zur Navigation springen

Insel-Bote

10. Dezember 2016 | 04:15 Uhr

Auf amrum : Vogel, Wal und Meeresstrand

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Christian Vogel ist an der Küste aufgewachsen. Der neue Leiter des Norddorfer Naturzentrums hat sich deshalb bewusst für den Job auf einer Insel entschieden.

„Das Meer.“ Christian Vogel, der neue Leiter des Naturzentrums auf Amrum, hatte keine Sekunde gezögert mit seiner Antwort auf die Frage, worauf er sich am meisten freut. „Ich bin so froh, endlich wieder am Meer zu sein.“ Kein Wunder. Der 30-jährige studierte Biologe ist in Otterndorf aufgewachsen: „Da ist die Elbe zwölfeinhalb Kilometer breit und hat schon mehr Salz- als Süßwasser.“ Eine Kindheit mit Strand, Düne, Watt, Wind und Lagerfeuer. Viel mehr gabs nicht. Findet nicht jeder gut. Deshalb wunderte es ihn auch überhaupt nicht, als bei seinem Bewerbungsgespräch die erste Frage war: Wie gedenken Sie denn hier auf Amrum Anschluss zu finden?

Vogels Fachrichtung im Oldenburger Biologie-Studium war Ökologie und Biodiversitätsforschung, also Artenvielfalt. Inklusive Otterndorfer Vorbildung ist das eine gute Kombi für Amrums Naturzentrum. „Unsere Dünenführung könnte ich also problemlos sofort übernehmen“, sagt er und lacht. Braucht er aber nur im Notfall. Machen nämlich die drei Freiwilligendienstler. Er konzentriert sich vorerst auf das Einarbeiten – und auf den Wal. Das Pottwal-Skelett, das bald in der leeren Norddorfer Einschwimmhalle ein Zuhause und eine tolle Ausstellung drum herum bekommt. Vorgänger Thomas Chrobock hatte das Projekt zusammen mit Jens Quedens, dem Gründer des Kultur- und Naturschutzvereins Öömrang Ferian, zu dem das Norddorfer Zentrum gehört, sozusagen bis zum Bausatz gebracht. Und nun geht es daran, die Überführung zu organisieren, den Aufbau und vorher das Wändeeinreißen, damit der XXL-Schädel überhaupt rein passt ins Haus. „Ein guter Batzen Arbeit“ findet auch Christian Vogel, der sich in seinem kleinen Büro neben der Info-Theke durch Papiere und Ordner wühlt. Vor seinem Amrumjob war Vogel nahe Osnabrück für ein Planungsbüro mit naturschutzfachlichen Gutachten betraut. Vor allem zu Windkraftanlagen und Kanalerweiterungen.

Vogel amüsiert immer noch der Gedanke an seinen Bewerbungsdurchlauf. „Der Anruf, ob ich mich auf Amrum vorstellen könne, kam an einem Sonnabend, abends um 18 Uhr.“ Schon mal nicht so die typische Zeit für solche Gespräche. Man machte einen Tag aus – aber keine Uhrzeit. Wann er denn da sein solle, hatte Vogel gefragt. Und bekam zur Antwort: „Melden Sie sich doch einfach, wenn Sie auf der Insel sind.“ Genauso trocken-sympathisch ging es weiter. Vogel stand erst vor verschlossenem Naturzentrum, aber fand irgendwann die Menschen, die er suchte. „Man hat sich wirklich viel Zeit genommen für mich. Und dabei ging es auch längst nicht nur ums Fachliche, sondern echt ganz viel um die Frage, passt man auf eine Insel.“

Da sieht Christian Vogel kein Problem. Er ist schon im Studium weitab gewesen, bis hinter Spitzbergen und oft auf Helgoland. Mit Sport, dazu gehört auch das Tauchen – er hat eine Forschungstaucherausbildung – und der Jagd hatte er schnell die ersten Kontakte. Und er freut sich auf den Winter. Strandspaziergänge bei eiskaltem Wind. „Das gehört hier einfach dazu“, sagt er.

Vogel hat einen Jagdschein. „Aus Naturschutzgründen“, wie er sagt. Das Thema war auch Thema beim Bewerbungsgespräch: Welche Art von Naturschutz man vertritt. Was ist verträglich für die Insel? „Also Ideologe bin ich nicht“, sagt Vogel. Seine Schwiegereltern haben eine Landwirtschaft Nähe Osnabrück. Und die betrachten sie mit realistischen Augen. Und: „Jäger“, sagt Vogel, „sind eigentlich die einzigen staatlich geprüften Naturschützer“. Ihm ist wichtig, dass man nicht starr auf seinen Forderungen beharrt. „Man muss Kompromisslösungen finden.“ Neben der Chance, zurück ans Wasser zu kommen, sprach Vogel der Job im Naturzentrum noch aus einem anderen Grund an: „In meinen Augen ist das hier endlich mal ein Naturschutz, wo man, im Rahmen der Möglichkeiten und gemeinsam mit den Insulanern, auch eigene Vorstellungen umsetzen kann.“ Fünf Schutzgebiete von den Dünen bis ins Wattenmeer sind jetzt sein Revier. Und seine Aufgabe wird auch sein, Maßnahmen zum Schutz dieser Gebiete zu erarbeiten.

Dazu gehört der Kniephaken als formidables Vogelbrut- und Rastgebiet, möglichst ohne menschliche Fußabdrücke. Dazu gehört die Bekämpfung invasiver, also gebietsfremder Arten, wie zum Beispiel der Trauerkirsche. Sie breitet sich in der Heide aus und tut ihr nicht gut. Und die Heide selbst, sie besteht viel zu oft aus viel zu viel altem Gehölz. Aber ganz vornean auf der Agenda steht jetzt erstmal der Pottwal samt Ausstellung. Dafür wird Vogel auch die Info-Tafeln schreiben: zur Geschichte des Walfangs, zur Biologie der Pottwale und zu ihrem Lebensraum in der Nordsee.

Vogel ist verheiratet. Und neben der Freude auf Winterstürme und Einsamkeit ist da auch die auf seine Frau. Wiebke Vogel ist ebenfalls Biologin und will nachkommen, sobald sie im Landkreis Uelzen ihr Projekt zur Etablierung einer Naturschutzstiftung ans Laufen gebracht hat.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen