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Landeszeitung

02. Dezember 2016 | 21:16 Uhr

Der letzte Flug : Abschied von einem „alten Dampfer“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Jubiläums-Transall in den Landesfarben gestern nach Eindhoven überführt. Dort wird sie künftig als Ausstellungsstück zu sehen sein.

Bevor sie einsteigen, streichen Hartmut Zitzewitz und Thies Voigt der Transall über die Nase. Das tun sie immer, egal wohin der Flug sie führt. Dann geht es ins Cockpit des propellergetriebenen Militärflugzeugs. Dort arbeiten der Kommodore des Lufttransportgeschwaders (LTG) 63 und sein Stellvertreter eine Checkliste ab: Die Transall ist startklar und fährt auf das Rollfeld. Unzählige Male haben Zitzewitz und Voigt die Handgriffe schon vorgenommen, den Start vorbereitet. Und doch ist es keine Routine für die beiden Piloten, als der Transporter schließlich beschleunigt und abhebt: Es ist der Abschied von einer ganz besonderen Maschine. Und so fliegt ein wenig Wehmut mit, als die Jubiläums-Transall in den Landesfarben zu ihrem letzten Flug startet.

Um ihr die letzte Ehre zu erweisen, bringen die beiden LTG-Chefs die Transall persönlich an ihren endgültigen Standort nach Eindhoven. Doch bevor die niederländische Stadt angesteuert wird, dreht die Maschine noch eine Runde über Rendsburg. Über dem heimatlichen Nato-Flugplatz Hohn wird ein letztes Mal mit den Flügeln „gewunken“, indem Zitzewitz die Maschine kurz nach rechts und links neigt. Dann nimmt sie Kurs in Richtung Endstation.

Laut brummt und vibriert es im Inneren der Maschine, während sich die Gespräche im Cockpit um ganz normale Themen nach einem Wochenende drehen – Fußball-Ergebnisse zum Beispiel. Doch immer wieder mischt sich die Wehmut in die Gedanken: „Das ist schon blöd: Der alte Dampfer fliegt richtig schön, und du weißt, es ist das letzte Mal, dass er in der Luft ist“, sagt Zitzewitz. Aber er findet auch: „Da steht sie richtig. Wenn es nicht Hohn sein kann, dann ist die internationale Bühne von Eindhoven der richtige Platz.“ Und insgeheim freut er sich auch, dass so wenigstens die besondere Optik des Flugzeugs erhalten bleiben kann. „Die Sonderlackierung hätten wir sonst wieder entfernen müssen, um die Tarnung zu gewährleisten“, erklärt Matthias Müller, Informationsfeldwebel des LTG. Und so sind die Gefühle zwiegespalten bei Zitzewitz: „Das berühmte lachende und weinende Auge“, sagt er. Der Abschied nach der Landung wird kurz und schmerzlos: „Tschüs, Flugzeug“ und „Danke, gut gemacht, Flugzeug“, sagen der Kommodore und sein Stellvertreter, streichen kurz über die Armaturen und fahren routiniert fort, bevor sie aussteigen.

Empfangen werden sie von Christian Badia. Er hat das Kommando über das European Air Transport Command (EATC). Vor dem Hauptquartier der multinationalen Kommandobehörde der Luftstreitkräfte wird die Hohner Maschine bald auf einem Sockel zu sehen sein – als Ausstellungsstück und „Eigentum der niederländischen Luftwaffe zu musealen Zwecken“. „Ich habe die Maschine bisher nur auf Bildern gesehen. Sie sieht hervorragend aus“, freut sich Badia. „Und dann ist sie auch noch in den Farben der niederländischen Flagge, wenn auch falsch herum. Trotzdem: Besser geht es nicht.“ Dennoch hat er auch Verständnis für die Piloten aus Hohn. Thies Voigt beispielsweise ist fast sein komplettes Berufsleben Transall geflogen. Für ihn ist es mehr als ein Flugzeug. „Sie ist gemütlich, ich fühle mich darin wohl, bin die Geräusche gewohnt“, sagt er. Weltweit war er bei Einsätzen mit der Transportmaschine – von Alaska bis Afghanistan. Das Cockpit ist für ihn wie ein zweites zu Hause. „Wenn die Transall-Fliegerei endet, geht eine Ära zu Ende, auch wenn das abgedroschen klingt.“

Bis die Jubiläums-Transall an ihrem neuen Standort glänzen kann, haben nun Philip Hartmann und sein Team noch jede Menge Arbeit vor sich: Der Hauptfeldwebel aus Hohn ist dafür verantwortlich, dass in den kommenden Tagen noch hochwertige Teile aus dem Flugzeug ausgebaut und durch schadhafte Altteile ersetzt werden. So bleibt sie von innen naturgetreu, während die besten Teile weiterhin genutzt werden können. Propeller und Triebwerke beispielsweise werden wieder nach Hohn gebracht, Hilfsaggregat und Flugmanagement-Instrumente kommen beim LTG 61 im bayrischen Penzing zum Einsatz. „Das tut schon weh. Man identifiziert sich ja mit so einem Flugzeug. Andererseits ist das Teil unserer ganz normalen Arbeit“, so Hartmann. Er hofft, die Arbeiten spätestens Ende der kommenden Woche abschließen zu können.

Insgesamt 13  093 Flugstunden hat die Jubiläums-Transall hinter sich. Damit hat sie die Erde etwa 163 Mal umrundet. Einen besseren „Alters-Ruhesitz“ hätte sich wohl niemand für sie wünschen können. „Früher oder später kommt jeder von uns mal wieder hier vorbei“, freuen sich die Mitglieder des LTG 63 auf ein Wiedersehen mit ihrem besonderen „alten Dampfer“.

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erstellt am 13.Sep.2016 | 06:00 Uhr

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