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Landeszeitung

02. Dezember 2016 | 23:25 Uhr

Blick vom Kirchturm : 106 Stufen bis zum Hochgenuss

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Hoch hinauf: Von der Turmspitze der St-Marien-Kirche bietet sich ein wunderschöner Rundblick. Im Sommer werden regelmäßig Turmbesteigungen angeboten.

Wer sich Astrid Bantje anvertraut, kommt ganz nach oben. Nirgends in Rendsburg ist man dem Himmel näher als in ihrer Begleitung. Bantje bietet Führungen auf den Turm der St.-Marien-Kirche an. Am Sonnabend ging es wieder hinauf. Oben angekommen, genossen die Gäste aus 43 Metern Höhe einen wundervollen Panoramablick über die Stadt. Der Kirchturm selbst erreicht mit seiner Spitze genau 48,41 Meter über Grund. Rechnet man die acht Meter Bodenhöhe hinzu, werden es 56,41 Meter über Normalnull – kein anderes Gebäude in Rendsburg steht höher.

„Mit diesem Standort hatten sich unsere Vorväter bereits den höchsten Platz an der Eider ausgesucht“, berichtete Hans-Otto Kühl, der die Besucher vor der Turmbesteigung durch die Kirche führte. Spenden der Bürger ermöglichten die Errichtung der Marienkirche, mit deren Bau 1287 begonnen wurde. Die dreischiffige Backsteinhalle wurde um 1330 fertig gestellt. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts begann man mit dem Bau des heutigen Turmes. Um dieselbe Zeit wurde die flache Decke durch ein Gewölbe ersetzt. Dieses konnten sich die Teilnehmer der Turmbesteigung von oben ansehen. Denn nachdem sie die erste Teilstrecke auf ihrem Weg in die Turmspitze über eine enge Wendeltreppe aus ausgetretenen Backsteinen hinter sich gebracht hatten, führte Astrid Bantje sie in den Dachstuhl über dem Kirchenschiff. Hier lag das grob verputzte Kuppelgewölbe frei.

Danach ging der Aufstieg weiter, ab jetzt über steile schmale Holztreppen. Der nächste Halt wurde im Glockenstuhl gemacht. Die größte der sieben Glocken wiegt 2750 Kilogramm. Sie stammt aus dem Jahr 1753. „Als Inschrift trägt sie die Namen von drei Konsuln und sechs Senatoren, wahrscheinlich den Spendern“, erklärte Bantje. Deshalb werde die Glocke „Senatorenglocke“ genannt. Zweimal sei sie aus dem Kirchturm entfernt worden. „1917 und 1942 sollte sie als „Metallspende des deutschen Volkes“ eingeschmolzen und zu Kriegswaffen verarbeitet werden“, berichtete Bantje. „Das geschah glücklicherweise aber nicht.“

Die letzten Meter wurden noch steiler, aber die Anstrengung lohnte sich für Besucher. Aus vier Fenstern oberhalb der Kirchturmuhr bot sich ihnen ein weiter Blick über die Stadt. Die Christkirche, die Imland-Klinik, die Eisenbahnhochbrücke und das gelbe Silo am Kanal waren zu sehen. In Richtung Norden lag die Obereider, nach Osten ging der Blick über den Yachthafen. Nachdem die Besucher das Panorama ausgiebig genossen hatten, ging es die steilen Treppen wieder hinab. Nach 106 Stufen war der Abstieg geschafft. „Es hat sich gelohnt“, war die einhellige Meinung.



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