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Landeszeitung

29. September 2016 | 13:51 Uhr

Nortorf : 27 Jahre lang dein Freund und Helfer

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ingo Hagen, Chef der Nortorfer Polizei, in Ruhestand verabschiedet.

Verfolgungsfahrt, Gewalttat, Mord: Als Leiter der Nortorfer Polizeistation hat Ingo Hagen vieles miterlebt. Nicht immer leicht, aber immer mit Erfolg. Nach fast drei Jahrzehnten geht es für den Polizeihauptkommissar mit vier Sternen nun in den Ruhestand. Dabei waren es nicht immer die erfolgreich abgeschlossenen Fälle, die ihn in seiner Arbeit bekräftigt haben, vielmehr sei es das Menschliche und Persönliche sowohl mit den Bürgern als auch mit den Kollegen.

Trotz eines abgeschlossenen Volkswirtschaft-Studiums blieb Ingo Hagen 1980 zunächst arbeitslos. „Drei Monate“ berichtet der gebürtige Gettorfer, „ein Kind war schon auf der Welt, das zweite unterwegs.“ Um seine Familie finanziell unterstützen zu können, musste eine Lösung her. „Mein Bruder brachte mich dann auf die Idee, mich bei der Polizei zu bewerben.“ Obwohl seine Erfahrungen beim Bundesgrenzschutz zwischen 1973 und 1975 nicht gerade die besten waren, entschied er sich schließlich für eine Bewerbung. „Dabei hatte ich mir eigentlich geschworen, nie wieder eine Uniform anzuziehen“, so Hagen. Doch 1981 folgte der Eintritt in die Landespolizei Schleswig-Holstein. Im Rahmen der Ausbildung schloss er ein zweites Studium in der Verwaltungsfachhochschule in Altenholz ab. Nach kurzen Zwischenstopps in Gettorf und Kiel kam Ingo Hagen schließlich 1989 nach Nortorf. „Freitag wurde ich gefragt, ob ich den Job haben möchte, Montag saß ich dann hier“, erinnert er sich an die schnelle Entscheidung zurück. Eine Entscheidung, die der 62-Jährige bis heute nicht bereut hat. „Rückblickend habe ich alles richtig gemacht.“ Gemeinsam mit seiner Frau Erika und den beiden Söhnen wurde in Nortorf gebaut, ehrenamtliche Tätigkeiten wie im Fußball oder bei den Lions aufgenommen. „Ich habe mich von Anfang an in dieser Stadt wohlgefühlt.“

Zu seinen besonderen Einsätzen zählt unter anderem eine rund eineinhalbstündige, nächtliche Verfolgungsjagd mit zwei Jugendlichen auf einem Traktor in Aukrug. Mehrere Versuche, das langsamere Gefährt zu stoppen, scheiterten zunächst. „Die sind ungebremst weitergefahren, sodass wir stets ausweichen mussten.“ Ein weiterer Streifenwagen wurde bereits vom Traktor gerammt. Auch Nagelgurte funktionierten nicht. „Letztendlich fuhr der Traktor mit einem Vorderreifen in einem Waldstück in eine größere Kuhle und blieb liegen.“

Während seiner 27 Jahre langen Dienstzeit musste Ingo Hagen nur zwei Mal die Pistole zücken. „Dazu zählt das Erschießen eines Rehs, welches angefahren wurde.“ Ein weiteres Mal wurde ein mehrfach auffälliger Gewalttäter festgenommen. „Wir haben die Fälle in Nortorf meistens anders geregelt – nämlich ohne Waffe“, erklärt Ingo Hagen, der nicht nur Chef der Nortorfer, sondern auch der Aukruger Polizeistation war. Gestern wurde sein Abschied mit Freunden, Weggefährten und Kollegen gefeiert. „Ich hätte schon vor zwei Jahren in den Ruhestand gehen können“, erklärt der zweifache Vater und vierfache Opa, „aber ich habe zwei Jahre verlängert. Somit hatte ich schon genügend Zeit, mich auf den Ruhestand vorzubereiten.“ Vermissen werde er vor allem den Kontakt zu Bürgern und Kollegen. „Ich fand es immer toll zu sehen, wie sich Menschen vertrauensvoll an uns wenden“, sagt der Polizeihauptkommissar, „der freundliche Kontakt mit den Bürgern und das Miteinander mit der Feuerwehr oder der Verwaltung hat immer große Freude bereitet.“

Trotz seiner hauptsächlichen Verwaltungstätigkeit am Schreibtisch, fuhr der Nortorfer stets noch Nachtschichten mit. „Das war immer mein Ding. Das hätte ich nicht aufgeben wollen.“ Genau das schätzen auch seine Kollegen: „Er ist einer der wenigen, die auf dem Boden geblieben sind, hat nicht nur das Polizeiliche, sondern auch das Menschliche gesehen“, lobt Polizeihauptmeisterin Kristiane Erdmann, „es ist selten, dass man so einen guten Chef hat. Er hat mir in meinem Beruf viel Selbstvertrauen gegeben, durch ihn habe ich viel gelernt.“ Auch Hagens Stellvertreter Reiner Tödt, der seit fast 27 Jahren gemeinsam mit ihm Seite an Seite gearbeitet hat, findet nur lobende Worte. Auch privat sei man öfter zusammengekommen. „Er hat immer dafür gesorgt, dass der Zusammenhalt und das Vertrauen gefördert werden. Seine Tür stand immer offen.“

Ingo Hagens Stelle ist ausgeschrieben. Mit einem Nachfolger rechnet man zu Beginn des kommenden Jahres. So oder so steht bei den Kollegen aber fest: „Er wird große Fußstapfen hinterlassen und uns hier sehr fehlen.“

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erstellt am 23.Sep.2016 | 10:31 Uhr

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