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Insel-Bote

09. Dezember 2016 | 14:43 Uhr

Im Wyker Kino : Von Hedwigs wilden Verwandten

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Das Eckernförder Naturfilm-Festival Green Screen macht nächste Woche wieder Station auf Föhr. Die Kinobesucher können dann ihren Favoriten für den Publikumspreis des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags wählen.

Das Eckernföder Naturfilm-Festival Green Screen reist wieder mit drei Filmen, die für den Publikumspreis des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z) nominiert sind, durchs Land. Am Freitag, 26. August, kann auch das Publikum auf Föhr darüber abstimmen, welcher der drei Filme sein Favorit ist. Die Filme, die dieses Mal bei der Festival-Matinee im Kino am Sandwall gezeigt werden, führen in drei Kontinente: In den hohen Norden Europas, in Namibias Wüste im Süden Afrikas und an den Amazonas in Südamerika. Zur Wahl stehen „Die Reise der Schnee-Eulen“, „Der Strauß – zum Laufen geboren“ und „Tiermythen – Die Kinder des rosa Delfins“. Der Publikumspreis des sh:z wird neben den weiteren Green-Screen-Preisen auf der Preis-Gala des Festivals am 17. September in der Eckernförder Stadthalle verliehen.

Die Reise der Schnee-Eulen

Vielen Harry-Potter-Fans ist die Schnee-Eule „Hedwig“ gut bekannt. Sie überbringt in Potters Zauberwelt wichtige Botschaften. In der realen Welt führt die Schnee-Eule dagegen ein geheimnisvolles Leben nördlich des Polarkreises. In manchen Jahren tauchen die Tiere auch in Deutschland auf und gelten dann als vogelkundliche Sensation. Doch was treibt die hervorragend an die arktische Tundra angepassten Vögel plötzlich in unsere Breiten?

Schnee-Eulen und Lemminge bilden seit Jahrtausenden eine Schicksalsgemeinschaft. Etwa alle vier Jahre vermehren sich die Lemminge massenhaft. In dieser Zeit gibt es für die Schnee-Eulen genug Futter für die Jungenaufzucht. Die Eulen legen dann bis zu elf Eier und können erfolgreich ihre Küken groß ziehen. Zwei bis vier Lemminge verschlingt ein Küken täglich. Doch in den letzten Jahren scheinen in einigen Regionen der Tundra die regelmäßigen Massenvermehrungen auszubleiben. Was passiert mit Lemmingen und Schnee-Eulen? Wie sind die ökologischen Zusammenhänge und was passiert, wenn der Winter einmal viel zu früh kommt?

Die beste Anpassung an den Winter ist es, rechtzeitig in den Süden zu fliehen, wie es die meisten Zugvögel tun. Doch die Lemminge können nicht abwandern und müssen bei Temperaturen bis zu minus 40 Grad ausharren. Ist der nordische Winter zu kalt und der Schnee zu hoch, müssen die Eulen ihr Gebiet verlassen. Die abenteuerliche Reise der Schnee-Eulen beginnt.

Der Film nimmt die Zuschauer mit auf die ungewöhnliche Reise der Schnee-Eulen und zeigt, wie sich Tiere vom Norden bis in den Süden den unwirtlichen klimatischen Bedingungen des Winters anpassen und welche fantastischen Strategien es gibt, die lebensbedrohliche Kälte zu überleben. Mit traumhaften Bildern wird eine Naturgeschichte erzählt, die sich nur alle paar Jahre in unseren Breiten ereignet.

