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Landeszeitung

29. September 2016 | 22:23 Uhr

Neue Regeln : Abkippen und plattfahren – das ist nun vorbei

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Vor allem aus Nachbarkreisen gelangt Bodenaushub zweifelhafter Herkunft in die Region. Die Verwaltung will das ändern.    

In den Äckern des Kreises Rendsburg-Eckernförde steckt eine Menge Erde der Nachbarn Schleswig-Flensburg, Dithmarschen, Steinburg, Segeberg und Plön. Davon geht zumindest der Fachdienst Umwelt der Verwaltung aus. Es gebe einen regelrechten „Bodentourismus“, der zur Folge habe, dass Material „zweifelhafter Herkunft und Qualität“ auf landwirtschaftlichen Flächen des Kreises verteilt wird. Hintergrund: Im Gegensatz zu den Nachbarkreisen wird hier kaum kontrolliert. Das soll sich jetzt ändern.

Fachdienstleiter Michael Wittl spricht von einer „gängigen Praxis“, die sich im Kreis eingeschlichen hat: Unternehmen jenseits der Kreisgrenzen kommen mit Lastwagenladungen voller Bodenaushub, die mehr oder weniger an der Haustür an dankbare Landwirte der Region verkauft werden. Niemand fragt, wo das Material herkommt, mit dem die Bauern zum Beispiel Lunken verfüllen, tief liegende feuchte Stellen im Acker.

Dabei gilt zunächst jeder Bodenaushub als Abfall, der auf eine Deponie gebracht werden müsse, weist Ralf-Dieter Beck von der Fachgruppe Bodenschutz und Abfall auf das Problem hin. Egal, ob es sich um besten Mutterboden oder ölverseuchten Industrie-Untergrund handele. Wenn es mehr als 30 Kubikmeter sind, muss sich der Grundstückseigentümer beim Kreis eine Genehmigung für die Aufschüttung holen. Doch obwohl nahezu täglich irgendwo Material abgekippt und verteilt wird, hat die Verwaltung Wittl zufolge in diesem Jahr noch nicht einmal zehn Anträge erhalten. „Die Dunkelziffer ist extrem hoch“, so Ralf-Dieter Beck.

Michael Wittl hat nicht die Befürchtung, dass in großem Stil vergiftete Erde auf die Äcker des Kreises gelangt sind. Er könne jedoch nicht ausschließen, dass kontaminiertes Material in der ein oder anderen Lieferung untergemischt wurde. Vielmehr gehe es darum, dass die Eigenschaften des Bodens, dem etwas hinzugefügt wird, nicht verschlechtert werden dürfen. Das sei von Fall zu Fall unterschiedlich. Ralf-Dieter Beck nennt ein Beispiel: Aus einer Baugrube kommt Aushub mit einem hohen Sandanteil. Auf einem Acker könne das die Qualität verschlechtern, weil der Humusgehalt dadurch geringer wird – und deshalb muss der Bauer wieder mehr Dünger einsetzen. Auf lehmigen Böden könne der Sandanteil hingegen eine Verbesserung der Wasserdurchlässigkeit zur Folge haben.

Was Bauern beachten müssen, hat die Verwaltung in einem neuen Faltblatt zusammengestellt. Darin steht zum Beispiel auch, dass Böden aus Innenstädten, Industrie-, Militär- und Gewerbeflächen sowie von Straßenrändern und aus Gewässern immer von einem Labor auf Schwermetalle untersucht werden müssen, bevor er irgendwo aufgeschüttet wird. „Es gibt immer wieder Fälle, in denen Material aus Regenrückhaltebecken zum Beispiel auf Äcker verteilt werden. Dann heißt es oft ‚Das haben wir doch immer so gemacht‘“, berichtet Wittl. Doch das gilt in Zukunft nicht mehr. Der Fachdienst hat ein neues Formular erarbeitet, mit dem die Landwirte das „Aufbringen von Material“ beantragen können. Wer das fünfseitige Werk gewissenhaft ausfülle, könne mit einer zügigen Bearbeitungszeit rechnen, heißt es aus der Abteilung. „Wir wissen, dass es bei den Landwirten häufig schnell gehen muss“, sagt Wittl. Er versichert, dass positive Bescheide das Ziel seiner Behörde seien. „Wir wollen ja, dass gute Böden weiterhin einen Nutzen haben, und nicht deponiert werden.“ Illegale Entsorgung werde jedoch nicht toleriert, sondern gilt als Ordnungswidrigkeit, die teuer werden kann. Denn die vermiedenen Deponiekosten werden dabei zugrundegelegt. 180 Tonnen Aushubmaterial aus einer Baugrube für ein Privathaus zum Beispiel können schnell mit rund 1000 Euro Strafgeld zu Buche schlagen, rechnet Ralf-Dieter Beck vor. Dabei stehen Wittl zufolge zunächst die Firmen aus den Nachbarkreisen im Fokus, die Böden ohne Herkunftsnachweis im Kreis verteilen. „Diese Bauunternehmen haben hier bereits ihren festen Abnehmerkreis.“

Der Umwelt- und Bauausschuss des Kreises befasst sich heute um 17 Uhr in öffentlicher Sitzung im Saal 1 des Kreishauses an der Kaiserstraße 8 in Rendsburg mit dem Thema.

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erstellt am 15.Sep.2016 | 06:00 Uhr

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