zur Navigation springen

Insel-Bote

07. Dezember 2016 | 11:37 Uhr

Der Erste Weltkrieg : Verschüttet in einem Unterstand

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Wyker Gottfried Nordbeck verlor sein Leben in Verdun in einer der sinnlosesten Schlachten der Weltgeschichte.

Ethel Nordbeck ist sich sicher: „Da, der zweite junge Mann von rechts, das muss Gottfried Nordbeck sein, nach dem mein Mann seinen Namen trägt.“ Es ist kaum etwas geblieben von dem jungen Wyker Gottfried Nordbeck, der am 3. Juli 1916 in einem Unterstand in Verdun verschüttet wurde und sein Leben in einer der sinnlosesten Schlachten der Weltgeschichte verlor.

Der 1981 verstorbene Karl Matthiesen erzählt über die Jugendzeit am Wyker Hafen, dass Gottfried Nordbeck um 1910 „dor tohürte“, wenn es galt, ein Schiff mit Menschenkraft und unter dem Gesang von „Jule dreih di, Jule dreih di, Jule hopp, hopp!“ auf die Helling zu ziehen. Sehr gut möglich, war seine Tante Ida doch die erste Frau des zur Werft Lorenzen gehörenden Schiffszimmermeisters Nommen Friedrich Lorenzen gewesen. Das Bootsschild „Ida“ an der westlichen Seite seines Hauses (Ecke Carl-Häberlin-Straße/Wilhelmstraße) erinnert bis heute daran.

An Gottfried Nordbeck erinnerten auch noch lange einige Zeilen auf dem Grabstein seines Bruders, des Elektromeister John Nordbeck, und dessen Frau Nicoline geborene Andresen: „Gottfried Nordbeck, Heldentod fürs Vaterland, gefallen 3.7.1916, Verdun.“ Und noch ein kleine Erinnerung: Nicoline war erst die Verlobte von Gottfried, dann aber fiel er. Und so wurde Nicoline die Frau des Bruders John und die Mutter von Gottfried Nordbeck, der viele Jahre später im Starklef der Nachbar von Karl Matthiesen wurde, der sich an seinen gefallenen Onkel noch erinnern konnte.

Der Musketier Gottfried Nordbeck, „schmerzlich vermisst und betrauert von den Angehörigen“, wurde im Mai 1915 zunächst nach Russland beordert, bevor er nach Verdun versetzt wurde. Dort traf er seinen Bruder John, der Weihnachten 1915 nach Hause schrieb: „Gottfried und ich haben uns hier getroffen. Wir werden Weihnachten zusammen feiern.“ Auch Knudt Nordbeck, der älteste Bruder, wurde eingezogen, sollte aber zurückkehren. Er lebte später in Bredstedt und betrieb die Tischlerei „Knudt Theodor Nordbeck“ am Markt.

Gottfried, John und Knudt waren die Söhne des Seemanns Adolph Nordbeck aus Hoyer und seiner Frau Agathe Lorenzen, deren Vorfahren von Hooge kamen. Adolph Nordbeck baute das Haus in der Süderstraße 17, in dem später sein Sohn John Werkstatt und Laden hatte, und das heute Usche Meuche gehört. Und noch zwei Erinnerungen: Kapitän Hans Julius Volquardsen erzählt, dass Adolph Nordbeck ein tüchtiger und guter Segelmacher war, der jahrelang für die Lorenzen-Werft arbeitete. Der oft auf Föhr weilende Maler Christian Heyden, der auch das Porträt von Carl Haeberlin anfertigte, malte Adolph Nordbeck 1929 als netzflickenden alten Mann in der Stube seines Hauses. Das Gemälde befindet sich im Dr.-Carl-Haeberlin-Friesenmuseum. In Ethel und Gottfried Nordbecks Unterlagen hat auch ein Kalenderblatt die Zeitläufte überdauert. Es stammt vom 6. September 1918, und Adolph Nordbeck schrieb darauf: „Meine innigst geliebte Frau gestorben“.

Und was geschieht auf Föhr?

Am 19. Juni 1916 starb Anna Bohn geborene Paulsen, Urgroßmutter von „Tiesche“ Bohn, deren Eisenkreuz noch heute westlich des Kirchturms der St.-Nicolai-Kirche steht. Sie war eine Schwester des Tischlermeisters Paul Paulsen, dessen Sohn Jacob Paulsen später eine Tischlerwerkstatt am Sandwall 10 hatte, wo seine Hobelbank heute als Ladentresen dient. Anna Paulsen heiratete den Heizer Volkert Bohn, dessen Vater Boy Bohn zu den Kapitänen der Hamburger Reederei Sloman gehörte.

Auf Föhr und in St.-Peter-Ording ging der Badebetrieb während des Ersten Weltkriegs weiter, wenn auch weniger Gäste kamen. Helgoland, Sylt und Amrum wurden geschlossen, das Militär benötigte die Quartiere, Transportmittel, Verpflegung und so weiter. Viele Hotels und Logierhäuser standen 1918 vor dem Ruin. Und Karl Matthiesen erzählt: „Ja toletzt worn de Männer ok op de Wyker Reederi knapp. Ick kunn inspringen as Heizer, un as Matrosen fohrten unse Kapteinsfruuns.“

Die Postkarte „Zur Ebbezeit“, die die Gegend bei der damals noch intakten Ebbebrücke (vor dem heutigen Café „Valentino“) zeigt, schickte Agnes Osning verheiratete de la Roi ihrem Bruder Sievert, dem Grenadier im 1. Badischen Grenadier-Regiment Nummer 109 ... 28. Division, Im Westen, am 11. Juli 1916: „Lieber Sievert! Habe Deine Karte erhalten, wofür meinen besten Dank. Ich schicke Dir diesmal eine Ansichtspostkarte, die magst du gewiß auch gerne leiden. Hoffentlich hast du die Pakete schon. Hermann Lassen ist hier auch auf Urlaub, er frug nach Dir. Die Karte ist schon voll. Viele Grüße von D. Schw. Agnes.“

zur Startseite

von
erstellt am 04.Jul.2016 | 19:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen