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Insel-Bote

29. August 2016 | 21:51 Uhr

föhr - amrum - dagebüll : Watten Fährlinie: Konkurrenz in weiter Ferne

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Rechtliche Schritte angekündigt: Der Hamburger Unternehmer Dirk Lehmann hadert mit dem Umstand, dass die Brücken in Wyk der WDR gehören.

Die Resonanz war groß, als Dirk Lehmann, Geschäftsführer der „Watten Fährlinien“, vor gut einem Jahr auf Föhr und Amrum zu Informationsabenden geladen hatte. Deren einziges Thema: die geplante Konkurrenz-Fährlinie zur Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR). Der Unternehmer zeigte sich seinerzeit optimistisch und schilderte detailliert das Projekt. Das sieht im Verkehr zwischen Dagebüll, Föhr und Amrum zwei mit Flüssiggas (LNG) betriebene Fähren vor, mit denen der WDR – kostengünstiger und mit häufigeren Fahrzeiten – die Stirn geboten werden soll (wir berichteten).

Doch Dirk Lehmann tritt auf der Stelle und der angekündigte Fährbetrieb zwischen den Inseln, der bereits Ende 2013 aufgenommen werden sollte, ist bis heute nicht realisiert. Nach wie vor hadert der Hamburger Unternehmer mit dem Umstand, dass die Brücken im Wyker Hafen der WDR gehören, und somit, so Lehmann, nicht öffentlich-rechtlich nutzbar seien. Allgemeine Nutzungsbedingungen, zwischenzeitlich von der WDR erstellt, dienten lediglich dazu, das bestehende Monopol zu manifestieren.

Lehmann missfällt, dass er sich bei der Vergabe der „Slots“ – zugewiesene Zeitfenster für die Nutzung des Hafens – im Zweifelsfall hinten anstellen müsste. Denn der WDR-Geschäftsführer Axel Meynköhn, der zu keinem weiteren Kommentar bereit war, verweist auf die älteren Rechte seines Unternehmens. Der Reederei-Chef pocht auf das Gewohnheitsrecht, das nicht gesetzlich geregelt und im Allgemeinen gleichberechtigt mit Gesetzen ist. Im Klartext: Ein neuer Mitbewerber muss schauen, wo er Platz findet – sofern der Marktzugang nicht beschränkt oder verhindert wird.

Ein Problem, das der Watten-Fährlinien-Chef nur für Wyk sieht. „In Dagebüll und Wittdün können wir den Hafen nutzen, wie wir uns das vorstellen.“ Dies habe Norbert Gades, Geschäftsführer der Hafengesellschaft Dagebüll und der Versorgungsbetriebe Amrum und somit Chef beider Häfen, erklärt. Der aber bestätigt lediglich eine grundsätzliche Anfrage zur Hafennutzung: „Ich habe Herrn Lehmann mit Sicherheit nicht zugesagt, dass er die Häfen nach eigenem Gutdünken nutzen kann, wie er will.“

Genauere Auskünfte sind auch kaum möglich, denn Fahrpläne gibt es bisher ebenso wenig wie Schiffe. Die bisherigen Entwicklungskosten lägen im einstelligen Millionenbereich, so der Hamburger Schiffbau-Diplom-Ingenieur. Als Hauptantrieb der Fähren sind drei LNG-Generatoren vorgesehen, durch die Akkus gespeist werden. Die Batterien sollen nachts mit überschüssiger Windenergie aufgeladen werden. Realisiert durch billigen Strom von der Föhrer Windkraft, rechnet Lehmann vor. Der sei nachts aufgrund des geringeren Strombedarfs billig zu haben. Es sei kein Abnehmer da, gäbe keinen Markt und demzufolge auch keinen Preis.

„Theoretisch möglich“, bestätigt Jan Brodersen, Betreiber der Föhrer Windkraft, dass der Preis an der Börse durch Verbrauchsschwankungen um die Hälfte fallen könnte. Spitzenzeiten wechseln sich mit Flauten ab und die Kunst sei, die erforderliche Strommenge zum richtigen Zeitpunkt einzukaufen. „Dann könnte über einen langfristigen Vertrag ein relativ günstiger Strompreis für den Abnehmer erzielt werden“, zuzüglich diverser Abgaben, Umlagen und Steuern. Einen Kontakt mit der potenziellen WDR-Konkurrenz habe es allerdings bisher nicht gegeben.

Keine aktuelle Baustelle für Dirk Lehmann, der nach wie vor die Stadt als Eigentümer des Hafens in der Pflicht sieht, rechtliche Schritte ankündigt und auf entsprechende Schreiben an die Stadt Wyk und den Kreis verweist. Letzterer aber ist nicht involviert, wie Hans-Martin Slopianka, Pressesprecher des Kreises Nordfriesland, auf Nachfrage mitteilte. Wyks Bürgermeister Paul Raffelhüschen und Wyks Hafenchef Ulrich Koch dagegen bestätigten den Eingang eines Schriftstückes, „das inhaltlich nichts Neues bietet“, so Koch, und dessen Fragen bereits vor rund einem Jahr beantwortet worden seien.

Derweil ist das Wyker Büro der „Watten Fährlinien“ nur noch einmal in der Woche nachmittags besetzt. Und Dirk Lehmann kündigt an, alle rechtlichen Möglichkeiten bis hin zur Europäischen Union auszuschöpfen. „Wir denken nicht mehr in Monats-, sondern in Jahresabschnitten.“

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erstellt am 21.Okt.2014 | 09:00 Uhr

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