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Insel-Bote

02. Dezember 2016 | 21:11 Uhr

Vortrag in Wyk : Wo es von Hunden nur so wimmelt

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

In sakralen Kunstwerken tauchen die Viebeiner immer wieder auf. Jetzt waren sie sogar in der katholischen Kirche willkommen.

Hunde werden zwar in der Bibel nur zweimal positiv erwähnt, in der bildlichen Darstellung christlicher Motive herrscht dagegen geradezu ein „Gewimmel“ dieser Schwanzwedler. Norbert Wieh, seit Anfang Mai katholischer Gemeindereferent für Föhr, Amrum und Sylt, ist per Zufall über diese bildliche Präsenz der Hunde gestolpert und hat sich intensiv auf Motivsuche begeben. Das erstaunlich reichhaltige Ergebnis wurde in der Wyker katholischen Kirche St. Marien unter der Überschrift „Heiliger Bello“ vorgestellt, und Hunde waren dazu ausdrücklich eingeladen worden. „Heiliger Bello“ – das sei nicht zu ernst zu verstehen. „Aber es wird schließlich auch vom heiligen Strohsack oder vom heiligen Bimbam geredet“, so der Referent.

Es fanden zwar nur zwei Vierbeiner mit ihren menschlichen Anhängseln und einige Neugierige mehr zu dieser Veranstaltung den Weg in die Kirche – doch die hatten einen sehr vergnügten Abend, der für die meisten Teilnehmer mit der Erkenntnis schloss, dass sie keine sehr guten Beobachter sind. „Mir ist noch nie aufgefallen, dass jemals ein Hund in biblischen Darstellungen zu sehen war“, meinte nachher eine Besucherin. Wieh, der inzwischen seine Frau und viele Bekannte mit seiner „Hunde-Suche“ infiziert hat, konnte Darstellungen zeigen, die – wie zum Beispiel im Nordgewölbe des Meldorfer Doms – rund 800 Jahre alt sind. Auch in der Nieblumer Kirche und im Witzworter Gotteshaus konnte er entsprechende Darstellungen finden. Dabei begnügte sich der Gemeindereferent nicht damit, die Abbildungen zu zeigen, vielmehr stellte er sie in den biblischen Zusammenhang. So ist auch bei der Schöpfungsgeschichte ein Hund vertreten, wobei der Redner nachwies, dass dort der Hund vor dem Menschen erschaffen wurde.

Anhand seiner Dokumente konnte Norbert Wieh deutlich machen, dass auf der Arche Noah mehr als zwei Hunde gewesen sein müssen, und dass Jesus sicherlich einen Hund hatte. „Die Künstler haben die biblischen Darstellungen in ihr Lebensumfeld gestellt, und dort spielten diese Tiere offensichtlich stets eine Rolle.“ Und so sind auf diesen Bildern nicht nur Hunde zu sehen: Bei einigen Darstellungen vermeldete Wieh: „Noch ist Ruhe, aber die Katze kommt um die Ecke.“ Im Zuge der Vorführung von sakralen Kunstwerken machte der Gemeindereferent deutlich, dass Luther, entgegen landläufiger Meinung, solche Bilder nicht verboten habe. „Nur Darstellungen, die zum Anbeten anleiteten, belegte er mit einem Bann“.

Auch auf Delfter Kacheln mit biblischen Motiven, wie sie noch in vielen alten Friesenhäusern zu finden sind, sind Hunde zu sehen, und selbst Rembrandt hat sie berücksichtigt – in einem Fall sogar recht respektlos: Er hat einen Hund gemalt, der gerade sein Geschäft macht.

Die Beschäftigung mit Hunden in biblischen Darstellungen ist ein Hobby von Norbert Wieh, der als Laienseelsorger für die katholischen Inselgemeinden vom Erzbischof angestellt wurde, wobei er aber auf Sylt noch eine Kollegin hat. „In den nächsten Jahren soll Nordfriesland zu einer Pfarrei und einem pastoralen Raum zusammengefasst werden“, berichtet er. Etwa drei Jahre wird Wieh die einheimischen und urlaubenden Katholiken auf Föhr, Amrum und Sylt betreuen, dann hat er das Ende seiner beruflichen Tätigkeit erreicht.

Als Gemeindereferent war Norbert Wieh 15 Jahre in Hamburg und 13 Jahre in Elmshorn aktiv. Seine Frau wohnt noch in Elmshorn und das Ehepaar pendelt an den Wochenenden zwischen Wyk und dieser Stadt. „Die Kinder sind aus dem Haus, da ist solch eine Lösung möglich“, meint er.

Die Inseln sind für Wieh besonders spannend: „Sie sind Orte, wo die Menschen zu sich kommen und das Bilderbuch Gottes aufschlagen können. Das Weltnaturerbe hätte eigentlich eine Idee der Kirche sein müssen“, befindet er. Föhr wäre nach seiner Überzeugung ein guter Ort, außerhalb der Saison Exerzitien anzubieten, so überlegt er bereits, Klöster für so ein Projekt zu gewinnen. Als Gemeindereferent hat er viele Ideen für das kirchliche Leben, deren Umsetzung aber keinesfalls von ihm abhängig sein dürfe, sondern in das Umfeld eingebettet sein müsse.

Als Laienseelsorger vertritt Wieh die Überzeugung, dass der Mensch eigenständig für sein Leben und sein Gewissen verantwortlich sei.

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erstellt am 19.Aug.2016 | 16:30 Uhr

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