zur Navigation springen

Insel-Bote

03. Dezember 2016 | 18:51 Uhr

Jugendfeuerwehr Amrum : Was mit Wasser machen

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Nachwuchstruppe hat derzeit 24 Mitglieder. Die sind alle mit Begeisterung dabei.

Die Stimmung bei der Amrumer Jugendfeuerwehr war hammermäßig. Was bestimmt auch an den Hektolitern Wasser liegen mochte, die aus zwei Strahlrohren in den stahlblauen Himmel schossen, sich kreuzten, zerwedelten, garantiert die richtigen trafen und die Wiese am Seezeichenhafen in eine spaßgerechte Matschepampe verwandelten. Hinter den Rohren standen die jüngsten der Truppe: voll in Montur, die Jungs behelmt, die Mädchen mit wehenden (und später klatschnassen) Haaren.

Die Antwort auf die Frage, was denn das Tolle an den Feuerwehrübungen sei, fiel unisono so aus: „Was mit Wasser machen“. Die Lütten hatten die verschiedenen Strahlarten schon ganz gut drauf und wechselten konzentriert zwischen Vollstrahl und Sprühstrahl. „Mannschaftsschutzstrahl“, ruft Niklas. „Der ist wie eine Deckung“. Niklas Zawieja ist elf Jahre alt. „Warum bist du bei der Feuerwehr?“ – „Weil wir auf einer Insel sind. Weil wir den Leuten hier helfen wollen.“ Niklas will später vielleicht das machen, was sein Vater macht. „Der ist hier Sanitäter.“ Im Moment interessiert ihn, wie man professionell mit dem Löschwasser umgeht. Besonders gefallen hat ihm die Sammelaktion zu Biike, da war der Feuerwehr-Nachwuchs nämlich mit dem Traktor unterwegs.

Was mit Wasser machen. Die Kinder, die hinten am Löschfahrzeug neben Toni Genzel die Kommandozentrale umstehen, dürfen natürlich auch ran. Wittdüns Gerätewart unterstützt Jugendwart Norman Peters bei der Arbeit. „Wir machen das hier öfter zu zweit“, sagen sie. Besser ist, denn das Programm ist stramm und die Gefolgschaft ausgelassen. Wie lange reicht denn das Wasser im Tank? Wie lange kann man damit löschen? Die Frage kommt auf und wird prompt unter Realbedingungen beantwortet. „Tank auffüllen, Pumpe an. Volldampf, alles was geht!“, ruft Toni Genzel, während Norman Peters neben ihm die Zeit stoppt. Die Kiddies drängeln sich vor den Hebeln und Knöpfen Andere halten das Rohr, aus dem es volle Pulle schießt, rennen durch den Strahl oder stehen am Rand und lassen sich einsprühnebeln bis das Wasser alle ist. „Eine Minute, 27 Sekunden“, ruft Norman. Sieh an, so lange kann man mit dem Wasser löschen, was im Fahrzeug immer mit fährt. Für mehr braucht man einen Hydranten. „Boah, da muss man schnell sein“, ruft Niklas.

Die Jugendfeuerwehr hat es im Moment gerade ganz gut. Aber die Mitgliederwerbung läuft. „Wir geben alles“, meint Norman Peters und lacht. „Im Moment haben wir 24 Mitglieder“, sagt Peters, der das Jugendwart-Ehrenamt seit fünf Jahren ausfüllt. Gerne und bei all dem Einsatz echt mit Elan. 24 sind also viel, wobei es Zeiten gab mit noch mehr feuerwehrinteressiertem Nachwuchs. Das übliche Problem auch hier: Die Kinder finden Feuerwehr toll, müssen aber zum Abi oder zur Lehre aufs Festland, manche kommen nicht wieder, Wissen und Hilfe gehen flöten. Andere kommen wieder und haben Job und Familie, Zeit geht flöten. Nicht einfach, das zu kompensieren. Außerdem gibts für die Kleinen natürlich auch noch jede Menge anderen Freizeitspaß auf der Insel.

