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Insel-Bote

21. Februar 2017 | 06:16 Uhr

Heikles Thema : Wer im alten Gymnasium wohnen soll

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Nach Diskussionen im Bauausschuss: Die Nutzung des früheren RuF-Hotels nahe dem Wyker Flugplatz soll ein Arbeitskreis definieren.

Wer soll zukünftig im alten Gymnasium wohnen? Die Nutzung der auf dem Gebiet des alten Lanschulheims entstehenden Gebäude stand im Fokus der jüngsten Sitzung des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses. Um diese heikle Thematik zu erörtern, waren Gäste vom Festland geladen. Der Investor Christian Möhrke von der Lindhorst-Gruppe kam in Begleitung seines Beraters Michael Westenberger und mit dem Planer Jan Siemer von Skai Architekten aus Hamburg.

„Wie sichert man ab, dass es nicht nur Ferienwohnungen werden?“, brachte die Aussschuss-Vorsitzende Dr. Silke Ofterdinger-Daegel die Diskussion auf den Punkt. „Für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan benötigen wir einen Namen.“ Daraufhin erklärte Möhrke: „Wir hatten bei einem anderen Projekt bereits das gleiche Thema.“ Es sei aber schwierig, diese Nutzung festzulegen. „Wir wollen für pflegebedürftige Menschen – also barrierefrei – bauen. Das bedeutet, dass wir für große Rollstühle planen. Dabei schaffen wir natürlich unnütze Nebenflächen.“ Mit dieser Einbuße wolle man seine Absichten unterstreichen. „Wir können die Nutzung nur baulich festlegen, so verankern und kontrollieren.“

Nach einer längeren Diskussion kamen die Gäste mit dem Gremium überein, einen Arbeitskreis zu gründen, um einen gemeinsamen Nutzungsplan zu erstellen. In einer kleinen Gruppe soll nun erörtert werden, was eigentlich gewollt ist. Vermutlich wird sich Anfang März ein Arbeitskreis aus Ausschussmitgliedern und den Investoren zusammensetzen und weitere Details erarbeiten. Grob geplant ist, die Ergebnisse im April dem Gremium vorzutragen.

Die Baupläne umfassen ein Bestandsgebäude, das in seinem fast ursprünglichen Zustand wiederhergestellt werden soll. Die Nebengebäude wie beispielsweise die Turnhalle sollen zurückgebaut werden. An deren Stelle sollen zwei neue Flügelbauten entstehen, die sich vom Stil her an das alte Gymnasium anpassen. Zudem soll die Auffahrt ausgebaut werden und zwischen den Flügelbauten ein geschützterer Innenhof entstehen.

Die Ausgestaltung des Dachbereiches war bisher noch unklar. Der Planer Jan Siemer aus Hamburg sprach sich nun für einen Dachstuhl im Stil des Bestandsgebäudes aus.

Das zentrale Gebäude hat vier Stockwerke plus Dachgeschoss. Die Flügelbauten sollen zweistöckig errichtet werden. Insgesamt könnten in den drei Gebäuden zirka 75 Wohneinheiten entstehen – etwa 20 bis 25 Wohnungen pro Haus. Die Anzahl der Einheiten hänge vom Bedarf ab. „Mietwohnungen würde ich eher kleiner bauen, damit sie günstiger werden. Eigentumswohnungen eher größer“, so Möhrke.

Das Hauptgebäude eigne sich durch das geräumige Treppenhaus weniger für große Familienwohnungen. „Hier sehe ich eher Ein- bis Zwei-Personen-Wohnungen“, sagte der Investor. Das Konzept sehe an dieser Stelle vor, Dauerwohnungen zu errichten. „Hier wollen wir Mietwohnraum schaffen, der preiswert ist.“

Die Frage sei, welcher Bedarf in der Stadt herrsche. „Wir können uns auch vorstellen, Wohnraum für pflegebedürftige Personen oder solche mit zu erwartendem Pflegebedarf zu schaffen. Für diese Menschen könnten auch Möglichkeiten geschaffen werden, hier Eigentum zu erwerben.“ Diese Wohneinheiten könnten dann im Erdgeschoss der Flügelbauten entstehen. Ein genaues Konzept gibt aber noch nicht.

Ursprünglich hatte die Lindhorst-Gruppe geplant, auf dem Grundstück Ferienwohnungen für ihre Mitarbeiter zu errichten. Durch eine mehrjährige Verzögerung sind die Investoren auf ein anderes Gebiet ausgewichen. „Als wir uns entschieden, dieses Grundstück trotzdem zu kaufen, hatten wir noch gar kein Konzept, was hier einmal entstehen soll“, so Möhrke. Daher sei die Lindhorst-Gruppe offen für fast alles. „Ferienwohnungen benötigen wir in irgendeiner Form, denn es muss sich auch für uns subventionieren“, stellte Möhrke allerdings klar.

Dies stieß auf Widerstand bei den Ausschussmitgliedern. „Mit Ferienwohnungen haben wir ein grundsätzliches Problem – insbesondere mit denen, die verkauft werden“, sagte Holger Frädrich von der SPD. „Selbst Wohnungen, die verkauft werden, sind strittig.“ Er könne sich nur mit Wohnungen für Einheimische abfinden. Diese Meinung fand Zustimmung im Ausschuss.

„Wir versuchen hier nicht auf Zwang Ferienwohnungen zu bauen. Wir sind offen für alles – es muss sich nur irgendwie auch wirtschaftlich für uns tragen“, sagte der Investor.

Die Standpunkte sind klar. Nun sollen in einem Arbeitskreis die Details entwickelt werden. „Die Baugrenzen sind abgesteckt. Jetzt geht es darum, den Bereich mit Leben zu füllen“, so Möhrke.

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erstellt am 15.Feb.2017 | 12:30 Uhr

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