zur Navigation springen
Anzeige

Anzeige
Anzeige

Insel-Bote

24. Oktober 2014 | 16:43 Uhr

Historisches auf Föhr : Von "Stinkbüddeln" und duftenden Gärten

vom

Inselhistorikerin führt bei informativem Spaziergang durch Gassen und Gänge des alten Wyk

WYk | Karin de la Roi-Frey mochte ihren Augen kaum trauen, als sich zu ihrem Rundgang "Kleine Gassen, verschwiegene Höfe" an die hundert Interessierte an der Stadtbibliothek eingefunden hatten. Bei klarem, aber kaltem Biike-Wetter war dann der Garten gleich hinter der Rüm-Hart-Grundschule der erste Stopp. Was heute ein trister Hinterhof ist, war - kaum zu glauben - einmal der schönste Garten der Stadt, berichtete die Wyker Historikerin. Ein Verwandter von Bäckermeister Korzen, der als Hofgärtner nach Berlin gegangen war, und später sogar am Hof Queen Viktorias in London arbeitete, hatte hier für eine Gartenanlage nach dem Stil des englischen Königshauses gesorgt.

Anzeige
Anzeige

Wenige Meter weiter, in der Mittelstrasse 17, einem Gebäude, in dem heute eine Galerie untergebracht ist, erfuhr man, dass dort vormals ein k.u.k. Hofschneider seine Werkstatt hatte. "Im 19. Jahrhundert waren regelmäßig Adelige aus Wien zu ausgedehnten Badeaufenthalten auf Föhr und verliehen dem Wyker Schneidermeister diesen Titel für seine gute Arbeit", erklärt de la Roi-Frey. Durch die heutige Süderstraße - laut de la Roi-Frey einst Buschemannsgang (Buschemann für Halunke) genannt, ging es dann zum ehemaligen Haus des Gendarmen, in dem praktischerweise auch gleichzeitig das Gefängnis untergebracht war. "Gleich daneben, im heute leerstehenden Haus Süderstrasse 17, war viele Jahre eine Suppenküche für Matrosen und Hafenarbeiter", führte die Historikerin weiter aus.

Nach einem kurzen Besuch im Laden des Wyker Originals Usche Meuche war der sogenannte "Stinkbüddels Gang", die ehemaligen Abdeckerei in Wyk, die nächste Station. Dieser mündet an der Stelle der ehemaligen Zentralhalle, für viele Jahre das wichtigste Veranstaltungszentrum in Wyk, in die Große Strasse. Heute, als Standort für einen Drogerie-Discounter, erinnert nicht mehr viel an die vormalige Bedeutung dieses Ortes.

Durch den "Simons Gang" gelangte die Gruppe dann zum Hof des ehemaligen Fuhrunternehmers Jens Duer Lorenzen. Wo heute Garagen sind, standen Anfang des letzten Jahrhunderts noch die Remisen für seine Pferdekutschen. In Andenken an Duer Lorenzen hatte der Erbe des Anwesens den Grabstein des Ehepaars Duer Lorenzen im Hof aufgestellt, wo er noch heute zu besichtigen ist.

Vorbei am Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem heutigen Sauermannparkplatz an der Hafenstraße (vormals der Köngisgarten) führte der Spaziergang dann weiter zum "Riewert Hansen Gang", genannt nach dem Pastor, der hier nach Ende seiner Missionarszeit viele Jahre lebte. Von der Mühlenstraße (vormals Mühlen twiete), die bevor Mitte des 19. Jahrhunderts der Sandwall gebaut wurde, die Hauptverbindungsstraße parallel zum Wyker Strand war, ging es zur vorletzten Station, dem Innenhof von Schlachter Kopp am Sandwall. Innenhöfe wie dieser, von denen es im letzten Jahrhundert in Wyk noch einige gab, sind heute eine Seltenheit geworden.

Am Carl-Häberlin-Haus war Karin de la Roi-Frey dann auch schon an der letzten Station ihrer Reise durch die Vergangenheit von Wyk angelangt. Hier schloss sie mit einem Stück persönlicher Geschichte, war ihre Mutter doch Haustochter im Haushalt des bekannten Mediziners gewesen.

Trotz klirrendener Kälte waren die zweieinhalb Stunden wie im Nu verflogen. Im Frühjahr und Sommer plant die geborene Föhrerin de la Roi-Frey, die inzwischen in der Nähe von Stuttgart lebt, wieder auf Föhr zu sein. Dann wird sie, neben ihren historischen Recherchen, auch wieder Zeit für Führungen haben.

zur Startseite

von
erstellt am 23.Feb.2013 | 09:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige