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Landeszeitung

06. Dezember 2016 | 11:20 Uhr

Jubiläum : 50 Jahre im Dienst der Stadt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Seltenes Jubiläum: Herbert Schauer ist seit 50 Jahren im Dienst der Rendsburger Stadtverwaltung tätig. Der 65-jährige Jubilar arbeitete in dieser Zeit für fünf Bürgermeister.

Die Laufbahn von Herbert Schauer begann mit Hindernissen. Eigentlich sollte der 15-Jährige am 1.    Dezember 1966 seine Ausbildung zum Verwaltungsangestellten bei der Stadt Rendsburg antreten. Doch kurz zuvor musste der Jugendliche mit einer Blinddarmentzündung ins Krankenhaus eingeliefert und operiert werden. Als der Büdelsdorfer zwei Wochen verspätet zu seinem ersten Arbeitstag im Standesamt erschien, wurde er beauftragt, erst einmal Kaffee zu kochen. Das konnte der Neuling aber leider nicht. Zum Glück für die Kollegen sprang eine Auszubildende im zweiten Lehrjahr für den Anfänger ein und sorgte für das stärkende Heißgetränk im Büro.

„Ich bin also mit einer Arbeitsverweigerung in meine Ausbildung eingestiegen“, erinnert sich Herbert Schauer schmunzelnd. Nach diesem holprigen Start allerdings verlief die Karriere reibungslos und gipfelt in einer stolzen Leistung. Der 65-Jährige ist seinem Arbeitgeber 50 Jahre lang treu geblieben und heute seit einem halben Jahrhundert im Dienst der Stadt Rendsburg tätig. In diesen fünf Jahrzehnten hat der Beamte, der in drei Monaten seinen Ruhestand antreten wird, unter fünf Bürgermeistern gearbeitet, zahlreiche Umzüge der Verwaltung erlebt und erfahren, wie die Arbeitswelt immer komplexer wurde. Sein Weg entwickelte sich konsequent nach oben. Nach der dreijährigen Ausbildung zum Verwaltungsangestellten folgten drei weitere Ausbildungsjahre als Inspektor-Anwärter, die Zulassung zum gehobenen Dienst, dann die Anstellung als Stellvertreter und schließlich als Chef des Sozialamts. Heute ist der Jubilar Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste.

Vor 50 Jahren hatte der Sohn eines Schneidermeisters die Entscheidung für seinen späteren Traumberuf noch nicht aus Leidenschaft, sondern vielmehr aus praktischen Gründen gefällt. „Der Konrektor der Christian-Timm-Schule hatte mir den Vorschlag gemacht, eine Ausbildung bei der Stadt zu machen.“ Denn der Junge war Mitglied im frisch gegründeten CTR-Blasorchester. Und da der damalige Bürgermeister Hans-Heinrich Beisenkötter ein großer Unterstützer dieses Ensembles war, wurde der talentierte Trompeter zweimal in der Woche für die Proben freigestellt und blieb somit der Formation erhalten. Im Laufe der Zeit entwickelte der neue Mann im Rathaus eine steigende Liebe zu seinen Aufgaben. Nach den Abstechern durch alle Abteilungen wusste Herbert Schauer, dass er seine Kraft in den sozialen Bereich stecken wollte. Zu dem damals zuständigen Verwaltungschef Hans Speck sagte der Inspektor zur Anstellung: „Wenn ich in der Stadtkasse arbeiten soll, werde ich doch lieber Berufsmusiker.“ Der Bürgermeister wollte einen Verlust des Mitarbeiters wohl nicht riskieren, und Schauer fand seine Bestimmung im Sozialamt.

„Jeder Mensch hat eine Chance verdient.“ Nach dieser Überzeugung handelt der Fachmann seit 50 Jahren. Es sei unerheblich, aus welchen Gründen jemand in Not geraten sei. Die Hauptsache sei doch, dass jeder Bürger nach einem Schicksalsschlag oder einer Erkrankung von dem Sozialstaat die Gelegenheit zu einem Neuanfang erhalte. In den 80-er Jahren habe es als Ausläufer der Flüchtlingsströme nach dem Krieg noch zwei große Obdachlosenlager am Rande der Stadt, am Suhmsberg und im Duvenstedter Weg gegeben. „Dort lebten noch über 300 Personen.“ Unter der Regie von Herbert Schauer gelang es, diesen Menschen Wohnungen zu beschaffen.

Eine weitere zentrale Herausforderung war in den 90-er Jahren die hohe Zahl von Langzeitarbeitslosen. Dem Experten war klar, dass den Menschen ohne Job nur mit „sinnstiftenden“ Aufgaben geholfen werden kann, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Herbert Schauer war der Initiator des Projekts mit dem Bandwurmnamen „Rendsburger Arbeits-, Beschäftigungs- und Servicegesellschaft“, abgekürzt „Rabs“. Es enstanden Arbeitsplätze unter anderem bei einem Fahrrad- und Museumsprojekt. Und mit Hilfe der Langzeitarbeitslosen wurde die Fahrradwanderroute „Ochsenweg“ gebaut – eine Attraktion noch heute für Einheimische und besonders für Touristen. „Damit haben wir Spuren hinterlassen“, freut sich Schauer über den Erfolg. „Keiner arbeitet allein“, verrät der Jubilar sein Erfolgsgeheimnis. „Die Gruppe ist immer stärker als der Einzelne.“ Nur mit Hilfe seiner Mitarbeiter habe er die Aufgaben erfüllen können. Das gute Betriebsklima übertrage sich offensichtlich auch auf die Rathausbesucher. „Die Beschwerden, die bei mir in 50 Jahren eingegangen sind, kann ich an einer Hand abzählen.“ Zu seinem Erfolgsrezept zähle aber auch die Musik. Nach Feierabend findet der Vater von vier erwachsenen Kindern, der mit seiner Familie die Gruppe „Windspiel“ bildet, Entspannung bei Übungsstunden mit seinem Instrument. Wenn er die Trompete spiele, so der leitende Beamte, sei das ein Ausgleich zum Alltag. „Dann spüre ich, dass es nicht nur Arbeit gibt im Leben.“

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erstellt am 30.Nov.2016 | 18:51 Uhr

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