Allerdings ja wohl keinen, der so sinnvoll ist. Und irgendwie auch ziemlich cool. Denn in der Jugendfeuerwehr ist es fast wie in einer kleinen Lehre: technisches Wissen bekommen, Erste-Hilfe lernen, Schläuche legen, Löschangriffe üben, Feuerwehrfeste feiern, gemeinsam wegfahren. Man nimmt echt was mit. Wo die Axt oder das Halligan-Tool im Wagen liegen, wissen die Kiddies genau. Auf der Fahrerseite ist alles für die technische Hilfe, auf der Beifahrerseite alles, was mit Wasser zu tun hat. „Sachen suchen“, sagt Lewin Theus, „das mache ich am liebsten.“ Da ist er nicht alleine. Die anderen Kinder sind von dem Suchen-und-Finden-Spiel in den Tiefen des Feuerwehr-Autos auch begeistert. Die Geräteräume sind nummeriert, von vorne nach hinten, jeweils abwechselnd Fahrer- und Beifahrerseite. Eins ist also hinter dem Fahrer, zwei auf der Beifahrerseite, drei wieder Fahrerseite und so weiter. Und ganz hinten, wo die Hebel für Volldampf und Wasser marsch liegen ist Nummer sieben. „Und auf dem Dach liegt die Leiter, die ist 14 Meter lang und da können drei Leute drauf“, sagt Niklas, der schon öfter auf dem Feuerwehrautodach war.

Lewin Theus, neun Jahre, hatte seinen Eltern schon früh gesagt, dass er zur Feuerwehr wolle. Zur großen – später, wenn er groß ist. Und – prompt zum Geburtstag – gabs den ersten Tag bei der Jugendfeuerwehr geschenkt. Ihm hat die Einweisung in das Auto der Nachbarwehr Nebel sehr gut gefallen, das kann nämlich auch technische Rettung. Scheinbar im Gegensatz zum Fahrzeug, was heute beim Feuerwehrtreffen dabei ist. „Das ist ein Tanklöschfahrzeug“, erklärt Lewin.

Malte Prieg mag die Fahrzeugkunde. Er ist schon zwölf, und erfreulicherweise sind aus seiner fünften Klasse an der Öömrang Skuul fast alle Mitschüler in der Jugendfeuerwehr. Bei den beiden Mädchen Anastasia Nieradzik und Malin Schade aus der siebten Klasse ist dagegen noch Potenzial, denn außer den beiden 13-Jährigen sind nur noch zwei Jungs aus ihrer Altersstufe dabei. Anastasia hat es vom ersten Tag an Spaß gemacht, sie ist seit eineinhalb Jahren dabei, während Malin schon vier Jahre voll hat. Sie hatte damals einmal zugeguckt und blieb. Die Wasserübungen findet sie klasse. Beliebt sind auch die Parcours aus allem, was sich durchklettern und überspringen lässt: Leitern, Saugrohre, Schlauchkörbe und all das.

Jakub Warpechowscy und Moye, Sohn von Toni Genzel, sind erst neun Jahre alt, und kommen zum zweiten Mal. Wobei Moye schon ein Profi ist in Theorie. „Woher hast du das?“ – „Von meinem Vater. Der erzählt mir alles.“ Da ist die Begeisterung voll übergesprungen. Jakub weiß schon, wo das Halligan-Tool liegt, und Norman Peters erklärt, wozu es gut ist. „Damit kann man Autos aufschneiden.“ Moye will wissen, wie eine Säbelsäge aussieht. Und Toni Genzel ermuntert ihn, das Teil aus dem Wagen zu holen, damit es alle sehen können.

Inzwischen sind wir von der patschnassen Wiese über die Umkleide hoch in den Gruppenraum gewechselt und lümmeln auf den Sofas. Nebenan gehts zur Kleiderkammer mit ordentlich aufgehängten Uniformen in allen Größen. Mützen liegen hier und Schutzwesten und Helme. Ganz neue Sachen, die kürzlich die Amrumer Herren der Freimaurerloge „Ambronia“ gespendet haben.

Wer will bei der Feuerwehr bleiben? Auf diese Frage gehen alle Kinderarme hoch. Was muss man denn erfüllen, wenn man zur Jugendfeuerwehr will? Und wer darf eine Uniform tragen? „Also, wer zehn Jahre alt ist, darf in die Jugendfeuerwehr eintreten. Und Teamgeist sollte er mitbringen“, sagt Jugendwart Norman Peters. „Erst wird man ein Jahr auf Probe aufgenommen, einfach so per Handschlag. Wenn man fleißig mitmacht und immer zum Dienst erscheint, ist man nach einem Jahr offiziell dabei und darf auch Uniform tragen. Und mit 16 Jahren gehts dann ab in die große Freiwillige Feuerwehr. Und das mit ganz viel Erfahrung.“ Der kleine Lewin Theus nickt. Ist genau sein Ding.


Im Netz gibts übrigens einen Blaulichtquiz mit über 200 Fragen für Feuerwehrleute. Kniffelig, aber spannend, sich da mal durch zu klicken. www.blaulichtquiz.de

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen