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Insel-Bote

04. Dezember 2016 | 07:16 Uhr

Touristen in SH : Was lockt, ist die Landschaft

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Warum die Touristen in den Norden kommen – und was sich über die Jahre an den Gründen geändert hat.

Spätestens, seitdem in dieser Woche die Ferien im wichtigsten Herkunftsland Nordrhein-Westfalen begonnen haben, brummt sie: die Hochsaison. Doch aus welchen Gründen kommen die Gäste eigentlich nach Schleswig-Holstein? Kieler Urlaubsforscher wissen es genau – und beobachten, was im Langzeit-Trend mehr oder weniger wichtig wird. Die Gästebefragung des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) macht den Vergleich möglich. Sie findet alle zwei Jahre statt. Die deutlichste Verschiebung ist ein dickes Kompliment an die Einheimischen: Nannten 2009 nur 16 Prozent der befragten Urlauber die Gastfreundschaft der Schleswig-Holsteiner als Anlass für Ferien im Norden, so taten dies bei der jüngsten, gerade erst ausgewerteten Erhebung 2015 33 Prozent – also 17 Punkte plus.

Das macht in der Top 10 der Reise-Entscheidungsgründe für Schleswig-Holstein immerhin Platz 6 (siehe Grafik). Ganz weit vorne rangiert ohne nennenswerte Verschiebungen in den letzten Jahren das Motiv „Landschaft/Lage“ (Platz 2). Für 52 Prozent der repräsentativ über alle Jahreszeiten ausgewählten Gäste ist dies eine Triebfeder, in den Norden zu kommen. Um fünf auf 48 Prozent weiter zugelegt hat seit 2009 die drittwichtigste Triebfeder „Strand/Meer/Baden“. Auf Platz eins der Entscheidungsgründe steht die allgemeinere Erwartung, gute Erholungsmöglichkeiten vorzufinden. Bei dieser Kategorie lässt sich ausnahmsweise nicht vergleichen. Diese Antwortmöglichkeit haben die Interviewer bei der jüngsten Befragung erstmals angeboten.

Wie die boomenden Werte für die Einheimischen zustande kommen, kann NIT-Forscherin Henrike Beer nur mutmaßen: „Offenbar bemühen sich die touristischen Anbieter mehr.“ Ein Generationswechsel könne eine Rolle spielen; ebenfalls, dass sich das Vermietungsgeschäft auch bei Ferienwohnungen und Privatzimmern professionalisiere. „Es ist nicht mehr so, dass das in vielen Fällen nur nebenbei läuft nach dem Motto: Wenn jemand fragt, habe ich einen Schlüssel“, schildert Beer. Sie verweist auch auf zahlreiche Service-Schulungen. Dass dies Früchte trage, spiegele sich in den Zahlen. Worin sich auch eine Verbesserung niederschlägt, ist die Rolle der Quartiere. Die Unterkünfte gaben zuletzt 33 Prozent der Urlauber als ausschlaggebend für Schleswig-Holstein an – plus vier Prozent im Sechs-Jahres-Vergleich. „Schäbigkeit ist auf dem Rückmarsch“, attestiert die NIT-Wissenschaftlerin.

Ob es an einem besseren Gegenwert fürs Geld liegt oder an besseren wirtschaftlichen Verhältnissen der Besucher – die Preis-Sensibilität nimmt ab. War ein als attraktiv empfundener Preis 2009 für 38 Prozent ein Grund, anzureisen, spielte dies bei der letzten Befragung 2015 nur noch für 27 Prozent eine Rolle. Trotzdem stiegen die Übernachtungszahlen deutlich. „Für Vermieter also ein positiver Wandel“, betont Beer. „Sie können Preise mindestens wie bisher durchsetzen, und die Gäste kommen trotzdem.“

Noch einmal wichtiger ist den Touristen die Natur geworden: Für 26 Prozent (plus vier seit 2009) kommt es darauf an. Auffällig: Speziell das Wattenmeer hat als Zugpferd enorm zugelegt. Unter den Nordseeurlaubern war es zuletzt für 31 Prozent ein Grund für die Westküste – dreimal mehr als 2011, als zum ersten Mal danach gefragt wurde. „Man muss aufpassen auf das, was man hat“, sagt Beer zum hohen Stellenwert von Landschaft und Natur insgesamt – sowohl im Zusammenhang mit dem Ausbau der Windkraft als auch der Erweiterung touristischer Kapazitäten. Gleichwohl: zu erstarren und die Bedürfnisse nachwachsender Generationen nicht zu bedienen, sei auch keine Option.

Eine wichtige Erkenntnis für diejenigen, die touristische Angebote gestalten: Ausflugsmöglichkeiten spielen für die Gäste eine wachsende Rolle (plus vier Prozent seit 2009). „Darin spiegelt sich die Tendenz, immer mehr in einen Urlaub hineinpacken zu wollen“, erklärt Beer. „Aus dem Wunsch nach mehr Aktivitäten ergibt sich das Interesse, mehrere Orte aufzusuchen.“ Das bedeutet im Umkehrschluss: Werden genügend Anlässe für Trips in die Umgebung geschaffen und kommuniziert, können an einem Gast umso mehr Gemeinden Geld verdienen.

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erstellt am 12.Jul.2016 | 20:00 Uhr

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