Der Strauß – zum Laufen geboren

In ein völlig anderes Klima-Extrem, die trockenen Wüsten von Namibia im Südwesten Afrikas, führt der nächste Film. Diese Wüsten sind der Schauplatz eines dramatischen Wettlaufes der Natur. Strauße müssen den richtigen Zeitpunkt zum Brüten wählen, damit ihre Jungen kurz vor Beginn der Regenzeit schlüpfen. Nur dann gibt es ausreichend Wasser und Futter und die Chancen steigen, dass ihr Nachwuchs überlebt. Der Film erzählt die Geschichte zweier Straußenpaare: Eines brütet in der Kalahari im Osten von Namibia, das andere in der Namib im Südwesten des riesigen Landes. Der Beginn der Brutzeit der beiden Paare liegt wenige Wochen auseinander, doch diese Zeitspanne entscheidet über Leben und Tod. Der Regen kommt nicht immer exakt zur selben Zeit, in manchen Jahren bleibt er sogar ganz aus. Dann sind alle Bemühungen der Elterntiere vergeblich, und sie müssen es ein Jahr später erneut versuchen.

Strauße sind zäh und widerstandsfähig. Diese größten Vögel der Welt können zwar nicht fliegen, aber um so schneller laufen. Mit bis zu 70 Kilometern pro Stunde sind sie die schnellsten Zweibeiner unseres Planeten. Kein Wunder, haben sie doch die längsten Beine aller Vögel. Strauße legen die größten Eier, bis zu zwei Kilogramm schwer, mit dem Inhalt von rund 25 Hühnereiern. Die Schale ist bis zu drei Millimeter dick und das Schlüpfen harte Arbeit für die Jungen. Wenn sie es geschafft haben, das Ei von innen zu knacken, sind die Kleinen auf sich selbst gestellt. Strauße füttern ihre Jungen nicht. Die Eltern zeigen dem Nachwuchs lediglich, was er fressen kann. Die Straußenmännchen übernehmen die Aufsicht über den Kindergarten und bringen den Küken alles bei, was sie wissen müssen, um für sich selbst zu sorgen. So nehmen Strauße zum Beispiel kleine Steine zu sich, die im Magen helfen, die Nahrung zu zerkleinern.

Dieser Film zeigt einzigartige Verhaltensweisen, wie sie zum Teil noch nie gefilmt wurden. Kameramann Martyn Colbeck gelangen faszinierende Aufnahmen vom weithin schallenden Ruf der Straußenmännchen, vom spektakulären Balztanz der Vögel oder vom Schlüpfen der Jungen. Eine Minikamera, platziert in einem leeren Ei, liefert intime Nahaufnahmen direkt aus dem Nest. Eine andere Szene zeigt, wie eine Straußenhenne einem Schakal dramatisch vorspielt, dass sie verletzt sei, um ihn von ihrem Gelege wegzulocken.

Tiermythen am Amazonas

An den Amazonas führt der dritte nominierte Film. Dort lebt der Flussdelfin, der für die Amazonasindianer ein heiliges Tier ist, der Bote der Wasser-Göttin. Obwohl der Indianer Silvio Carallio Romáo schon früh sein Dorf verließ, um in der Millionenstadt Manaus zu studieren, glaubt er fest an die alten Mythen und Sagen, die sich um den Boto ranken: Dass ein ertrunkener Mensch zu einem Flussdelfin wird, er nachts als gut aussehender Mann im weißen Anzug an Land kommt und am nächsten Morgen wieder im Fluss verschwindet.

Fakt ist: Der Boto ist ein geheimnisvolles Tier. Wie viele Flussdelfine es noch gibt, weiß niemand, denn sie leben in unzugänglichen Bereichen des Amazonas. Doch je öfter Silvio den Delfinen bei seinen Reisen auf dem wasserreichsten Fluss der Erde begegnet, umso mehr interessiert er sich für dieses Tier. Er trifft Wissenschaftler und andere Menschen, die versuchen die Geheimnisse des Boto zu ergründen und sein Verhalten zu verstehen. Silvio beginnt sich zu engagieren, denn er weiß: Der Mensch zerstört den Lebensraum des Botos und damit auch die Lebensgrundlage der Amazonasindianer, und das will Silvio verhindern.


26. August, 10.30 Uhr, Filmtheater am Sandwall, Eintritt frei

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erstellt am 18.Aug.2016 | 18:15 Uhr

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