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Insel-Bote

07. Dezember 2016 | 11:33 Uhr

In Wyk : Vier Länder und ein Garten

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Deutsche und Flüchtlinge beackern gemeinsam eine Parzelle. Jetzt war Jäten angesagt.

„Wir gehören dem Helferkreis an, fühlen uns zur Zeit aber nicht ganz ausgelastet“. Um diesen Zustand zu ändern, folgten die Wyker Heide und Dieter Pohl dem Aufruf des Föhr-Amrumer Flüchtlingsbeauftragten Hafedh Ben Mansour zum Einsatz in der Kleingartenparzelle an der Schifferstraße. Der Wyker Kleingartenverein hatte im Sommer vergangenen Jahres dieses Grundstück zunächst kostenlos für die Asylbewerber zur Verfügung gestellt. Sein Vorsitzender Mike Große hatte sich auch bereiterklärt, den Gartenneulingen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

„Den Männern war es langweilig gewesen“, berichtet Ben Mansour, und so hatten sie sich zunächst mit großem Elan auf auf die Gartenarbeit gestürzt, auch wenn ihnen nicht immer so ganz klar war, welche Pflanzen im eher kühlen Norden gedeihen. Man habe aber nicht nur beim Verein, sondern auch bei den Nachbarn stets ein offenes Ohr und Hilfe bei Problemen gefunden.

Doch in diesem Jahr war der Einsatzwille etwas abgeflaut, was der Flüchtlingsbeauftragte auch darauf zurückführt, dass das Leben der Asylbewerber auf Föhr inzwischen mit weiteren Tätigkeiten verbunden ist: Deutschunterricht, Praktika und auch das Einrichten der Wohnungen beanspruchen zusehends Zeit.

So musste die Parzelle an der Schifferstraße jetzt dringend bearbeitet werden. Das empfand auch das Ehepaar Pohl so, und es machte sich mit viel Elan an die Beseitigung des Unkrauts. Dabei erfuhren die Helfer von Ben Mansour, dass die Parzelle in einen syrischen, einen afghanischen, einen eritreischen und einen deutschen Bereich eingeteilt ist, wobei die syrische „Enklave“ sich bereits sehr aufgeräumt präsentierte.

Hasim Tamr, der bei diesem Einsatz die Syrer vertrat, konnte bei dieser Gelegenheit sogar Möhren ernten und stolz auf die Minze verweisen, die im syrischen Garten prächtig gedeiht.

Die Afghanen Rashed Hussini und Arash Atai hatten eine nicht ganz so freie Fläche vorgefunden. Doch die beiden, die in ihrem Heimatland eher wenig mit Gartenarbeit zu tun hatten, machten sich mit Harken und Rechen an die Beseitigung des Unkrautes, wobei sie tatkräftige Hilfe von Hafedh Ben Mansour sowie Heide und Dieter Pohl bekamen. Groß war die Freude, als dann auch Ergebnisse des gärtnerischen Einsatzes gefunden wurden. Kürbisse und einige Kohlrabi waren herangewachsen, während die Paprika- und Auberginenpflanzen im Föhrer Klima keine überzeugenden Produkte zustande gebracht hatten. Auch Ben Mansours Versuche, Tomaten zu ziehen, waren am Wetter gescheitert.

Doch die Akteure im Wyker Kleingarten sind guter Hoffnung, dass aus ihrer Parzelle in Zukunft eine blühende Landschaft wird. Von nun an wollen sich die Gartenfreunde an jedem Donnerstag ab 15 Uhr zu weiteren Aktivitäten treffen, um die Parzelle optimal auf die nächste Saison vorzubereiten. Doch sie mussten jetzt auch feststellen, dass ihre Geräteausrüstung äußerst mickrig ist. Ben Mansour hofft nun, dass sich Menschen finden, die die nötigen Utensilien stiften. Auch Samen aller Art sowie Materialien zum Auffrischen der Gartenhütte sind willkomen. Heide und Dieter Pohl sind zu weiteren Einsätzen entschlossen und träumen jetzt schon vom nächsten Sommer, wenn man im Sonnenschein vor der Hütte sitzen und Kaffee trinken kann.

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erstellt am 09.Okt.2016 | 16:45 Uhr

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