Andenken an Schmid immer wieder verdrängt und behindert wurde - bis sich schließlich der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping mit seinem Anliegen gegen militärische Traditionalisten durchsetzte, einen Mann zu würdigen, der "Tapferkeit, Mut und Zivilcourage bewiesen" habe, Tugenden, die für jeden Soldaten Auftrag und Verpflichtung seien.

Nach der endgültigen Aufgabe der Feldwebel-Schmid-Kaserne in Rendsburg wurden Name und Gedenkplatte vorübergehend an den Bundeswehrstandort Munster in der Lüneburger Heide weitergereicht; dort wurde ein Gebäude nach Schmid benannt. Schließlich wanderte das Anton-Schmid-Gedenken zurück nach Schleswig-Holstein: Das Lehrsaalgebäude in der Todendorfer Kaserne erhielt Schmids Namen. Wolfgang Wette: "Todendorf hört sich nicht nur düster an. Das ist es auch, zumindest, was die dortige Bundeswehrliegenschaft angeht. Die Magazine des (Militärgeschichtlichen) Museums in Dresden schließlich wären das endgültige Grab für die neue Traditionslinie in der Bundeswehr, die im Jahre 2000 so hoffnungsvoll eröffnet wurde."

Dabei hat gerade Anton Schmid, der stille, bescheidene Retter, der über 300 Menschen vor ihrem sicheren Tod bewahrt hat, eine würdige öffentliche Form der ehrenden Erinnerung verdient. Denn er tat dies unter Einsatz seines eigenen Lebens. Er wurde denunziert, verhaftet, zu Tode verurteilt und von einem Exekutionskommando der Wehrmacht hingerichtet. "Ich habe nur als Mensch gehandelt", heißt es in einem Brief an seine Frau. "Ich habe ja nur Menschen, obwohl Juden, gerettet vor dem, was mich ereilte, und das war mein Tod."

Der Autor hat mit seinem faktenreichen und zugleich aufrüttelnden Buch einem Mann mit Anstand, Moral und Zivilcourage ein literarisches Denkmal gesetzt. Der Wehrmachtsfeldwebel Anton Schmid war unter extremen Bedingungen ein wahrer Held, auch wenn er sich selbst einfach "nur als Mensch" verstanden hat.

Wolfgang Wette: Feldwebel Anton Schmid. Ein Held der Humanität. Hardcover. 312 S., 24,99 Euro. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. Main.

zur Startseite

von
erstellt am 09.Aug.2013 | 04:59 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen