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Insel-Bote

04. Dezember 2016 | 23:24 Uhr

Die ersten Föhrer : Wyk war schon sehr früh besiedelt

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Archäologen am Werk: Wo Personalwohnungen für das neue Hotel gebaut werden sollen, lebten schon in der Römerzeit Menschen.

Der Vergangenheit auf der Spur sind derzeit Fachleute des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein im Baugebiet zwischen Boldixumer-, St.-Nicolai-, Rungholt- und Gartenstraße (Bebauungsplan 27). Bevor hier weiterer Wohnraum für Personal des Hotels am Südstrand entsteht, untersuchen Grabungsleiter Eric Müller, die zweite Archäologin Wiebke Naujoks und einige Grabungsarbeiter den Boden auf historische Besonderheiten.

Erwartet worden sei ein Gräberfeld, berichtet Müller. Doch die Suche nach Urnenresten blieb erfolglos. Stattdessen stieß man auf Siedlungsreste, die aus der römischen Kaiserzeit (zweites bis viertes Jahrhundert) und der Zeit der Völkerwanderung (fünftes Jahrhundert) stammen.

Auch wenn freigelegte Grabensysteme die Fachleute noch vor ein Rätsel stellen: Für Euphorie sorgen die Funde nicht, die vielmehr zum archäologischen Alltag gehören. Dennoch ist die Siedlung, die vorher nicht bekannt war, etwas Besonderes: „Wir haben hier sehr wahrscheinlich ein komplettes Langhaus, in dem Mensch und Tier unter einem Dach lebten.“ Anhand der Bodenverfärbungen erkennen die Experten jene Stellen, an denen sich Eingang, dachtragende Pfosten und Viehstallungen befunden haben. Zudem lassen die freigelegten Grundrisse auf mehrere Grubenhäuser, die als Wirtschaftsbauten für handwerkliche Betriebe wie Webereien genutzt wurden, und Speichergebäude, sogenannte Rundspeicher, schließen. Auch Gebrauchsgegenstände gehören zu den Fundstücken: Keramikscherben etwa, die als Füllmaterial in den Fundamentgräben verwendet wurden, jede Menge Töpfe, ein Webgewicht, das bei prähistorischen und mittelalterlichen Webstühlen zum Spannen der Kettfäden diente, und eine Herdstelle mit Lehmtenne.

Für erstaunte Gesichter sorgte auch eine außerhalb des Langhauses eigens aufgetragene Kleischicht. „Das haben wir bisher noch nirgends gehabt, was es damit auf sich hat, wissen wir noch nicht“, berichtet Eric Müller. Die Schicht sei aufgetragen worden, bevor irgendwas passiert ist. Ein großer Aufwand, denn Tonnen des Materials müssen aus dem Watt geholt worden sein. Das Interessante: „Wahrscheinlich wurde der Unterboden abgetragen und direkt auf den anstehenden Sand der Klei gelegt.“ Dessen obere Schicht genutzt wurde, wie eine schwarze Kulturschicht, die durch Begehen entsteht, belegt. „Das macht es einzigartig, das haben wir in der Form für diese Zeit noch nicht dokumentiert.“

Die Fachleute müssen das Puzzle nun zusammenfügen. Keine leichte Aufgabe, weiß der Archäologe. „Wurde über längere Zeit auf ein und demselben Platz gesiedelt, überlagern sich bestimmte Bauten.“ Maximal 20 Jahre überdauerte etwa ein Grubenhaus, dann wurde ein neues gebaut. So entstanden Überschneidungen, die schwierig auseinanderzuhalten sind.

Die Arbeiten in dem Baugebiet sind durch die Funde nicht gefährdet. Die ließen sich auf Dauer nicht konservieren, erklärt Müller, weshalb die Archäologen ihre Arbeit am Freitag nach fünf Wochen beenden werden. Man habe alles Wichtige gefunden und ausgegraben um es zu dokumentieren, zieht Eric Müller ein positives Fazit: Und konstatiert, dass Wyk schon sehr früh besiedelt war. Allerdings dürfe man nicht von einer Kontinuität seit der römischen Kaiser- über die Völkerwanderungszeit aufwärts ausgehen. „Wahrscheinlicher sind längere Siedlungsunterbrechungen von mehreren 100 Jahren.“

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erstellt am 04.Aug.2016 | 12:15 Uhr

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