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Insel-Bote

10. Dezember 2016 | 11:52 Uhr

Drohender Abriss : „Wir hoffen auf ein Wunder“

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Fehlende Baugenehmigung: Familie aus Borstel-Hohenraden kämpft um Alterswohnsitz in Nieblum.

Man stelle sich folgende Situation vor: Für den Ruhestand erwirbt ein Ehepaar aus Borstel-Hohenraden ein Haus mit Grundstück in Nieblum. Bereits seit 80 Jahren steht das Gebäude dort in bester Lage am Strand. Jahrzehntelang wurde es als Verwaltungs- und Wohngebäude für einen Campingplatz genutzt. Eines Tages steht es zum Verkauf und das Ehepaar schlägt zu. Fünf Jahre später kommt Post vom Amt: Für dieses Gebäude gibt es keine Baugenehmigung. Das Bauamt des Kreises fordert den Abriss. Es folgt ein jahrelanger Rechtsstreit. Am Ende entscheidet das Oberverwaltungsgericht Schleswig: Das Haus muss weg – unter anderem weil es drei Meter zu nah am Nachbargrundstück steht und damit nicht genehmigungsfähig ist.

Diesen Albtraum erlebt gerade Familie Masurat aus Borstel-Hohenraden. Astrid und Horst Masurat (75) wissen nicht mehr weiter. Beide sind mit den Nerven am Ende. Die ganze Familie ist angereist, um das Schlimmste zu verhindern. Sie wollen den für heute Vormittag angekündigten Abriss blockieren. Schwiegersohn Harm Kähler und Sohn Frank Masurat planen, das Dach zu besetzen, falls tatsächlich Bagger anrollen. Nun könnte nur noch Landrat Dieter Harrsen den Vollzug verhindern. Ihn und andere Politiker hat die Familie angeschrieben – bisher aber ohne Erfolg. Heute Morgen will sich der Petitionsausschuss des Landtages mit dem Thema beschäftigen. Danach will der Landrat entscheiden, ob es zum Abriss kommt, so Hans-Martin Slopianka, Sprecher des Kreises Nordfriesland. Sollten dem Petitionsausschuss neue Erkenntnisse vorliegen, könne der Abriss verhindert werden, so Slopianka.

Astrid Masurat (68) ist verzweifelt. Sie zittere innerlich, schlafe nicht mehr. „Ich könnte nur noch spucken“, sagt sie. „Das ist schon hammerhart. Meinen Mann und mich macht das fertig.“ Beim Kauf des Grundstücks hätten sie nie mit einer solchen Situation gerechnet. „Die Leute haben hier immer gewohnt. Da kommt man doch nicht drauf, dass es keine Baugenehmigung gibt. Wir hoffen auf ein Wunder.“

Der damalige Makler habe beim Bauamt nachgefragt, ob Baulasten eingetragen sind. Nach der Baugenehmigung hätten sie nicht gefragt, so Schwiegersohn Kähler.

2008 sei ein Anwalt von Frederik Paulsen auf die Familie zugekommen und habe Grundstück und Haus kaufen wollen. Paulsen ist schwedisch-schweizerischer Unternehmer sowie Verwaltungsratspräsident des von seinem Vater Frederik Paulsen gegründeten Pharmaunternehmens Ferring. Kählers Schwiegereltern verneinten. Daraufhin habe der Anwalt laut Kähler gedroht, man sei gewohnt, immer all das zu bekommen, was man wolle.

Kurz danach sei Post vom Bauamt gekommen, mit der Feststellung, dass die Baugenehmigung fehlt. Die Familie vermutet, dass Paulsen ihr Grundstück will und sie beim Bauamt angeschwärzt hat. Ihm, beziehungsweise der Eilun-Verwaltungsgesellschaft, gehörten alle anderen Grundstücke um das Haus der Familie. Dieses fehle ihm noch. Der Anwalt habe Paulsen als seinen Auftraggeber genannt, so Kähler.

Hans-Martin Slopianka bestätigte gestern auf Anfrage, dass der Tipp an das Bauamt tatsächlich von der Eilun-Verwaltungsgesellschaft stamme. Nun ist guter Rat teuer. Die Familie Masurat kann nur noch hoffen, dass Landrat Dieter Harrsen ein Einsehen hat. Sonst ist das Häuschen heute Mittag schon Geschichte.

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erstellt am 28.Jun.2016 | 07:30 Uhr

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