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Landeszeitung

05. Dezember 2016 | 01:36 Uhr

Ruder-Bundestrainer vor SH-Cup im NOK : Achter-Trainer Ralf Holtmeyer: „Verband schwerfällig wie ein Tanker“

vom

Vor dem Schleswig-Holstein-Cup übt Achter-Trainer Ralf Holtmeyer im Interview Kritik an den Strukturen.

Herr Holtmeyer, Sie haben in einem Interview mit dem Deutschlandradio vor den Olympischen Spielen gesagt, dass man, wenn man ein großes Ziel verfehlt, trotzdem zufrieden sein kann, wenn der Weg richtig oder der Gegner besser war. Gold bei Olympia war das große Ziel. Silber ist es geworden. Mit dem Abstand von sechs Wochen – wie zufrieden sind Sie mit Platz zwei in Rio?
Wir hatten uns Gold vorgenommen, aber im Nachhinein können wir mit Silber gut leben. Die Briten waren einfach physisch sehr stark und sie hatten sehr erfahrene Leute im Boot. Im Ziel hatten sie eine halbe Länge Vorsprung. Dann muss man eben auch mal akzeptieren, dass der Gegner besser ist.

Neben Silber für den Achter gab es in Rio noch zweimal Gold für beide Doppelvierer. Das war zwar Platz zwei im Ranking hinter Großbritannien. Sie haben dennoch Kritik an der Nachwuchsförderung geübt. Muss man sich Sorgen um den Rudersport in Deutschland machen?
So krass würde ich es nicht formulieren, aber unser Verband ist schwerfällig wie ein Tanker. Wenn man ein Sportboot hat, entscheidet man selbst und reißt das Steuer herum. Ehe auf so einem Tanker eine Richtungsänderung vorgenommen wird, das dauert. Wir dürfen nicht sagen, dass wir mit den drei Medaillen ja das Soll des DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund, d. Red.) erfüllt haben. Wir müssen jetzt reagieren und die Vereine mehr fördern. Nicht nur die Sportler, auch junge Trainer. Man kann beispielsweise auf Jugendmeisterschaften Trainertalente auszeichnen, die sehr gute Arbeit leisten, oder Vereinen, die sehr erfolgreich sind, die Kosten erstatten. Das sind sicherlich nicht die Riesenprämien, aber das wäre ein erster Anreiz. Wir müssen aber auch darauf achten, dass die Vereine gute Talente abgeben und die dann weiter aktiv begleiten. Wie Lauritz Schoof zum Beispiel. Der hat in Rendsburg mit dem Rudern angefangen, ist dann aufs Internat nach Ratzeburg gegangen und trainiert jetzt im Leistungszentrum in Dortmund.

Haben Sie das Gefühl, dass sich der Verband in diese Richtung bewegt?
Nein. Es ist angedacht, aber eigentlich nicht. Wir brauchen neben einer guten Mannschaft auf dem Wasser auch eine gute Mannschaft an Land. Beide müssen gut zusammenarbeiten. Die Mannschaftsleistung an Land ist verbesserungswürdig.

Fragt der Verband Sie um Rat?
Nein, ich muss ja aber auch nicht Recht haben. Aber wir müssen eine Diskussion zwischen den verschiedenen Trainern führen und dem Verband unsere Vorstellungen sagen. Ein Vereinsvorsitzender XY ist ja nicht in Rio dabei, der ist nicht in Luzern dabei, der kann doch gar nicht wissen, was man im Spitzenbereich machen muss. Da überfordern wir die Vereine. Da müssen wir die Strukturen vorlegen und sagen, so könnte es gehen.

2020 wird ein neuformierter Deutschlandachter den nächsten Anlauf auf den Olympiasieg nehmen. Beim SH Netz Cup in Rendsburg sitzt voraussichtlich zum letzten Mal die alte Crew im Boot. Kommt da bei Ihnen als Trainer Wehmut auf, wenn man sich nach langer erfolgreicher Zeit von Athleten verabschieden muss, oder ist das Business as usual?
Natürlich fällt einem das schwer. Aber man kann die Jungs auch verstehen, dass es noch ein Leben nach dem Rudern gibt.  Wir haben uns vor Rio vorgenommen, diese Herausforderung noch einmal zusammen anzunehmen. Für dieses Team ist es das letzte Rennen, deshalb freue ich mich, dass alle in Rendsburg noch einmal antreten.  Es ist eine sehr schöne Regatta. Wir kommen gerne hierher. Deshalb ist es der perfekte Abschluss.

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erstellt am 25.Sep.2016 | 10:00 Uhr

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