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Insel-Bote

30. März 2017 | 14:38 Uhr

Amrum : Zeuge eines Jahrhunderts

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Süddorfer Friedrich Scheer konnte einen ganz besonderen Geburtstag feiern. Er kam 1917 zur Welt.

Im Dorfzentrum von Süddorf, in einem Haus, dass einmal ein Bauernhof war, wurde am 1. März ein hoher Geburtstag gefeiert. Der Hausherr Friedrich Scheer wurde 100 Jahre alt. Er wurde in Süddorf geboren, als eines der zehn Kinder des Ehepaares Georgine Martens und des aus Preußisch Eylau eingewanderten Gustav Scheer, der als Abeitsmann nach Amrum gekommen war. Die Mutter starb 1928 und der Vater heiratete noch einmal, die von Hallig Hooge stammende Helene Hansen.

Nach der Schulzeit in Nebel trat Fiede in die Tischlerlehre bei Martin Gerrets. Aber als diese 1936 beendet war, gab es wenig zu tun und er meldete sich zum Arbeitsdienst in Husum. Den Zweiten Weltkrieg erlebte Scheer in Frankreich und behielt in der Erinnerung, dass die Franzosen kein Schwarzbrot kennen. Deshalb hatte sich das Ehepaar Scheer auf einer späteren Volkshochschul-Reise durch Frankreich entsprechend versorgt.

Nach Kriegsende, als „Landwirt“ zügig entlassen, fand er in Nebel Arbeit in der Bäckerei Nautilius Schmidt und heiratete 1953 die Tochter Hilda, die ihren Mann im Krieg verloren hatte. Das Ehepaar zog nach Süddorf ins Haus der Großeltern Christine und Hinrich Köster. 1957 wurde Sohn Gernot geboren, längst gehört auch ein Enkel zur Familie.

In Süddorf wurde Landwirtschaft betrieben, zunächst noch nach der althergebrachten Weise. Aber dann kam die Entwicklung zum Traktor und zum Mähdrescher und ein solcher wurde zusammen mit dem Nachbarn Adolf Waidhas angeschafft. Daneben wurde auch mit Fuhrlohn, zum Beispiel mit den Koh¬letransporten vom Anleger Steenodde über die Inseldörfer Geld verdient und einige Zeit besorgte das Duo Waidhas/Scheer auch die Müllabfuhr aus Wittdün. Und für die Bäckerei Schmidt zog Fiede Scheer auch mit Pferd und Wagen zum Brot- und Kuchenverkauf durch die Dörfer, ehe dann ein Auto zum Einsatz kam.

„Wir sind gerne Landwirte gewesen“, sagte Scheer über diese Zeit, aber die Umstellung auf den Fremdenverkehr im Jahre 1982 bedeutete doch eine Arbeitserleichterung. Scheune und Stall wurden umgebaut und mit Fremdenzimmern versehen. Nur der Hühnerstall draußen auf der Feldmark wurde behalten. Und noch vor wenigen Jahren sah man Scheer mit dem Eimer auf dem Weg zum Stall.

Doch ein hundertjähriges Leben hat natürlich seinen Tribut gefordert. Für die Fortbewegung ist er jetzt auf einen Rollator angewiesen und das Gehör ist auch einmal besser gewesen. Ebenso bereitet das Lesen Mühe, aber Hilda liest vor. Denn unverändert ist im Kopf noch alles in Ordnung und Fiede Scheer am Geschehen auf der Insel interessiert. Eine große Hilfe ist auch – wie in vielen anderen Häusern der Bundesrepublik – eine junge Frau aus Polen.

Und nicht zuletzt ist es wohl auch der inzwischen 95-jährigen Gattin Hilda zu verdanken, dass Fiede Scheer so alt geworden ist.




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