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Insel-Bote

18. Januar 2017 | 07:13 Uhr

Auf Amrum : Wo Feuerwehrdienst selbstverständlich ist

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Bei der Firma Bohn sind beide Chefs im Brandschutz aktiv. Und an der Tür hängt die Plakette „Partner der Feuerwehr“.

Schade eigentlich, dass der Eingang zum Büro der Firma Arfst Bohn in Wittdün in einem Hinterhof liegt. Denn so sehen nicht alle das besondere Schild neben der Tür: „Partner der Feuerwehr“ steht drauf. Weiß auf rotem Grund, mit dem Retten-löschen-bergen-schützen-Logo der Feuerwehr. Alles nicht groß, aber von großer Bedeutung. Denn solch eine Auszeichnung bekommen Betriebe, die der Feuerwehr besonders positiv gegenüberstehen. „Die haben wir schon zu Zeiten unseres alten Chefs bekommen“, sagt Jan Martinen, einer der beiden Geschäftsführer der GmbH. „Arfst Bohn hat hier, was Feuerwehrarbeit angeht, sehr viel toleriert und auch immer aktiv begleitet“, ergänzt sein Geschäftspartner Thomas Oelers. Für solch eine Auszeichnung wird man von der örtlichen Wehr vorgeschlagen, verliehen bekommt man sie dann vom jeweiligen Landesfeuerwehrverband.

Auf Amrum haben neben der alt eingesessenen Heizungs- und Sanitärfirma Arfst Bohn noch die AOK-Nordseeklinik und die Wyker Dampfschiffs-Reederei solch eine Ehrung erhalten. Was bedeutet: Großes Mitarbeiter-Engagement in der Feuerwehr, unkomplizierte Freistellung bei Alarm und natürlich auch für Übungsdienste und Fortbildungen. Wenn Mitarbeiter einsatzbedingt ausfallen, kostet das die Firma Geld. Was wiederum über die Amtskasse erstattet werden kann. „Arfst war lange Gruppenführer in Wittdün, der hat nie Stress mit den Abrechnungen gemacht und immer durchbezahlt“, sagt Oelers. In der Firma sind von 18 Festangestellten derzeit fünf in der Feuerwehr, darunter Norman Peters, der Feuerwehr-Jugendwart – und die beiden Chefs.

Thomas Oelers und Jan Martinen haben das Unternehmen Anfang 2016 übernommen. Der Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister Oelers, Jahrgang 1966, hat dort schon gelernt. Jan Martinen, Jahrgang 1979, ist Heizungsinstallateurmeister arbeitet seit 2008 in der Firma.

Wenn auf der Insel Alarm ist, verlässt also der Busfahrer seinen Bus und die Firma Bohn den Wasserrohrbruch? „Nicht ganz so“, sagen die Chefs. „Wir versuchen dann natürlich, Mitarbeiter zu tauschen. Und für die Jobs, die liegen bleiben, weil einer unserer Leute zum Einsatz muss, jemand kommen zu lassen, der gerade nicht unterwegs ist“, ergänzt Martinen. „Außerdem gibts Unterschiede“, sagt Oelers. „Eine defekte Wasserversorgung muss trotz Alarm schneller wieder fit gemacht werden als ein leise tropfender Wasserhahn.“

An ein paar Situationen erinnern sich die beiden, wo man es im Betrieb doch gemerkt hat, dass auf der Insel Not am Mann war. Zum Beispiel als in Norddorf vor zig Jahren ein altes Wirtshaus brannte, oder 2013 die Stürme Xaver und Christian tobten. „Während der Stürme haben wir hier die ersten zwei Tage komplett ausgesetzt“, sagt Oelers. 2014 rammte das Fährschiff „Adler-Express“ den Wittdüner Anleger. „Da klingelten hier alle Handys, alle Rufmelder gingen los, da war inselweiter Alarm für alle Rettungskräfte“, erinnert sich Thomas Oelers.

Für Jan Martinen waren die Orkane ein Schlüsselerlebnis. Während der Stürme sah er, was seine jetzigen Kameraden alles leisteten. „Alle waren unterwegs – nur ich nicht“, stellt er fest und übertreibt bewusst. „Da kommt man sich ja doof vor.“ Als ihn dann Lennard Langfeld, damals Ortswehrführer in Nebel, 2014 ermunterte, doch mal bei der Feuerwehr vorbei zu kommen, habe er das gemacht. „Es war echt an der Zeit, was zu tun“, sagt Jan Martinen.

Die beiden Herren aus dem Gas-Wasser-Installationsbusiness sind natürlich prädestiniert für den Feuerwehr-Job. „Wir kennen viele Häuser, die Anschlüsse, die Nebeneingänge und manchmal wissen wir auch, wenn irgendwo Türen oder Wände versetzt wurden. Gerade wenn wir im Ohne-Sicht-Verhältnis reingehen, ist das natürlich wichtig“, sagt Oelers. „Reingehen, Gashahn zudrehen, natürlich wissen wir, wo der sitzt“, ergänzt Martinen.

Für die beiden ist die Feuerwehr im Moment ein manchmal harter Zusatz-Job. Ehrenamt hin oder her. „Ich finde es gut, zu einer Organisation zu gehören, wo man helfen kann, und wo du einer von ihnen bist“, sagt Jan Martinen.

Partner der Feuerwehr also. Könnte es eigentlich noch mehr geben. Denn positiv der Feuerwehr gegenüber eingestellt sind doch bestimmt alle Betriebe auf Amrum. „Wir sind uns ja schon im klaren, dass wir hier alleine sind, wenns brennt“, sagt Thomas Oelers.

Worüber sich beide freuen: Über den neuen Auszubildenden ab 1. September. Den Amrumer Marvin Rehberg. Der ist nämlich in der Feuerwehr.

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