zur Navigation springen

Insel-Bote

09. Dezember 2016 | 10:46 Uhr

Abschied von Föhr : Vom „echten“ in den hohen Norden

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Aufbruch zu neuen Ufern: Nach 26 erfüllten Inseljahren sucht der Wyker Pastor Jörg Weißbach jetzt in Stockholm neue Herausforderungen.

Nun ist er da, der Abschied von der Insel: Nachdem vorgestern der Möbelwagen bestückt wurde, brach Pastor Jörg Weißbach gestern gemeinsam mit Ehefrau Susanne seine Zelte in Wyk ab. Stockholm ist das Ziel, wo eine neue Pfarrstelle auf den Geistlichen wartet. Weißbach zieht damit einen Schlussstrich unter seine 26-jährige Amtszeit in der Gemeinde St. Nicolai, in der er 1990 als Nachfolger Volker Bethges angetreten war. Genau genommen waren es 25 Jahre, denn schon einmal hatte der Pastor Föhr verlassen, als er ab 2007 als amtierender Propst für ein Jahr die Amtsgeschäfte für den in den Ruhestand wechselnden Propst Südtonderns, Sönke Pörksen, übernommen hatte. Im Rückblick eine aufregende Zeit, sagt Jörg Weißbach, die mit der Fusion der nordfriesischen Kirchenkreise einherging.

Nun also Stockholm, und dort die 1571 gegründete Deutsche St.-Gertruds-Gemeinde. Diese ist Teil der schwedischen Kirche. Deutsche Geistliche predigen zwar in ihrer Heimatsprache, aber nach schwedischer Gottesdienstordnung. Für Weißbach eine „völlig andere und auf den letzten Metern sehr reizvolle Aufgabe“. Die Motivation, etwas Neues zu beginnen, in einem unbekannten Umfeld gefordert zu werden und sich gleichsam neu zu erfinden, sei groß, und in einer Auslandsgemeinde noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Jörg Weißbach will am Ende seiner beruflichen Laufbahn nicht nur auf eine Pfarrstelle zurückblicken: Der Neubeginn dient auch dazu, der Routine zu entfliehen, den Abläufen, die sich im Laufe eines Vierteljahrhunderts eingespielt haben.

1960 In Leverkusen-Opladen geboren, hatte der heute 56-Jährige als Jugendlicher in Hamburg den Weg zur Kirche gefunden. In der Hansestadt besuchte er das Gymnasium und hier sowie im dänischen Aarhus studierte er, nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann, evangelische Theologie. Zweifel an seiner Entscheidung seien nie aufgekommen, stets sei er überzeugt gewesen, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Ein Weg, der seine Fortsetzung nach dem Examen mit dem Vikariat in Kuddewörde in der Nähe des Sachsenwaldes finden sollte. Da hatte Jörg Weißbach bereits eine Familie gegründet und mit Ehefrau Susanne 1985 den Bund fürs Leben geschlossen.

Den Sprung nach Föhr haben beide nie bereut, wo vier Kinder eine unbeschwerte Kindheit im Pastorat in der Ocke-Nerong-Straße erleben sollten. „Ich bin damals voller Freude hierhergekommen und herzlich aufgenommen worden“, betont Jörg Weißbach. Und: „Ich habe mich nie in der Rolle des Pater Braun gesehen, der auf eine Insel strafversetzt wird.“ Das Leben hier bringe Nachteile mit sich, die von den Vorteilen mehr als wettgemacht würden. Eine Herausforderung sei neben dem Wirken in der Ortsgemeinde die mit einer bunten Vielfalt einhergehende Arbeit mit den Urlaubern.

„Ich habe versucht, nahe bei den Menschen zu sein, sie da zu begleiten, wo sie sind“, sieht sich der Pastor weniger als Erneuerer, sondern als einen, der fortsetzte, wofür andere den Grundstein gelegt hatten. So führte er den Weltladen, von seinem Vorgänger Volker Bethge einst ins Leben gerufen, weiter, und es galt, gemeinsam mit Pastorin Hanna Wichmann, den wertvollen Gebäudebestand zu erhalten. Das soziale Netz zu Schulen, Vereinen und Verbänden war engmaschig: Jörg Weißbach war Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Wrixum und seit zehn Jahren als Notfall-Seelsorger tätig, viele Jahre aktiv im Hospiz-Verein, sang in dem von ihm vor 23 Jahren gegründeten Gospel-Chor, unterrichtete Religion und engagierte sich in der Flüchtlingsarbeit.

Der Wunsch des Pastors, diese eingetretenen Pfade zu verlassen, wird sich nun erfüllen, die tägliche Arbeit einige Veränderungen mit sich bringen. „Ich muss sehr viel mehr repräsentieren“, ist er sich dessen bewusst, in einer Gemeinde in der Altstadt, die neben der St.-Nikolai-Kirche – dem Stockholmer Dom – die zentralste in der schwedischen Hauptstadt ist. Und obwohl er von der Evangelischen Kirche in Deutschland entsandt ist: Weißbach wechselt in die schwedische Kirche, bleibt nicht deutscher Pastor. Künftig wird eine schwedische Bischöfin seine Chefin sein. Auch die Liturgie ist in der evangelisch-lutherischen Schwedischen Kirche eine andere. Kriterien, die den Pastor reizen, ein Risiko, das er gemeinsam mit Ehefrau Susanne kalkuliert eingeht.

Dass viele Insulaner seinen Weggang bedauern, sieht Jörg Weißbach als Bestätigung. Dass diese ihn freut, daraus macht der Pastor keinen Hehl. „Es ist eine tolle Gemeinde, es war eine tolle Zeit und ich kann nur dankbar sein.“ Wie überall gab es über die Jahre auch Konflikte, die positiven Erfahrungen aber überwiegen. „Da ist ganz vieles zusammengewachsen und wir werden auch ganz vieles vermissen.“

zur Startseite

von
erstellt am 31.Jul.2016 | 13:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen