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Landeszeitung

11. Dezember 2016 | 13:06 Uhr

Hanerau-Hademarschen : Angeklagter räumt Brandstiftung ein

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Als er das Feuer legte, schlief sein Vater in dem Gebäude: 22-jähriger Mann entschuldigt sich am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Kiel für die Tat.

Zündelei an einem Strohballen mit fatalen Folgen: Der 22-jährige Angeklagte hat gestern vor dem Landgericht Kiel zugegeben, den Resthof seines Vaters in Hanerau-Hademarschen angesteckt zu haben – mit dem Wissen, dass sowohl der Besitzer als auch ein weiterer Bewohner in dem Haus schliefen. Beide sind gerettet worden, während das Anwesen bei dem Großbrand in der Nacht auf den Himmelfahrtstag am 6. Mai völlig zerstört wurde. Der junge Mann bereute die Tat am zweiten Verhandlungstag.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 22-Jährigen besonders schwere Brandstiftung und Körperverletzung vor. Er habe in einer Kurzschlussreaktion den Strohballen angezündet, erklärte der Angeklagte. „Das war ein Riesenfehler, ich wollte niemandem schaden“, sagte er. Auf die Frage von Richter Michael Scheck, ob ihm bewusst gewesen sei, dass sein Vater (56) und der Bewohner (60) bei dem Brand hätten sterben können, antwortete er: „Das hätte ich mir nie verziehen. Die Gefahr ist mir erst klar geworden, als ich später das Ausmaß des Feuers gesehen habe.“ Ruhig und gefasst schilderte der 22-Jährige, in welcher Situation er sich vor der Tat befand. Der gelernte Kraftfahrzeug-Servicemechaniker war arbeitslos und mit rund 10  000 Euro verschuldet. Seine heute 18-jährige Freundin trennte sich kurz zuvor von ihm. Beide hatten sich immer wieder gestritten. Er warf ihr vor, sich zu wenig um den zwei Monate alten Sohn zu kümmern. Stattdessen habe sie sich immer wieder mit einem anderen Mann getroffen. Er habe noch versucht, ein Nebengewerbe für Gartenpflege und Winterdienst aufzubauen. „Ich war zuletzt nur noch eine Maschine: Ich habe mich um den Kleinen gekümmert und den Haushalt gemacht, gearbeitet und kaum noch geschlafen“, sagte er. Einige Tage vor Himmelfahrt habe er sich mit einem Küchenmesser den linken Unterarm aufgeschnitten – ein Selbstmordversuch. „Ich wollte mich nicht damit abfinden, dass unsere Beziehung am Ende war.“

Zudem berichtete der Angeklagte von dem Stress in seiner Familie. Als sich seine Eltern trennten, war er vier Jahre alt. Sein Vater – eigentlich ein „feiner Kerl“ – habe schon immer Alkoholprobleme gehabt. „Dann konnte er fies werden, hat mich oder meine beiden Schwestern aber nie geschlagen.“ Zur Großmutter, die bis kurz vor ihrem Tod drei Wochen nach dem Feuer auf dem väterlichen Hof gelebt hat, habe er ein besseres Verhältnis als zu seiner Mutter gehabt. Psychologen haben ihm zufolge im Zusammenhang mit seinen Problemen von einer Persönlichkeitsstörung gesprochen.

Am Abend vor der Brandnacht habe er mit dem 60-Jährigen, der im Obergeschoss des väterlichen Anwesens wohnte, in einer Kneipe in Hanerau-Hademarschen gezecht. Gemeinsam seien sie dann zum Hof an der Straße „Im Eck“ gegangen, der Angeklagte habe noch nach seinem Vater geschaut. Als er dann wieder vor der Tür stand, um zur gemeinsamen Wohnung mit seiner Ex-Freundin zurückzukehren, sei er schwermütig geworden und habe den Strohballen in dem am Haus angebauten Schuppen angesteckt. In einem ähnlichen Fall vor fünf Jahren habe er schon einmal gezündelt. Eine Nachbarin habe das damalige Feuer aber schnell bemerkt. Dieses Mal breiteten sich die Flammen jedoch schnell aus. „Ich habe Panik bekommen und bin schnell weg“, sagte der Angeklagte. Später kehrte er zurück und gab der Feuerwehr den Hinweis, dass sich der 60-Jährige noch im Haus befand, nachdem sein Vater es selbst verlassen hatte. Der Bewohner erlitt eine Rauchvergiftung. „Es tut mir außerordentlich leid. Ich wollte nicht, dass ihm etwas passiert“, entschuldigte sich der 22-Jährige gestern.

Er machte gestern den Eindruck, dass er froh sei, in Untersuchungshaft zu sitzen. Dort habe er eine Metallbau-Lehre angefangen. Sollte er nach dem Urteil in die geschlossene Psychiatrie verlegt werden, wolle er die Chance nutzen, um mit seinen Problemen fertig zu werden. Der Prozess wird am Montag, 21. November, fortgesetzt.

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erstellt am 16.Nov.2016 | 11:45 Uhr

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