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Kiel

24. Juli 2014 | 10:26 Uhr

Sensationsfund am Ostseegrund

vom

Entdeckung aus der Steinzeit: Die ältesten Menschenknochen Schleswig-Holsteins sind rund 7400 Jahre alt /Berufstaucher finden Siedlungsreste

Kiel | Die bisher ältesten Menschenknochen Schleswig-Holsteins wurden jetzt rund ein Kilometer vor der Ostseeküste zwischen Stohl und Bülk während der Grabung einer steinzeitlichen Siedlung entdeckt. Forschungstaucher und Studenten des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) haben diese Knochen und weitere archäologische Funde aus sechs Metern Wassertiefe geborgen. Doch wieso wussten sie überhaupt, dass eine Suche dort Erfolg hat?

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Die eigentlichen Finder sind die beiden Berufstaucher Rolf und Gerald Lorenz aus Wendtorf bei Kiel. Vater und Sohn tauchten im Herbst vergangenen Jahres auf der Suche nach den Ankerplätzen der schwedischen Kriegsflotte in rund sechs Metern Tiefe, etwa einen Kilometer von der heutigen Küste entfernt. "Wir hofften, Kanonenkugeln als Hinweis zu finden. Denn alles, was den Dänen nicht in die Hände fallen sollte, haben sie früher einfach über Bord geworfen", erzählt Vater Rolf Lorenz. Schon bei früheren Tauchgängen vor rund fünf Jahren hatte er in der Region Steinwerkzeuge und Abschläge gefunden. "Erst sah es aus, als ob wir im Herbst gar nichts Neues entdecken. Bis wir an die Stelle kamen, an der sich eine leichte Erhöhung abzeichnete", erklärt Lorenz. Es musste Holz sein. Durch Spülen entdeckten sie drei weitere Baumstämme, dazwischen kamen unzählige Messer, Steinwerkzeuge und Aalstecher, auch Geweihteile zum Vorschein. Das Besondere: "Das war die alte, organische Schicht aus der Zeit, die nicht weggetragen worden ist."

Vater und Sohn filmten und fotografierten die Fundstelle, versuchten in der Folgezeit das Gebiet auszudehnen. Den Fund meldeten die beiden dem Archäologischen Landesamt, dem weitere Untersuchungen obliegen. Den Kontakt zu den Archäologen von der Universität Kiel hatte Rolf Lorenz, weil er berufs- und hobbybedingt bei vielen Funden der erste Entdecker war: "Ich hab das Wrack der Hedvig Sophie entdeckt, Unterwasserflugzeuge, das Kleinst-U-Boot, Minentorpedos, auch viele noch unbekannte Wracks und vieles andere", sagt Rolf Lorenz, der immer auf der Suche nach neuen Geschichten ist, auch mit fast 70 Jahren. "Man sagt, ich habe eine Nase dafür", erzählt er mit einem Grinsen. Die Leidenschaft fürs Tauchen kam beim gebürtigen Schellhorner als kleiner Junge an einer Badestelle nahe Preetz: "Mit den Fußspitzen konnten wir dort im Schlamm die versenkten Gewehre fühlen. Wir brauchten nur Tauchgeräte, um es zu bergen. Da war das Interesse da." Erst wurde Rolf Lorenz Sport-, dann Berufstaucher, wie heute sein Sohn auch. "Er hat mich angesteckt", sagt Gerald Lorenz (42). Im Alter von 13 Jahren tauchte er das erste Mal, entdeckte von da an mit seinem Vater viele nichtkartierte Wracks, Kanonen und andere Schätze der Unterwasserwelt. Wenn sie nicht gerade auf der Suche nach historischen Funden oder Unterwassergeschichten fürs Fernsehen sind, untersuchen sie als Berufstaucher Schiffe, sind bei Havarien und Grundberührungen vor Ort oder dokumentieren Unterwasserbaufortschritte.

Auch bei den Ausgrabungen von insgesamt fünf Quadratmetern Ostseeboden und einigen Testbohrungen haben sie sporadisch vorbeigeschaut und Bilder gemacht. Dass nach kleinsten Fischknochen, Tierknochen von Biber und Wildschwein, Fragmenten eines Einbaums und diversen Flintgeräten am vorletzten Tag alles durch den Fund des menschlichen Kieferknochens samt Backenzahn getoppt wurde, überraschte alle. Julia Goldhammer (29), Doktorandin und Projektleiterin: "Für die Archäologie ist das ein Super-Fundplatz. Gerade aus dem Mesolitikum (im Norden ca. 9600 bis 4100 vor Christus, Anm. d. Red.) ist von Schleswig-Holsteins Küsten noch wenig bekannt. Unsere Funde sind ein Puzzlestück mehr, das nach den Analysen hoffentlich weitere Erkenntnisse bringt."

Um mehr über den ältesten Menschenknochen aus Schleswig-Holstein sagen zu können, muss das Kieferstück von Anthropologen analysiert werden. Ein Glück für Finder und Forscher: Alle Funde sind aus der Zeit sehr gut erhalten, weil Bäume auf den Platz am Rande eines Brackwassersees gestürzt sind und mit der folgenden Überschwemmung die Stelle luftdicht versiegelt haben.

von Constanze Emde
erstellt am 10.Jul.2012 | 03:59 Uhr

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