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Insel-Bote

27. Mai 2016 | 04:20 Uhr

Vogelparadies Föhr : „Wie ein Sechser im Lotto“

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Dem Fotografen Matthias Schulte gelingt ein toller Schnappschuss: Er hat einen Seeadler auf der Jagd nach einer Ratte fotografieren können.

Als Matthias Schulte den Seeadler aus der Ferne sieht, setzt er sich sofort ins Auto und fährt los. Die Kamera hat er bereits dabei – das Wetter und die Lichtverhältnisse sind am Nachmittag des 22. Januar so gut, dass er ohnehin Fotos machen will. Auf dem Deich vor der Oevenumer Marsch angekommen ist das Glück mit ihm – der Vogel ist noch da. Schulte nimmt seine Kamera in die Hand, fokussiert und drückt auf den Auslöser. „Ich habe etwa eine Viertelstunde dagesessen und 380 Fotos gemacht“, sagt er. „Ein Hoch auf die digitale Fotografie!“

Der Seeadler steigt immer wieder auf, dreht eine Runde und kehrt zum Deich zurück. Und er kommt immer näher an das Auto, von wo aus der Hobby-Fotograf seine Bilder macht. „Anfangs war er noch etwa 70 Meter entfernt, am Ende waren es nur noch etwa 20.“ Um weiter fotografieren zu können, muss Schulte zwischenzeitlich den Telekonverter abschrauben, um die Brennweite zu verkleinern. Einen kompletten Kamera-Wechsel will er aus Angst, etwas verpassen zu können, nicht riskieren.

Seit 2005 lebt Matthias Schulte auf Föhr, mit der Tierfotografie hat er erst 2011 begonnen. „Anfangs hatte ich noch einen kleinen Fotoapparat, später bin ich dann auf richtige Kameras umgestiegen.“ 90 Prozent seiner Fotos macht er auf der Insel, am liebsten lichtet er Greifvögel ab. „Rohrweihen sind mein eigentliches Steckenpferd“, sagt der 52-Jährige. Er weiß, wo die Vögel brüten, kartiert sie und fährt immer wieder vorbei – auf der Suche nach dem perfekten Foto.

Auch Seeadler beobachtet er seit einigen Jahren regelmäßig. „Seit vier bis fünf Monaten sind sie aber permanent auf der Insel“, sagt er. Auch Nationalpark-Ranger Achim Steinbeck bestätigt das. Seit den vergangenen beiden Wintern gibt es mindestens einen jungen und einen erwachsenen Vogel auf der Insel. „Mit Glück kann man die momentan täglich beobachten.“ Woher sie kommen, kann er allerdings nicht mit Gewissheit sagen – beringt sind scheinbar beide nicht. „Ich vermute aber, dass sie von der schleswig-holsteinischen Westküste kommen“, sagt der Ranger. Sowohl im Rickelsbüller Koog an der dänischen Grenze als auch auf Eiderstedt gäbe es registrierte Paare. Er hält es aber auch nicht für ausgeschlossen, dass die Vögel aus Ostholstein kommen. „Das Revier eines Seeadlers ist groß.“ Dass sich Seeadler zum Brüten dauerhaft auf Föhr niederlassen, kann sich Steinbeck jedoch nicht vorstellen. „Dazu fehlen hier die alten und hohen Bäume“, sagt er. Normalerweise bevorzugen die Tiere alte Buchen oder Eichen für ihre Nester, Pappeln oder Weiden könnten mit dem Gewicht eines Adlerhorstes Probleme bekommen.

In der Regel kommen sie auf die Insel, um auf die Jagd nach Gänsen zu gehen, sagt Steinbeck. Einen Seeadler auf einer erlegten Graugans habe er tatsächlich schon häufiger vor die Linse bekommen, berichtet Matthias Schulte. „Dass es einer von ihnen aber auf Ratten abgesehen hat, konnte ich bislang nicht beobachten“. Erst beim Auswerten der Fotos war ihm aufgefallen, dass neben dem Adler auch die Ratte zu sehen ist. „So ein Bild machen zu können, ist für einen Fotografen wie ein Sechser im Lotto“, sagt er.

Zu fassen bekommen hat der junge Seeadler die Ratte übrigens nicht. Zwar konnte er sie nach mehreren Versuchen kurz greifen und mit in die Luft holen, kurz darauf ist sie ihm aber auch schon wieder entglitten und konnte ihrem Angreifer entkommen.

Weitere Fotos von Matthias Schulte gibt es unter: www.wildes-foehr.de

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erstellt am 13.Feb.2016 | 18:15 Uhr

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